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Medizin

COVID-19: Delir eine häufige Komplikation bei schweren Erkrankungen

Donnerstag, 23. September 2021

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Ann Arbor/Michigan – Ein Delir, eine bekannte Komplikation auf Intensivstationen, tritt bei Patienten mit COVID-19 offenbar häufiger auf als bei anderen Patienten. An einer US-Klinik waren laut einer Publika­tion in BMJ Open (2021; DOI: 10.1136/bmjopen-2021-050045) 3/4 aller Intensivpatienten betroffen.

Dass COVID-19-Patienten auf Intensivstationen häufig ein Delir entwickeln, war im Verlauf der Epidemie frühzeitig aufgefallen. Experten führen dies auf eine Infektion von Hirnzellen durch SARS-CoV-2 und auf die heftigen Entzündungsreaktionen zurück, die die Blut-Hirn-Schranke schädigen. Aber auch eine verminderte Sauerstoffversorgung infolge der Pneumonie und Thrombosen in den Hirngefäßen können ein Delir auslösen.

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Auf einer Intensivstation der Universität Michigan in Ann Arbor wurde bei 108 von 148 Patienten (73 %) ein Delir diagnostiziert. Das Delir dauerte im Mittel 10 Tage und war mit dafür verantwortlich, dass die Patienten 19 Tage auf der Intensivstation verbrachten gegenüber nur 4 Tagen bei den Patienten ohne Delir. Die Delirpatienten wurden über 18 Tage maschinell beatmet, was bei keinen der Patienten ohne Delir notwendig war. Delirpatienten erhielten (wegen der Beatmung) häufiger Sedativa, und ihre Entzün­dungsparameter waren erhöht. Beides könnte nach Einschätzung von Phillip Vlisides von Michigan Medicine die Entwicklung des Delirs begünstigt haben.

Hinzu kam, dass während der 1. Welle der Epidemie präventive Maßnahmen wie eine Frühmobilisierung, zwischenzeitiges Wecken des Patienten oder kognitive Anreize (Hör- und Sehhilfen) nur eingeschränkt möglich waren, da es an Schutzkleidung fehlte und das Personal nicht durch Impfungen geschützt werden konnte. Auch die fehlenden Besuchsmöglichkeiten von Angehörigen könnten nach Ansicht von Vlisides die Entwicklung eines Delir gefördert haben.

Das Delir eines Patienten ging mit einer schlechteren Prognose einher. Insgesamt 38 % mussten in ein Pflegeheim zur Anschlussversorgung überwiesen werden, nur 37 % konnten nach Hause entlassen werden. Die übrigen 25 % überlebten die Erkrankung nicht. Von den Patienten ohne Delir, konnten die meisten (55 %) direkt nach Hause entlassen werden, nur 15 % kamen in die Anschlusspflege. Die Sterbe­rate betrug hier 30 %.

Fast 1/3 der Patienten hatte sich bei der Entlassung noch nicht von dem Delir erholt. Bei einigen Patien­ten hielten diese Symptome noch über Monate an. Zu den Folgen des Delirs gehörten kognitive Ein­schränkungen und Depressionen.

Die MRT-Aufnahmen des Gehirns, die bei 47 Patienten in der Klinik gemacht wurden, waren zumeist unauffällig. Bei 2 Patienten wurden Hinweise auf eine Enzephalitis gefunden. 1 weiterer Patient hatte hypoxische-ischämische Schäden erlitten, die auch bei einem CT 2 Wochen später noch vorhanden waren. © rme/aerzteblatt.de

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