NewsMedizinCOVID-19: Kürzere Therapie mit Remdesivir senkt in Studie Rate der Hospitalisierungen deutlich
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

COVID-19: Kürzere Therapie mit Remdesivir senkt in Studie Rate der Hospitalisierungen deutlich

Donnerstag, 23. September 2021

/Roger, stock.adobe.com

Foster City/Kalifornien – Das Virustatikum Remdesivir, das im letzten Jahr in der SOLIDARITY-Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) enttäuscht hatte und aufgrund der Notwendigkeit einer intravenö­sen Anwendung an 5 bis 10 Tagen nur selten eingesetzt wird, hat in einer Phase-3-Studie des Herstellers nach 3 Infusionen die Zahl der Hospitalisierungen um 87 % gesenkt, wie der Hersteller jetzt in einer Pressemitteilung bekannt gab.

Das Breitbandvirustatikum Remdesivir, das ursprünglich zur Behandlung der Hepatitis C entwickelt wurde und später auch gegen Ebola eingesetzt wurde, hat die anfänglichen Erwartungen bei COVID-19 nicht erfüllt. Das Mittel hatte in der Studie ACTT-1 die Erholung der Patienten zwar beschleunigt, dann aber in der SOLIDARITY-Studie die Sterblichkeit nicht gesenkt, weshalb die Weltgesundheitsorganisation den Einsatz des in den USA und Europa zugelassenen Mittels derzeit nicht empfiehlt.

Anzeige

Das hauptsächliche Hindernis besteht in der Notwendigkeit einer täglichen intravenösen Therapie über 5 (eventuell auch 10) Tage. Dies ist im Frühstadium, in der Remdesivir die beste Wirkung erzielt, kaum zu realisieren, da die Patienten in der Regel nicht hospitalisiert sind.

Auch in der internationalen PINETREE-Studie (ohne deutsche Beteiligung) wurden die Patienten ambu­lant behandelt. Die Patienten erhielten jedoch nur 3 Infusionen an 3 aufeinanderfolgenden Tagen, die entweder Remdesivir oder Placebo enthielten. Die 562 Teilnehmer litten seit weniger als 7 Tagen unter Symptomen einer Infektion, die in den letzten 4 Tagen mittels Polymerasekettenreaktion bestätigt wurde. Primärer Endpunkt war ein COVID-19-bedingter Krankenhausaufenthalt oder der Tod bis zum Tag 28.

Nach den jetzt vom Hersteller vorgestellten Daten mussten nach der Behandlung mit Remdesivir nur 2 von 279 Patienten (0,7 %) hospitalisiert werden gegenüber 15 von 283 Teilnehmern (5,3 %) der Placebo­gruppe. Dies entspricht einem signifikanten Rückgang um 87 % (p=0,008) im primären Endpunkt, wobei in der Studie keine Todesfälle aufgetreten sind.

Auch im sekundären Endpunkt aller ärztlichen Kontakte wegen COVID-19-Symptomen wurde ein klarer Vorteil erzielt. In der Remdesivirgruppe suchten nur 4 von 246 Patienten (1,6 %) einen Arzt auf gegen­über 21 von 252 Patienten (8,3 %) in der Kontrollgruppe. Dies entspricht einem Rückgang von 81 %, der ebenfalls hoch signifikant war (p=0,002).

Die Studie war aufgrund der Ergebnisse bereits im April 2021 abgebrochen worden. Die Ergebnisse sollen jedoch erst jetzt auf der Tagung „IDWeek“ der Infectious Diseases Society of America von einem Team um Robert Gottlieb vom Baylor University Medical Center aus Dallas vorgestellt werden.

Hinsichtlich der Verträglichkeit von Remdesivir gab es keine Überraschungen. Die behandlungsbedingten Nebenwirkungen mit einer Häufigkeit von mehr als 5 % waren weitgehend auf Übelkeit und Kopfschmer­zen beschränkt. In der Placebogruppe gab es einen Todesfall, der aber nicht mit COVID-19 in Verbindung stand. Der Hersteller will die Daten der Studie bei den Arzneimittelbehörden einreichen und hofft auf eine Zulassung der Kurztherapie. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER