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Medizin

Studie: Erziehungsberatung mildert Ausprägung von autistischen Störungen bei Kindern

Dienstag, 26. Oktober 2021

/LIGHTFIELD STUDIOS, stock.adobe.com

Perth – Eine Erziehungsberatung, die die Eltern bei der Kommunikation mit ihrem Kind unterstützt, hat in einer randomisierten Studie die autistischen Symptome von Kindern im Alter von 3 Jahren abgeschwächt. Die Ergebnisse wurden in JAMA Pediatrics (2021; DOI: 10.1001/jamapediatrics.2021.3298) vorgestellt.

Die meisten Experten gehen heute davon aus, dass sich autistische Störungen in den ersten Lebens­jahren ausbilden, wenn sie nicht sogar schon vor der Geburt angelegt werden. Eine Diagnose ist in der Regel zwar erst im Alter von 3 Jahren möglich. Viele Kinder zeigen jedoch bereits im Alter von 9 bis 15 Monaten erste Verhaltensauffälligkeiten, die mit der SACS-R-Checkliste („Social Attention and Communication Surveillance–Revised“, SACS-R) erkannt werden können.

Ein Team um Andrew Whitehouse vom „Telethon Kids Institute“, einer gemeinnützigen Stiftung an der Kinderklinik in Perth/Australien, hat untersucht, ob eine Erziehungsberatung der Eltern von Kindern, die im SACS-R eine Auffälligkeit zeigten, eine spätere autistischen Störung verhindern oder abschwächen kann.

Die Erziehungsberatung beruht auf dem VIPP-Training („Video Interaction for Promoting Positive Parenting“), das Forscher der Universität Leiden in den Niederlanden entwickelt haben. Sein Ziel ist es, die Empathiefähigkeit der Eltern im Sinne eines „Positive Parentings“ zu verbessern in der Hoffnung, dass die Entwicklung des Kindes gestärkt und die durch einen Empathiemangel gekennzeichnete autistische Störung abgemildert wird.

Das Konzept wurde auf die Bedürfnisse von Kindern mit drohenden autistischen Störungen angepasst. Die Erziehungsberatung „iBASIS-VIPP“ besteht aus 10 Sitzungen, in denen die Eltern zunächst im Umgang mit ihren 9 bis 15 Monate alten Kindern gefilmt werden. Danach analysieren die Therapeuten mit den Eltern die Aufnahmen und entwickeln Strategien, die im individuellen Fall die Bindung zwischen Eltern und Kind verstärken soll.

An der Studie nahmen 104 Kinder (und ihre Eltern) teil, die von den Hausärzten überwiesen worden waren und im SACS-R Auffälligkeiten zeigten. Sie wurden in der Studie auf 2 Gruppen randomisiert, von der eine am „iBASIS-VIPP“-Programm teilnahm, während die andere ungezielte Fortbildungen in Kinder­erziehung erhielten.

Die Kinder wurden im Anschluss an die Intervention sowie im Alter von 2 und 3 Jahren von einem Psychiater auf das Vorliegen von autistischen Symptomen hin untersucht. Die Studie war verblindet: Die Psychiater wussten nicht, ob die Kinder am „iBASIS-VIPP“-Programm teilgenommen hatten. Primärer Endpunkt war der Schweregrad etwaiger autistischer Symptome, die mit der „Autism Observation Scale for Infants and the Autism Diagnostic Observation Schedule“ bewertet wurde.

Wie Whitehouse berichtet, war bei der 1. Nachuntersuchung eine Abschwächung der Symptome erkenn­bar. Der Effekt hatte sich bei der 2. Untersuchung im Alter von 2 Jahren weiter verstärkt und war dann bis zum Alter von 3 Jahren gleich geblieben. Im Alter von 3 Jahren wurden in der iBASIS-VIPP-Gruppe nur 3 von 45 Kindern (6,7 %) als autistisch eingestuft gegenüber 9 von 44 Kindern (20,5 %) in der Vergleichsgruppe.

Die Odds Ratio von 0,18 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0 bis 0,68 signifikant. Auf 7,2 Kin­der, die an der Intervention teilnahmen, kam 1 zusätzliches Kind, das im Alter von 3 Jahren nicht an einer Autismus-Spektrum-Störung erkrankt war.

Diese niedrige „Number to Treat“ spricht für einen hohen Nutzen der Behandlung, der allerdings noch in weiteren Untersuchungen bestätigt werden muss. Wesentlich für die Kosten-Nutzen-Bilanz dürfte sein, ob das „iBASIS-VIPP“-Programm die Verhaltensstörung ganz vermeiden kann oder ihren Beginn nur hinausgezögert hat. Die Forscher wollen die Entwicklung der Kinder deshalb in einer Folgestudie weiter beobachten. © rme/aerzteblatt.de

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