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Lehrerverband: „Freedom Day“ an Schulen nicht vor Frühjahr

Donnerstag, 23. September 2021

/picture alliance, Bernd Weißbrod

Berlin – Während Coronamaßnahmen in vielen Lebensbereichen immer mehr gelockert werden, müssen Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte nach Einschätzung des Deutschen Lehrerverbands wohl noch Monate mit Einschränkungen wie Masken, Tests und Abstandsregeln zurechtkommen. Den „Freedom Day“ für Schulen sehe man frühestens ab etwa Februar 2022 als wahrscheinlich und möglich an, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, der Deutschen Presse-Agentur.

Auch die Bildungsgewerkschaften GEW und VBE, die hunderttausende Lehrkräfte in Deutschland vertre­ten, sehen die Schulen im neuen Schuljahr, das nun überall in Deutschland läuft, noch weit von einer Normalität wie vor Corona entfernt. Die Bundesschülerkonferenz befürchtet erneut einen Herbst und Winter, in dem Schülerinnen und Schüler wegen der Lüftungsvorgaben frierend mit Mütze, Schal und Winterjacke im Klassenzimmer sitzen.

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„So lange in der Schule Masken getragen, Tests stattfinden und immer wieder Schülergruppen oder ganze Klassen in Quarantäne geschickt werden müssen, sind wir von einer Normalisierung des Schul­alltags weit entfernt“, sagte GEW-Vorstandsmitglied Anja Bensinger-Stolze, der dpa.

„Es bleibt schwierig, einerseits eine gute Beziehungsarbeit aufzubauen, die für das soziale Miteinander unerlässlich und Grundlage des gemeinsamen Lernens ist, wenn andererseits aus guten Gründen Ab­stands­regeln und Hygienemaßnahmen einzuhalten sind.“ Eine seriöse Prognose über ein mögliches Ende von Coronamaßnahmen wie Masken an Schulen könne man nicht abgeben.

An einen Schulalltag wie vor Corona sei weiter nicht zu denken, sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beck­mann. „Dafür nimmt das Testen, Abstandhalten und die Unterbrechung durch das ständige Lüften weiter zu viel Platz ein. Vielerorts kann zudem das, was kindgerechte Schule ausmacht, das Lernen in wechseln­den Gruppen und an Projekten, nicht umgesetzt werden.“ Auch alle organisatorischen Abläufe seien wei­ter­hin im „Coronamodus“. „Sei es die ständige Bereitschaft der Schulleitungen für Anfragen der Gesund­heitsämter oder das Einhalten von Abstandsregeln auf dem Pausenhof.“

Dario Schramm, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, sieht zwar inzwischen deutlich mehr Normalität an den Schulen als noch vor den Sommerferien. „Es ist trotzdem ein Coronaschuljahr bis jetzt.“ Schramm wies etwa auf Quarantäneanordnungen bei Schülern hin.

Außerdem werde es nun zunehmend kälter. „In den Klassen wird wieder gelüftet. Wir erleben jetzt wieder immer mehr die Situation mit Winterjacke im Unterricht.“ Der Schülervertreter kritisierte, es gebe immer noch zu wenig Luftfilter. Damit könnte man das Lüften besser regulieren und „ein wenig dieses Frieren der Schülerinnen und Schüler abwenden“.

Daten aus dem Bundeswirtschaftsministerium hatten gezeigt, dass inzwischen zwar 546 Millionen Euro der vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel für den Ein- und Umbau von Lüftungsanlagen in öffent­lichen Gebäuden, Schulen und Kitas beantragt sind – abgeflossen sind aber erst 460.000 Euro. Luftfilter und Luftreiniger würden anscheinend eher in Parlamenten und Ministerien aufgebaut und nicht in Schu­len, kritisierte der VBE-Vorsitzende Beckmann.

Zur Frage einer gänzlichen Aufhebung von Coronamaßnahmen an Schulen sagte Lehrerverbands-Chef Meidinger, er hoffe auf eine baldige Möglichkeit zur Impfung für Kinder unter zwölf Jahren. „In dem Augen­blick, wo alle Schülerinnen und Schüler ein Impfangebot erhalten haben und wahrnehmen konnten, ist an den Schulen die weitgehende Aufhebung von Gesundheitsschutzmaßnahmen wie etwa der Maskenpflicht möglich und auch verantwortbar.“ Ab diesem Zeitpunkt falle die Verantwortung für eine Erkrankung von Nichtgeimpften in den privaten persönlichen Verantwortungsbereich jedes Ein­zelnen.

Für Kinder unter 12 gibt es bisher keinen zugelassenen Impfstoff gegen Corona. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet mit einer Zulassung in den ersten drei Monaten des kommenden Jahres. © dpa/aerzteblatt.de

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