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Ärzteschaft

Hausärzte fordern höheres Honorar für Routineimpfung gegen Coronavirus

Donnerstag, 23. September 2021

Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes. /Georg J. Lopata, axentis.de

Berlin – Der Hausärzteverband fordert von der neuen Bundesregierung höhere Aufmerksamkeit für die ambulante hausärztliche Versorgung. Man dürfe, anders als in den Wahlprogrammen, nicht als „Randnotiz erscheinen“. Nur weil der Blick in der Pandemie vor allem auf die Leistungen der Krankenhäuser gerichtet gewesen sei, dürfe nicht vergessen werden, dass vor allem Hausärzte Patienten mit einer Corona-Infektion betreut und versorgt haben, hieß es auf der Herbsttagung des Hausärzteverbandes in Berlin.

Verbandsvorsitzender Ulrich Weigeldt sagte: „Die ambulante Versorgung in der Coronapandemie, vor allem durch unsere hausärztlichen Praxen, hat zum Schutz vor einer Überlastung unseres Gesund­heitswesens, insbesondere des stationären Sektors, entscheidend beigetragen. Aber die Wertschätzung durch die Politik hat das nicht widergespiegelt.“

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„Es war aber ein großer Fehler, uns nicht in die Entscheidungsfindung einzubeziehen, das darf nicht wieder vorkommen.“ Allerdings sei die Meinung von Hausärztinnen und Hausärzten nicht nur bei den Patienten, sondern auch in den Medien sehr gefragt gewesen. Gleichzeitig hätten all die Verordnungen „in kurzer Zeitfolge“ in den Praxen umgesetzt werden müssen. Er forderte, hier künftig „rechtzeitig über geplante Maßnahmen“ informiert zu werden.

Für die Zukunft forderte Weigeldt, dass die Impfung gegen das Sars-CoV-2-Virus in die „Impfroutine der hausärztlichen Praxen integriert werden müsse.“ Dafür benötige es eine höhere Vergütung. Bei den 20 Euro dürfe es für die Zukunft nicht bleiben, das sei kein kostendeckendes Honorar. Besonders mit Blick auf den hohen Beratungsaufwand und die Logistik in der Praxis sowie bei der Bestellung müsse es für eine jährliche und reguläre Impfung mehr Geld geben.

Kritik äußerte er und auch einige Delegierte an den Kosten für die Impfzentren. Hier wurde teilweise ein Patient von elf Leuten betreut. „Geld spielte offensichtlich keine Rolle, hat manche Tasche gefüllt, teilweise scheinbar auch ohne, dass zur Bewältigung der Pandemie irgendeine Leistung erfolgt ist, wenn ich an die Testzentrum-Affäre oder an die Debatte um Freihaltepauschalen für so manches Krankenhausbett denke“, so Weigeldt.

Eine durchwachsene Bilanz zog Weigeldt von den vergangenen dreieinhalb Jahren Regierung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Da sei vieles offengeblieben, vieles zu schnell digitalisiert worden. Praxen dürfe keine Strafe drohen, wenn Digitalprojekte wegen fehlender oder mangelhafter Technik nicht umgesetzt werden können.

Besonderes Ärgernis sei das Scheitern des Masterplans 2020 für das Medizinstudium: So hätten alle Seiten positive Anregungen geschrieben, selbst die Gesundheitsminister der Länder und das Bundesgesundheitsministerium beteiligten sich wohlwollend an dem Prozess. „Das war alles Makulatur, weil der medizinische Fakultätentag mit einer irren Zahlenakrobatik den Untergang des Abendlandes heraufbeschwört und damit die Wissenschafts- und Kultusminister der Länder auf seine Seite zieht und letztendlich die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten diesen Plan mit der Novellierung der Approbationsordnung vom Tisch wischen“, so Weigeldt.

Die diesjährigen Honorarverhandlungen zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband bezeichnete Weigeldt als „unglaublich wenig und nicht akzeptabel.“ Aus seiner Sicht sei es weiterhin das Beste für Hausärzteinnen und Hausärzte, an der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) teilzunehmen. Mittlerweile seien acht Millionen Versicherte in der HzV eingeschrieben. „Das ist ungefähr die Größenordnung der PKV und mehr als zehn Prozent der GKV-Versicherten“, sagte Weigeldt.

Wie schon bei der KBV-Vertreterversammlung vor einer Woche kritisierten auch beim Hausärztetag viele Delegierte das Ansinnen der Apotheker, künftig ebenso Impfen zu wollen. Man solle die Patientinnen dann eben zu Online-Apotheken schicken, das Dispensierrecht als Hausärzte wahrnehmen oder Praxisbedarf woanders bestellen. „Wenn die Apotheker mit der Beratung und Impfen so überlastet sind, können wir die Patienten mit ihrem eRezept auch direkt zur Online-Apotheke schicken“, merkte Weigeldt an. © bee/aerzteblatt.de

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