NewsMedizinSchlaganfall: Für Rehabehandlungen gibt es ein optimales (nicht zu frühes) Zeitfenster
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Schlaganfall: Für Rehabehandlungen gibt es ein optimales (nicht zu frühes) Zeitfenster

Dienstag, 26. Oktober 2021

/psdesign1, stock.adobe.com

Washington – Der Erfolg einer Rehabehandlung des Schlaganfalls hängt vom Zeitpunkt ihres Beginns ab. Dies kam in einer Phase-2-Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2021; DOI: 10.1073/pnas.2026676118) heraus, die damit die Ergebnisse tierexperimenteller Studien bestätigt, nach denen es nach einer Hirnschädigung ein optimales Zeitfenster für die neuronale Plastizität gibt.

Die neuronale Plastizität, die Grundlage für eine erfolgreiche Schlaganfallreha ist, lässt sich am besten an Tieren untersuchen. Bei Ratten kommt es 2 bis 3 Wochen nach einer ischämischen Hirnschädigung zu einer gesteigerten Ausbildung von Dendriten, die im Gehirn neue Verbindungen zwischen den Nerven­zellen herstellen. Diese „Äste“ werden später in einem „Pruning“ teilweise „zurückgeschnitten“, vermutlich um die neuronalen Verbindungen zu optimieren.

Tierexperimentelle Studien haben auch gezeigt, das eine Reha diese Prozesse optimieren kann. So erhol­ten die Tiere sich besser, wenn sie nach einem Schlaganfall in einem Käfig untergebracht wurden, dessen Ausstattung sie zu Bewegungen motivierte.

Für diese Selbstreha gab es ein optimales Zeitfenster. So erholten sich in einer früheren randomisierten Studie Ratten, bei denen die Behandlung 5 Tage nach dem Schlaganfall begonnen wurde, besser als Tiere, die erst nach 14 oder 30 Tagen mit dem Training begannen (Journal of Neuroscience, 2004; DOI: 10.1523/JNEUROSCI.3834-03.2004).

In einer weiteren Studie konnten sogar Defizite einer Reha durch einen erneuten Schlaganfall mit nach­folgender Reha im optimalen Zeitfenster ausgeglichen werden (Neurorehabilitation and Neural Repair, 2016; DOI: 10.1177/1545968315624783).

In der „Critical Periods After Stroke Study“ (CPASS) wurde untersucht, ob es auch beim Menschen einen optimalen Zeitpunkt für eine Rehabehandlung gibt. In der Studie wurden 72 Schlaganfallpatienten auf 4 Gruppen randomisiert. Die Patienten erhielten zusätzlich zu der üblichen Reha 20 Stunden einer aktivi­täts­fokussierten motorischen Therapie. Die Übungen begannen entweder 30 Tage nach dem Schlagan­fall, 60 bis 90 Tage nach dem Schlaganfall oder erst nach 6 Monaten oder später. Die 4. Gruppe erhielt keine zusätzlichen Übungen.

Der primäre Endpunkt waren die Ergebnisse des „Action Research Arm Test“ (ARAT), der 19 Übungen zur aktiven Bewegungsfähigkeit von Arm und Hand umfasst wie Greifen, Griff, Präzisionsgriff und Grobmoto­rik, die jeweils mit 0 bis 3 Punkten bewertet werden, was eine maximale Punktzahl von 57 ergibt.

Wie das Team um Elissa Newport vom „Center for Brain Plasticity and Recovery“ an der Georgetown Universität in Washington berichtet, erholten sich die Patienten, die 60 bis 90 Tage nach dem Schlagan­fall mit der Extrareha begannen, am besten von den Lähmungen. Der ARAT verbesserte sich um 6,87 Punkte gegenüber der Kontrollgruppe, während es bei den Patienten, die unmittelbar mit der Reha began­nen, zu einem Anstieg um 5,25 Punkte und bei der Gruppe mit Spätreha zu einer Steigerung um 2,41 Punkte kam.

Die Vorteile im ARAT waren in der Gruppe mit einem Rehabeginn im Zeitfenster von 60 bis 90 Tagen nicht nur signifikant, der Gewinn lag laut Newport auch über der Schwelle von 5,7 Punkten, die einen klinisch bedeutsamen Unterschied anzeigt. Dies ist umso erstaunlicher, als alle Teilnehmer eine normale Rehabehandlung erhalten hatten, die in der Interventionsgruppe um eine spezielle Behandlung ergänzt wurde.

Newport betont, dass die Studie primär durchgeführt wurde, um das Vorhandensein eines optimalen Zeit­fensters zu belegen. Weitere Studien müssten jetzt zeigen, wie die Reha gestaltet werden muss, um zu optimalen Ergebnissen zu kommen. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER