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Medizin

Metastasiertes NSCLC: Fehlschlag in der Folgebehandlung nach Immun- und Chemotherapie

Samstag, 25. September 2021

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Lugano – Nach dem Erfolg der 1. Generation von Immuncheckpoint-Inhibitoren, der neben den zielge­richteten Therapien in den letzten Jahren die Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzi­noms bestimmte, werden mittlerweile zunehmend auch andere innovative Therapiekonzepte entwickelt.

Beim virtuellen ESMO-Kongress etwa wurde eine Phase-III-Studie mit einem Inhibitor des proinflamma­torischen Zytokins Interleukin 1β vorgestellt, der zuvor hoffnungsvolle Daten geliefert hatte. Als Folge­therapie nach Immun- und Chemotherapie konnte er in Kombination mit Docetaxel leider keinen Nutzen nachweisen (Annals of Oncology; DOI: 10.1016/j.annonc.2021.08.1799; Registriert unter: ClinicalTrials.gov No. NCT03626545).

Patienten mit metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) ohne nachweisbare Treiber­mutationen werden heute in aller Regel mit Immuncheckpoint-Inhibitoren (PD-1- oder PD-L1-Antikör­pern) und platinhaltigen Chemotherapien behandelt.

Patienten, die danach progredient sind, haben derzeit nur sehr begrenzte Optionen. Ein neues Therapie­prinzip, das bisher etwa zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen genutzt wird, stellt die Hemmung des inflammatorischen Zytokins Interleukin 1β (IL-1β) dar, dem auch eine Rolle bei Entstehung, Invasion und Metastasierung von malignen Tumoren zugeschrieben wird.

In Tiermodellen kann die Hemmung von IL-1β, insbesondere in Kombination mit Docetaxel, das Tumor­wachstum verlangsamen und die Anreicherung immunsuppressiver myeloider Zellen im Tumorgewebe unterbinden.

In der Phase-III-Studie CANTOS hatte der Anti-IL-1β-Antikörper Canakinumab, eigentlich zur Behand­lung von Atherosklerose bei Patienten mit Myokardinfarkt getestet, dosisabhängig das Risiko für und die Mortalität durch Lungenkrebs reduziert (Lancet 2017; DOI:10.1016/S0140-6736(17)32247-X).

Da Docetaxel eine der meistbenutzten Therapien in der Zweit- und Drittlinienbehandlung des NSCLC ist, wurde die Kombination aus Canakinumab und dem Taxan präklinisch getestet und zeigte eine stärkere Wirksamkeit als die Chemotherapie alleine.

In der Phase-III-Studie CANOPY-2 wurde dieses Konzept nun randomisiert gegen die alleinige Chemo­therapie getestet und die ersten Ergebnisse beim ESMO-Kongress von Luis Paz-Ares vorgestellt. Einge­schlossen wurden 237 Patienten mit NSCLC der Stadien IIIB–IV ohne bekannte EGFR- oder ALK-Muta­tionen, die zuvor bereits eine Chemotherapie mit einer Platindoublette und einen Immuncheck­point-Inhibitor – kombiniert oder sequentiell – erhalten hatten. Sie bekamen im 3-wöchentlichen Abstand Docetaxel (75 mg/m2 i.v.) und dazu subkutan entweder Canakinumab (200 mg) oder Placebo. Als primärer Endpunkt war das Gesamt-, als ein sekundärer Endpunkt das progressionsfreie Überleben definiert.

Die Studie war leider negativ, so Paz-Ares: Nach bislang median 13,8 Monaten Nachbeobachtungszeit war der Canakinumabarm beim Gesamtüberleben mit median 10,5 versus 11,3 Monaten nicht überlegen (Hazard Ratio 1,06; 95 %-Konfidenzintervall 0,76–1,48).

Ähnlich fielen die Ergebnisse für das progressionsfreie Überleben aus mit median 4,17 versus 4,21 Monaten (HR 1,12; 95 %-KI 0,85–1,50). Die Verträglichkeit von Canakinumab war nicht schlecht: Neben­wirkungen vom Grad 3 oder höher waren nicht häufiger als mit Placebo (70,0 % vs. 69,3 %), auch nicht bezüglich von Infektionen (21,7 % vs. 17,6 %), allerdings waren diese Infektionen in 6,7% der Fälle im Canakinumabarm tödlich, im Kontrollarm nur bei 1,8 % der Patienten. Ein Therapieabbruch war unter Canakinumab mit 23,8 % sogar etwas seltener als im Placeboarm mit 28,9 %. Während der Therapie verstarben bislang 35,8 % versus 31,6 % der Patienten.

Die Zugabe von des Anti-IL-1β-Antikörpers Canakinumab zur Chemotherapie mit Docetaxel bringt in der Zweit- bzw. Drittlinientherapie des metastasierten NSCLC offenbar leider keinen Vorteil, so Paz-Ares. Die Analyse von Biomarkern ist noch nicht abgeschlossen, und Canakinumab wird derzeit noch in anderen Situationen beim NSCLC (adjuvant, neoadjuvant, Erstlinie) untersucht. © jfg/aerzteblatt.de

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