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Medizin

Seminom Stadium IIA/B: Multimodal mit weniger Toxizität heilen

Montag, 27. September 2021

Das Seminom ist die häufigste Form von Hodenkrebs. /Kateryna_Kon, stockasobecom

Lugano – Die Behandlung von Hodenkarzinomen zählt ähnlich wie die des Hodgkin-Lymphoms zu den großen frühen Erfolgsgeschichten der Onkologie: In beiden Fällen hat klinische Forschung mit syste­matisch aufeinander aufbauenden Studien dazu geführt, dass mehr als 90 % der Patienten geheilt werden können.

Das gelang zunächst mit teilweise sehr aggressiven Chemotherapie-Protokollen, bei denen man für die meist noch sehr jungen Patienten erhebliche Langzeittoxizitäten in Kauf nehmen musste. Dass sich diese erheblich reduzieren lassen, zeigt eine beim virtuellen ESMO-Kongress vorgestellte schweizerisch-deutsche Phase-II-Studie zum Seminom im Stadium II (Annals of Oncology, DOI: 10.1016/j.annonc.2021.08.2106; Registriert unter: ClinicalTrials.gov No. NCT01593241).

Bei Hodentumoren ebenso wie beim Hodgkin-Lymphom geht es in den letzten Jahren in erster Linie darum, in kontrollierten Studien die Intensität der Therapie herabzufahren, ohne dass sie dabei an Effektivität einbüßt.

Ein Beispiel dafür ist eine Phase-II-Studie der Schweizerischen Gruppe für Klinische Krebsforschung (SAKK) und der Deutschen Studiengruppe für Hodenkrebs (GTCSG), in der ein neuer Standard für Seminome im klinischen Stadium IIA/B erprobt werden sollte.

Dieses Stadium ist durch Lymphknotenmetastasen im Becken und/oder Retroperitoneum gekenn­zeichnet; bei einer Größe bis zu 2 cm spricht man von einem Stadium IIA, bei größeren Knoten von IIB. Bisheriger Therapiestandard für diese Tumoren ist entweder eine Strahlentherapie mit 30–36 Gy, die das ipsilaterale Becken und den para-aortalen Bereich erfasst (sogenannte „dog-leg“-Radiotherapie) oder eine Chemotherapie mit 3 bis 4 Zyklen einer cisplatinbasierten Kombination. Damit lassen sich pro­gressionsfreie 3-Jahres-Überlebensraten von rund 90 % erreichen, aber um den Preis potentieller akuter oder später auftretender Toxizitäten.

In der schweizerisch-deutschen Studie sollten beide Modalitäten in reduzierter Intensität miteinander kombiniert werden, und beim ASCO-GU-Kongress 2020 war bereits über die geringe akute Toxizität bei diesem Regime berichtet worden (Papachristofilou A et al. J Clin Oncol 38, 2020, suppl 6; abstr 405).

Beim aktuellen ESMO-Kongress stellte A. Papachristofilou, Strahlentherapeut am Universitätsspital in Basel, nun die Daten zur Effektivität vor: In der einarmigen prospektiven Studie hatten 120 Patienten mit Seminomen der Stadien IIA/B – entweder neu diagnostiziert oder als Rezidiv unter aktiver Über­wachung – im durchschnittlichen Alter von 40 Jahren eine Kombination aus einem Zyklus Carboplatin (AUC7) und nachfolgender Involved-node-Radiotherapie (mit 30 Gy bei Stadium IIA bzw. 36 Gy bei Stadium IIB) erhalten.

Als primärer Endpunkt wurde die 3-Jahres-Rate des progressionsfreien Überlebens festgelegt, die bei 95 % liegen sollte. Sekundäre Endpunkte sind die Zeit bis zur Progression, Gesamtüberleben, Progressions­muster sowie akute und chronische Nebenwirkungen einschließlich sekundärer Malignome.

20 Zentren in der Schweiz und Deutschland benötigten beinahe 6 Jahre, um 120 Patienten einzu­schließen, von denen 116 die Behandlung begannen. 46 Patienten hatten ein Stadium IIA, 76 waren nicht vorbehandelt. Die Nachbeobachtungszeit beträgt für alle Patienten mindestens 3 Jahre, im Median 4 1/2 Jahre.

Die progressionsfreie 3-Jahres-Rate liegt im Gesamtkollektiv bei 93,7 % (90 %-KI 88,5–96,6 %), für das Stadium IIA bei 95,2 % (90 %-KI 85,5–98,5 %), für Stadium IIB bei 92,6 % (90 %-KI 85,1–96,4 %). Insgesamt entwickelten 7 Patienten ein Rezidiv – im Stadium IIA nur 1, im Stadium IIB 6; alle Rezidive lagen außerhalb des Bestrahlungsvolumens, und in allen Fällen sprachen sie auf eine Salvage-Chemotherapie an.

Bei der SAKK 01/10-Studie handelt es sich um die bislang größte abgeschlossene prospektive Studie zum Stadium-IIA/B-Seminom. Die Kombination aus einer Einzeldosis des besser verträglichen Carboplatin (in allerdings hoher Dosierung) und einer Involved-node-Bestrahlung führt zu einer befriedigenden 3-Jahres-Rate für Progressionsfreiheit bei gleichzeitig sehr niedriger Nebenwirkungsrate. Da außerdem alle auftretenden Rezidive auf eine konventionelle Salvagetherapie ansprachen, stellt dieses Protokoll eine attraktive Behandlungsoption des Seminoms im Stadium IIA/B dar, so Papachristofilou. © jfg/aerzteblatt.de

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