NewsÄrzteschaftTherapie mit Rekonvaleszenten­plasma: Zeitpunkt und Antikörper­konzentration sind entscheidend
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Therapie mit Rekonvaleszenten­plasma: Zeitpunkt und Antikörper­konzentration sind entscheidend

Dienstag, 21. September 2021

/picture alliance, Ina Fassbender

Wien – Die Studienergebnisse zur Behandlung von COVID-19-Erkrankten mit Rekonvaleszentenplasma fielen heterogen aus. Mittlerweile hat sich aber herauskristallisiert, dass eine frühzeitige Gabe und eine hohe Konzentration an neutralisierenden Antikörpern der Schlüssel zum Therapieerfolg bei bestimmten Patientengruppen sind.

Darauf wies Hubert Schrezenmeier, 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI), im Vorfeld der 54. Jahrestagung der Fachgesellschaft hin.

Anzeige

Auf die Behandlung mit Rekonvaleszentenplasma waren zu Anfang der Coronapandemie große Hoff­nungen gesetzt worden – auch aufgrund vielversprechender Ergebnisse einer entsprechenden Therapie bei anderen viralen Erkrankungen wie Influenza, SARS-CoV-1 und MERS.

Der durchschlagende Erfolg blieb allerdings zunächst aus, was Schrezenmeier zufolge auch den hetero­genen Studienkonzepten geschuldet ist. Sie unterschieden sich teils drastisch hinsichtlich des Zeitpunkts der Verabreichung des Plasmas, des verabreichten Plasmavolumens und der Menge der darin enthalte­nen neutralisierenden Antikörper.

Mittlerweile lasse sich aus einer Gesamtschau der durchgeführten prospektiven, randomisierten klini­schen Studien eine Zwischenbilanz zur Therapie mit Rekonvaleszentenplasma ziehen: Demnach sind eine möglichst frühe Verabreichung des Plasmas und eine ausreichend hohe Konzentration an neutrali­sierenden Antikörpern entscheidend für den Therapieerfolg.

Nutzen für vulnerable Gruppen mit hohem Risiko für schwere Verläufe

Mit Rekonvaleszentenplasma lässt sich bei sehr früher Gabe bei vulnerablen Personen mit hohem Risiko die Entwicklung eines schweren COVID-19 verhindern, so der Ärztliche Direktor und Medizinische Geschäftsführer des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik Ulm (IKT) und des Instituts für Transfusionsmedizin des Universitätsklinikums Ulm.

Außerdem könne Rekonvaleszentenplasma den Verlauf von COVID-19 günstig beeinflussen bei Patienten mit Störungen des Immunsystems, welche selbst nicht ausreichend und rechtzeitig eine Immunabwehr gegen SARS-CoV-2 aufbauen können.

Was sich in den Studien als ganz klar unwirksam erwiesen hat, ist die Gabe von „Standard­rekonvaleszentenplasma“ bei Patienten mit fortgeschrittenem COVID-19, die bereits hospitalisiert sind und Atemunterstützung benötigen.

Dennoch gebe es, so Schrezenmeier, Signale für einen möglichen Nutzen von Rekonvaleszentenplasma auch in dieser Patientengruppe mit schwerem COVID- 19. Voraussetzung sei, dass mit dem Rekonvales­zentenplasma hohe Mengen neutralisierender Antikörper verabreicht werden.

Hohe Antikörperdosis könnte auch bereits schwer erkrankten Patienten helfen

Dieses Signal war unter anderem in der CAPSID-Studie zu beobachten: In dieser vom DRK-Blutspende­dienst Baden-Württemberg-Hessen koordinierte Studie hatte eine Untergruppe von Patienten eine höhere kumulative Menge an neutralisierenden Antikörpern erhalten (J Clin Investigation, 2021; DOI: 10.1172/JCI152264).

Das Ergebnis waren signifikant kürzere Intervalle bis zur klinischen Besserung. Die Patienten dieser Gruppe konnten das Krankenhaus im Median bereits nach 21 Tagen verlassen, gegenüber 51 Tagen in der Kontrollgruppe.

Außerdem führte die Behandlung mit einer höheren Antikörper-Konzentration zu einer besseren Über­lebensrate. So lag die Überlebenswahrscheinlichkeit der Patientengruppe, welche hohe Mengen neutra­lisierender Antikörper erhalten hatte, nach 60 Tagen bei 91,6 Prozent, gegenüber 68,1 Prozent in der Kontrollgruppe.

„Wir sehen in den Studienergebnissen, dass es bei der Behandlung mit Rekonvaleszentenplasma sehr stark auf die Konzentration der Antikörper im Plasma ankommt“, so Schrezenmeier. Zwischenzeitlich seien standardisierte Methoden entwickelt worden, die es erlaubten, die Konzentration der Antikörper im Plasma genau messen zu können. Dies trage zu einer zielgerichteten Auswahl von Spendern bei. © nec/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER