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Medizin

Metastasiertes hormonsensitives Prostatakarzinom: Enzalutamid von Anfang an verlängert Überleben

Montag, 27. September 2021

/SciePro, stock.adobe.com

Lugano – Enzalutamid, ein Inhibitor des Androgenrezeptor-Signalweges, wurde bis vor Kurzem beim Prostatakarzinom nach Versagen einer Androgenentzugstherapie eingesetzt. Seit Mai 2021 ist es in der EU auch zur Behandlung des hormonsensitiven Prostatakarzinoms zugelassen – in Kombination mit einer Hormonentzugstherapie.

Diese Zulassungserweiterung basiert auf den frühen Daten aus der Phase-III-Studie ARCHES, zu der nun beim virtuellen ESMO-Kongress die beeindruckenden finalen Ergebnisse zum Gesamtüberleben präsentiert wurden.

ARCHES (J Clin Oncol, 2021; DOI: 10.1200/JCO.19.00799) schloss 1.150 Männer mit neu diagnostiziertem oder rezidiviertem, metastasiertem, hormon­sensitivem Prostatakarzinom ein, wie der Studienleiter, Andrew Armstrong vom Duke Cancer Institute Center for Prostate and Urologic Cancers in Durham, North Carolina, erläuterte. Sie hatten eine Hormon­entzugstherapie und dazu randomisiert entweder 160 mg/d Enzalutamid oder ein Placebo erhalten und waren bezüglich der Tumorausdehnung und einer eventu­ellen vorherigen Behandlung mit Docetaxel stratifiziert worden.

In der ersten Analyse hatte sich bereits beim primären Endpunkt des progressionsfreien Überlebens eine signifikante Reduktion des Risikos um 61 % sowie eine Verbesserung bei einigen sekundären Endpunk­ten gezeigt, die Daten zum Gesamtüberleben waren zu dieser Zeit noch unreif gewesen. Hier konnte Armstrong nun beim ESMO-Kongress die endgültige Analyse zeigen (Annals of Oncology; DOI: 10.1016/j.annonc.2021.08.2101).

Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug nun 44,6 Monate, nach denen noch ein gutes Drittel der Patienten die ursprüngliche Behandlung einnahmen (34,5 %). Allerdings unterschieden sich die beiden Arme hier bereits sehr deutlich: Im Enzalutamidarm lag die mediane Therapiedauer bei 40,2 Monaten, im Kontrollarm lediglich bei 13,8 Monaten; 31,3 % der Patienten im Kontrollarm hatten von der Möglichkeit eines Cross-over Gebrauch gemacht und waren zur Enzalutamid-Therapie gewechselt, die sie seit median 23,9 Monaten einnahmen.

Beim Gesamtüberleben, einem für die klinische Wirksamkeit entscheidenden Parameter, so Armstrong, ist der Medianwert noch in keinem der beiden Arme erreicht. Hier entwickelte sich in den vergangenen drei Jahren ein zunehmend deutlicher Vorteil für den Enzalutamid-Arm: Während der Unterschied nach zwei Jahren mit einer Überlebensrate von 86,2 % im Enzalutamid- versus 82,4 % im Kontrollarm noch sehr gering war, deutete sich nach 3 Jahren mit 77,9 % versus 69 % bereits eine Separierung der Kurven an, die nun nach 4 Jahren mit 70,6 % versus 57 % noch sehr viel deutlicher ausfällt.

Das Mortalitätsrisiko wurde durch Enzalutamid um 34 % reduziert (Hazard Ratio 0,66; 95 %-Konfidenz­intervall 0,53–0,81; p < 0,0001). Das galt für nahezu alle untersuchten Subgruppen von Patienten; lediglich Patienten mit nur viszeralen Metastasen profitierten möglicherweise nicht, aber es handelte sich hier um sehr kleine Subgruppen.

Noch ausgeprägter war der Unterschied beim ebenfalls sekundären Endpunkt der Zeit bis zur nächsten Anti-Tumor-Therapie, die im Kontrollarm nach median 40,5 Monaten erforderlich wurde, während der Medianwert im Verumarm noch nicht erreicht ist; das Risiko dafür wurde um 62 % reduziert (HR 0,38; 95 %-KI 0,31–0,48).

Offenbar, so Armstrong, ist es erforderlich, von Anfang an mit Enzalutamid zu behandeln, und der nach­trägliche Wechsel kann das anfängliche Fehlen des Anti-Androgens nicht mehr vollständig kompen­sieren: Das zeigt der deutliche Vorteil für den Verumarm beim Gesamtüberleben, obwohl beinahe ein Drittel der Patienten im Kontrollarm wegen einer Progression im Verlauf ihrer ursprüng­lichen Behand­lung die Cross-over-Option zu Enzalutamid gewählt hatte; zusätzlich hatten etwa 10 % der Kontroll­patienten im weiteren Verlauf den Androgenhemmer erhalten, der Anteil der Patienten in diesem Arm, der überhaupt weitere potentiell lebensverlängernde Therapien erhalten hatten, lag bei 70 %. © jfg/aerzteblatt.de

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