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Ausland

Experte dringt auf mehr Coronaimpfstoff für unterversorgte Länder

Donnerstag, 23. September 2021

/Rafa, stock.adobe.com

Berlin – Nach den USA sollte auch Deutschland ärmeren Länder mehr Coronaimpfstoff zur Verfügung stellen: Das fordert der Leiter des Europabüros der Bill & Melinda Gates Stiftung, Tobias Kahler. Die bislang verfügbaren Dosen reichten nicht aus, sagte er der Zeitung Die Welt (heute). Deutschland hat zugesagt, bis Jahresende 100 Millionen Impfdosen zu spenden. „Wichtig ist jetzt vor allem, Tempo zu machen“, betonte Kahler.

Zudem müsse die Impfstoffproduktion in Afrika, Asien und Lateinamerika ausgebaut werden, fügte der Experte hinzu. „Aber das dauert Jahre. Knapp ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt in Afrika, aber nur ein Prozent der COVID-Impfstoffe wird im Moment dort hergestellt.“

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Momentan würden in den weniger entwickelten Ländern nicht einmal besonders gefährdete Menschen oder medizinisches Personal erreicht. „Diese Ungleichverteilung ist ein Desaster“, kritisierte Kahler. Wenn in den betreffenden Regionen gefährliche Virusvarianten entstünden, „werden wir das auch in der reichen Welt zu spüren bekommen. Dem Abhilfe zu schaffen, wäre in unserem eigenen Interesse und ist unsere moralische Verantwortung“.

Hinzu komme in vielen Ländern eine verbreitete Impfskepsis, so Kahler. Sie hänge teils damit zusam­men, „dass Menschen in den ärmeren Regionen der Welt negative Erfahrungen mit schlecht ausgestat­teten Gesundheitssystemen gemacht haben“. Zudem werde auch dort in den Sozialen Medien viel Unsicherheit über Impfungen geschürt, und das Vertrauen in die Politik sei generell geringer.

Auch habe „ein gewisser Impfstoffnationalismus“ den Eindruck geweckt, es gehe um einen „politisch motivierten Wettbewerb zwischen den Staaten“, so dass sich viele gefragt hätten, „wie wirksam diese Impfstoffe denn überhaupt sind“.

Im Hinblick auf die Bundestagswahl am Sonntag sagte Kahler, dass die globale Gesundheit für die künftige Regierung ein zentrales Thema bleiben müsse. So brauche es Produktionsstätten für Impfstoffe in ärmeren Ländern auch langfristig, um auf künftige Pandemien reagieren zu können und die Versor­gung mit Medikamenten sicherzustellen.

Zudem gebe es durch die Coronapandemie „dramatische Rückschritte“ bei den UN-Zielen, die in den Bereichen Gesundheit und Entwicklung bis 2030 erreicht werden sollten. © kna/aerzteblatt.de

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