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Medizin

Erhöhter nächtlicher Blutdruck verdoppelt Sterberisiko von Diabetikern

Montag, 4. Oktober 2021

/YuSafa, stock.adobe.com

Pisa – Ein fehlender Abfall oder sogar der Anstieg des Blutdrucks in den Nachtstunden ging in einer Langzeitstudie aus Italien bei Menschen mit Diabetes mit einem erhöhten Sterberisiko einher. Die Ergebnisse wurden auf einer Tagung der American Heart Association (Hypertension Scientific Sessions 2021) vorgestellt.

Bei gesunden Menschen kommt es während des Schlafs zu einem Abfall des Blutdrucks („dipping“). Bleibt der Blutdruck gleich („non-dipping“) oder steigt er sogar an („reverse dipping”), ist dies für Hypertonologen ein ominöses Zeichen. Frühere Studien hatten das „non-dipping“ oder „reverse dipping” bereits mit einem erhöhten Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Die „Chronic Diabetes Complications And All-cause Mortality“ („CHAMP1ON“, Hyptertension 2021; DOI: 10.1161/hyp.78.suppl_1.T1) bot jetzt Martina Chiriacò von der Universität Pisa die Gelegenheit, die Auswirkungen auch bei Menschen mit Diabetes zu untersuchen.

In Pisa waren 1999 insgesamt 284 Patienten mit Typ-2-Diabetes und 65 Patienten mit Typ 1-Diabetes für die Langzeitstudie CHAMP1ON rekrutiert worden. Die Teilnehmer waren im Mittel 57,1 Jahre alt und mit einem BMI von 29,4 kg/m2 übergewichtig bis adipös. Der HbA1c war mit 8,6 % erhöht.

Zu Beginn der Studie war bei allen Teilnehmern eine 24-Stunden-Blutdruckmessung durchgeführt worden. Insgesamt 82 % der Teilnehmer hatten einen zu hohen Blutdruck, bei 73 % war er nicht ausreichend durch Medikamente eingestellt. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer hatten in der Nacht keinen Blutdruckabfall, 20 % waren sogar „Reverse Dipper“.

Kardiologen hatten außerdem die Herzfrequenzvariabilität bestimmt. Bei gesunden Menschen variiert die Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Herzschlägen, um das Herz auf die jeweiligen körperlichen und mentalen Anforderungen anzupassen. Die notwendige Veränderung wird von den autonomen Nervenfasern vermittelt, die den Herzmuskel innervieren. Bei Menschen mit Diabetes geht die Fähigkeit im Rahmen einer autonomen Neuropathie verloren. Diese Störung lag bei einem Drittel der „Reverse Dipper“ vor gegenüber nur 11 % der „Dipper“.

Nach einer Nachbeobachtungszeit von im Mittel 21 Jahren sind 136 Teilnehmer gestorben. Die mittlere projizierte Überlebenszeit der „Reverse Dipper“ betrug 16,1 Jahre, die „Nicht-Dipper“ lebten im Durch­schnitt noch 17,5 Jahre, die „Dipper“ dagegen mit 18,6 Jahren am längsten.

Chiriacò ermittelt für die „Reverse Dipper“ nach Anpassung von Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, systolischem Blutdruck, Blutzucker und Diabetesdauer und -typ eine Hazard Ratio von HR 2,3, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,4 bis 3,8 signifikant war. „Reverse Dipper“ hatten demnach ein mehr als 2-fach erhöhtes Sterberisiko.

Auch für die Teilnehmer mit einer niedrigen Herzfrequenzvariabilität, also einer autonomen Neuro­pathie, war die mittlere Überlebenszeit von 16,9 Jahren gegenüber 18,8 Jahren bei den Teilnehmern mit normaler Herzfrequenzvariabilität verkürzt. Die Hazard Ratio von 1,3 (0,9 bis 1,9) war jedoch nicht signifikant, so dass der Zusammenhang nicht sicher ist. © rme/aerzteblatt.de

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