NewsMedizinKoronarstenosen auch ohne Symptome in der Bevölkerung weit verbreitet
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Koronarstenosen auch ohne Symptome in der Bevölkerung weit verbreitet

Freitag, 29. Oktober 2021

Leitsymptom einer Koronarstenose ist eine Angi­na pecto­ris. Durch eine fortschreitende Arteriosklerose verengen sich die Herzkranzarterien. /lom123 adobe.stock.com

Göteborg – Mehr als 40 % aller Erwachsenen ohne bekannte Herzerkrankung hatten in einer landeswei­ten Querschnittstudie aus Schweden im Alter von 50 bis 64 Jahren Stenosen in den Koronararterien, die mit einer CT-Angiographie des Herzens sichtbar gemacht wurden und laut der Publikation in Circulation (2021; DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.121.055340) auch ohne eine Koronarverkalkung auftreten können.

Die koronare Herzkrankheit gehört noch immer zu den häufigsten Todesursachen in den westlichen Ländern. Zwar haben sich die Behandlungsergebnisse durch die perkutane koronare Intervention deut­lich verbessert. Viele Patienten sterben jedoch, bevor sie die Klinik erreichen. Die 28-Tage-Mortalität liegt nach einer schwedischen Studie noch immer bei 28 %.

Ursache der koronaren Herzkrankheit sind Verschlüsse der Koronararterien, zu denen es kommt, wenn atherosklerotische Läsionen in den engen Gefäßen aufbrechen und es zur Bildung eines Blutgerinnsels kommt, das die Koronarie verschließt. Das Ausmaß der Atherosklerose ließ sich lange Zeit nur durch eine Herzkatheteruntersuchung ermitteln, die in der Regel erst durchgeführt wird, wenn die Betroffenen an einem akuten Koronarsyndrom erkrankt sind.

Die technische Entwicklung der Computertomografie (CT) hat es in den letzten Jahren möglich gemacht, die Koronargefäße ohne Herzkatheter zu untersuchen. Schwedische Kardiologen haben seit 2013 an 6 Zentren des Landes mehr als 30.000 beschwerdefreie Männer und Frauen im Alter von 50 bis 64 Jahren untersucht. Dabei wurde neben einer Messung des Koronarkalks auch eine CT-Angiographie durchge­führt.

Für diese Untersuchung wurde den Probanden (nach Untersuchung der Nierenfunktion) ein jodhaltiges Kontrastmittel in die Venen gespritzt, nachdem sie einen Betablocker zur Verlangsamung des Herz­schlags und Glyceroltrinitrat zur Erweiterung der Gefäße erhalten hatten. Die Untersuchung war also mit einer intravenösen Injektion und einem gewissen Strahlenrisiko verbunden. Dennoch war die Bereit­schaft zur Teilnahme hoch. Jeder 2. der angesprochenen Erwachsenen ließ die Untersuchung bei sich durchführen.

Ein Team um Göran Bergström von der Universität Göteborg stellt jetzt erste Ergebnisse der „Swedish CArdioPulmonary bioImage Study“ (SCAPIS) vor. Sie zeigen, dass atherosklerotische Läsionen in den Koronararterien häufiger sind als bisher angenommen. Von den 25.182 Teilnehmern, bei denen die CT-Angiografie erfolgreich durchgeführt wurde, hatten 10.603 (42,1 %) wenigstens eine atherosklerotische Läsion in den Koronargefäßen, obwohl sie keinerlei Symptome einer koronaren Herzkrankheit aufwiesen und nur wenige kardiometabolische Risikofaktoren hatten: Nur 6,4 % nahmen Lipidsenker, 17,6 % Hoch­druckmedikamente und 2,8 % Diabetesmedikamente ein. Blutdruck und die meisten Laborwerte waren ebenfalls unauffällig.

Die meisten koronaren Läsionen haben die Durchblutung der Koronarien nicht eingeschränkt. Insgesamt 5,2 % hatten jedoch mindestens eine Stenose von mehr als 50 %, bei 1,9 % war entweder der Haupt­stamm der linken Koronararterie oder ihr linker Hauptast (LAD) befallen, oder es lag sogar eine 3-Gefäß­erkrankung vor, was Kardiologen in der Regel als riskant und behandlungsbedürftig einstufen. Interes­san­ter­weise waren 8,3 % der Läsionen nicht verkalkt. Sie konnten deshalb nicht die parallel durchge­führte Bestimmung des Koronarkalks beeinflussen.

Insgesamt war die Korrelation zwischen den Stenosen und dem Gesamtkalkgehalt der Koronarien, der mit einem CAC-Score bestimmt wurde, hoch: Teilnehmer mit Koronarläsionen hatten in der Regel einen höheren CAC-Score. Von den Teilnehmern mit einem CAC-Score von 400 oder höher hatte fast die Hälfte eine mehr als 50%-ige Stenose in den Koronararterien. Insgesamt 5,5 % der Teilnehmer mit einem CAC-Score von 0 hatten jedoch eine Koronarsklerose, die bei 0,4 % zu einer signifikanten Behinderung des Blutflusses führte.

Dies ist nach Ansicht der American Heart Association ein wichtiger Befund, da die aktuelle Leitlinie der Fachgesellschaft das Herzinfarktrisiko von Personen mit einen CAC-Wert von 0 als gering einstuft.

Weitere Ergebnisse der Untersuchung waren, dass die Koronarsklerose bei Frauen durchschnittlich 10 Jahre später einsetzte als bei Männern. Mit dem Alter kam es erwartungsgemäß zu einer Zunahme. Bei den 60- bis 64-Jährigen wurden 1,8-mal häufiger Läsionen gefunden als bei den 50- bis 54-Jährigen. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER