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Säuglinge haben mehr PET-Mikroplastik im Stuhl als Erwachsene

Mittwoch, 27. Oktober 2021

/ukrolenochka, stock.adobe.com

New York – Säuglinge sind offenbar stärker als erwachsene Menschen Mikroplastik ausgesetzt. US-Forscher fanden in den Stuhlproben von Säuglingen deutlich höhere Konzentrationen von Polyethy­lenterephthalat (PET) als bei Erwachsenen, während die Unterschiede bei Polycarbonaten geringer waren. Sie führen die hohe Exposition im ersten Lebensjahr in Environmental Science & Technology Letters (2021; DOI: 10.1021/acs.estlett.1c00559) neben der Nahrung auch auf den oralen Kontakt mit zahlreichen Plastikgegenständen zurück, die Säuglinge häufig mit dem Mund erkunden.

Der Nachweis von Mikroplastik in menschlichen Stuhlproben hatte im Oktober 2018 erstmals für Schlagzeilen gesorgt. Inzwischen ist klar, dass es sich um keinen Einzelfall gehandelt hat. Der Mensch ist in seiner Umgebung praktisch überall winzigen Plastikteilchen ausgesetzt. Sie sind im Hausstaub, aber auch in Lebensmitteln und selbst im Trinkwasser enthalten (wenn es in Plastikflaschen aufbewahrt wird) und gelangen deshalb auch in den Körper.

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Anfangs wurden die kleinen Kunststoffteilchen mit einem Durchmesser unter 5 mm, so die verbreitete Definition für Mikroplastik, als gesundheitlich unbedenklich eingestuft. Inzwischen ist klar, dass sie nicht einfach den Magen-Darm-Trakt passieren und vollständig über die Faeces ausgeschieden werden. Neue­re Studien deuten vielmehr darauf hin, dass kleinste Teile von Mikroplastik Zellmembranen durchdrin­gen können und in den Kreislauf gelangen.

Die Exposition gegenüber Polystyrol-Nanoplastik führte in Laborstudien zu einer Verringerung der Lebensfähigkeit menschlicher Lungenzellen, zum Stillstand des Zellzyklus, zur Aktivierung entzündlicher Gene und zur Förderung der Zellapoptose. Bei trächtigen Mäusen verursachte eine Exposition sogar Stoffwechselstörungen bei den Nachkommen. Der Nachweis von Mikroplastik in der menschlichen Plazenta lässt befürchten, dass ähnliche transgenerationale Effekte auch beim Menschen auftreten (Environment International 2021; DOI: 10.1016/j.envint.2020.106274).

Säuglinge könnten durch den oralen Kontakt mit Plastikgegenständen besonders stark exponiert sein. Dies hat ein Team um Kurunthachalam Kannan von der New York University School of Medicine bewogen, Stuhlproben von 3 Neugeborenen (Mekonium), von 6 Säuglingen im Alter von 1 Jahr und von 10 Erwachsenen auf Polyethylenterephthalat (PET) und Polycarbonate (PC) zu untersuchen.

PET wird unter anderem zur Herstellung von Kunststoffflaschen („PET-Flaschen“), Folien und Textilfasern verwendet. Zu den PC gehört beispielsweise Bisphenol A, das als Weichmacher in vielen Plastikgegen­ständen enthalten ist.

In allen Stuhlproben wurde Mikroplastik gefunden. Dass auch die Mekonium-Proben belastet waren – 2 der 3 Proben enthielten 3.200 und 12.000 ng/g PET – weist auf Fehlermöglichkeiten bei der Asservie­rung oder der Analyse von Mikroplastik hin. Das Mekonium, der erste Stuhl eines Neugeborenen, besteht aus abgeschilferten Darmepithelien und aus den mit dem Fruchtwasser verschluckten Haaren und Haut­zellen des Fetus. Es kann eigentlich noch kein Mikroplastik aus der neuen Umgebung des Neugeborenen enthalten. Dass das PET aus den Windeln stammt, ist unwahrscheinlich, da diese in der Regel aus Polypropylen bestehen, nach dem in der Studie nicht gesucht wurde.

Das Mikroplastik, das in den Stuhlproben der 1-ährigen Säuglinge nachgewiesen wurde, dürfte eher auf die Nahrung oder die mit dem Mund aufgenommenen Stoffe zurückzuführen sein. Säuglinge sind von vielen Plastikgegenständen umgeben. Dazu gehören Babyflaschen, Trinkbecher und andere Essutensilien (Löffel, Schüsseln), Plastikbeißringe und Spielzeug. Da Säuglinge an vielen Gegenständen kauen und lutschen, kann auch PET aus Kunststoffteppichen oder Textilien in den Körper gelangen. Erwachsene haben deutlich weniger Möglichkeiten, PET aufzunehmen.

Die PET-Konzentrationen im Stuhl der Säuglinge waren mit 5.700 bis 82.000 ng/g (median 36.000 ng/g) deutlich höher als in den Stuhlproben der Erwachsenen, die von 0 bis 16.000 ng/g (median 2.600 ng/g) PET enthielten. Bezogen auf das Körpergewicht waren Säuglinge im Mittel täglich mit 83.000 ng/kg Körpergewicht mit PET exponiert gegenüber täglich 5.800 ng/kg Körpergewicht, also mehr als 10-fach stärker.

Bei den Polycarbonaten (PC) waren die Unterschiede geringer. Die Konzentration in den Stuhlproben war bei den Säuglingen mit 49 bis 2.100 ng/g (median 78 ng/g) sogar etwas niedriger als bei den Erwach­senen mit 37 bis 620 ng/g (median: 110 ng/g). Bezogen auf das Körpergewicht war die Exposition der Säuglinge jedoch höher (täglich 860 versus 200 ng/kg Körpergewicht). © rme/aerzteblatt.de

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