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Medizin

Forscher entdecken nächste Verwandte von SARS-CoV-2 in Laos

Dienstag, 28. September 2021

/dpa, Ennio Leanza

Paris – Ein Forscherteam hat in Laos in Kalksteinhöhlen bei Fledermäusen mehrere Sarbecoviren entdeckt, deren Rezeptorbindungsstellen zum ACE2-Rezeptor sich nur in 1 oder 2 Aminosäuren von SARS-CoV-2 unterscheiden. Die Viren waren in der Lage, menschliche Zellen zu infizieren, wenn auch mangels Furinspaltstelle nur in abgeschwächter Form. Die Forscher haben ihre Ergebnisse in Research Square (2021; DOI: 10.21203/rs.3.rs-871965/v1), einem Preprint-Server von Nature, veröffentlicht.

Der bisher nächste Verwandte von SARS-CoV-2 war RaTG13. Das Virus war 2013 in der südchinesischen Provinz Jünnan entdeckt worden. RaTG13 und SARS-CoV-2 sind in ihrer Aminosäuresequenz zu 96,1 % identisch. In der Rezeptorbindungsstelle gibt es jedoch größere Unterschiede. RaTG13 kann keine menschlichen Zellen infizieren und kommt deshalb als unmittelbarer Vorläufer von SARS-CoV-2 nicht infrage.

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In einer Expedition haben Forscher vom Pasteur-Institut in Paris und einem Ableger des Pasteur-Instituts in Laos in Höhlen im Norden des Landes Speichel-, Kot- und Urinproben von 645 Fledermäusen einge­sammelt. Bei verschiedenen Rhinolophus-Arten fanden sie Viren, die jeweils zu mehr als 95 % mit SARS-CoV-2 identisch waren.

Die BANAL-52, BANAL-103 und BANAL-236 genannten Viren zeigten im Unterschied zu RaTG13 außer­dem eine frappierende Übereinstimmung in der Rezeptorbindungsstelle, die Coronaviren zum Eintritt in menschliche Zellen über den ACE2-Rezeptor benötigen. Der Abschnitt, an der das Enzym Furin das S-Protein spaltet und so den Eintritt in die Zelle erleichtert, fehlte zwar. Die von Marc Eloit vom Institut Pasteur in Paris durchgeführten Laborexperimente mit Pseudoviren, die mit den Spikeproteinen der neu entdeckten Viren bestückt waren, bestätigten jedoch, dass die Viren dennoch menschliche Zellen infizieren können.

Die Forscher halten es für möglich, dass Menschen, die sich in den Höhlen aufhalten, etwa Guano-Sammler oder Mitglieder bestimmter asketischer Religionsgemeinschaften, sich infizieren könnten. Auch Touristen, die die Höhlen besuchen, seien gefährdet.

Die Rhinolophus-Arten (R. marshalli, R. malayanus und R. pusillus), bei denen die Viren gefunden wur­den, sind laut Eloit auch in Südchina verbreitet. Chinesische Forscher berichten jedoch ebenfalls in Research Square (2021; DOI: 10.21203/rs.3.rs-885194/v1), dass sie in den Rachen- und Analabstrichen von 13.064 Fledermäusen, die sie zwischen 2016 und 2021 an 703 Standorten in China gesammelt hatten, keine mit SARS-CoV-2 verwandten Viren gefunden haben.

Mehrere von Nature befragte Experten waren der Ansicht, dass die in Laos entdeckten Viren, die Hypothese eines natürlichen Ursprungs von SARS-CoV-2 bestätigen. Die Befunde ließen außerdem die Befürchtung zu, dass es in den Ausbreitungsgebieten der Java-Hufeisennasen weitere Coronaviren gibt, die das Potenzial hätten, weitere Pandemien auszulösen. © rme/aerzteblatt.de

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