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Medizin

Lebensstil­intervention senkt resistenten Blutdruck in Studie

Dienstag, 2. November 2021

/katinkah, stock.adobe.com

Durham/North Carolina – Eine 4-monatige Lebensstil-Intervention, die die DASH-Diät mit einem Sport­programm kombiniert, hat in einer randomisierten Studie nicht nur den systolischen Blutdruck von Patienten mit einer medikamentenresistenten Hypertonie gesenkt. Es kam laut dem Bericht in Circulation (2021; DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.121.055329) auch zu einer Verbesserung in Funktionstests, die eine mögliche protektive Wirkung auf Herz und Kreislauf unterstreichen. Die Dosis der Medikamente konnten die Patienten jedoch nicht senken.

Eine gesunde Ernährung kann einen Beitrag zur Kontrolle des Blutdrucks leisten. Für die in den USA bevorzugte DASH-Diät („Dietary Approaches to Stop Hypertension") konnte dies in früheren randomi­sierten Studien bereits gezeigt werden.

Nach einer Metaanalyse kann die DASH-Diät, die den Verzehr von Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen und Fisch und fettarmen Nahrungsmitteln fördert, dafür aber den Verzehr von Süßem und Gesalzenem einschränkt, den systolischen Blutdruck um 7,6 mm Hg und den diastolischen Wert um 4,2 mm Hg senken (Hypertension 2016; DOI: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.115.06853). An den Studien hatten in der Regel Patienten teilgenommen, bei denen die Hypertonie erst kürzlich diagnostiziert wurde und die noch keine Medikamente einnahmen.

Die TRIUMPH-Studie („Treating Resistant Hypertension Using Lifestyle Modification to Promote Health“) hat jetzt untersucht, ob die DASH-Diät kombiniert mit einem Sportprogramm auch bei einer medika­mentenresistenten Hypertonie wirksam sein kann. Als medikamentenresistent gilt eine Hypertonie, wenn die Blutdruckwerte trotz der Einnahme von 3 oder mehr Substanzen aus unterschiedlichen Wirkstoffgruppen einschließlich eines Diuretikums erhöht bleiben, was nach Schätzungen bei 20 % bis 30 % der Erwachsenen mit arterieller Hypertonie der Fall ist.

Eine resistente Hypertonie führt früher zu Endorganschäden an Herz, Nieren und Gefäßen, und sie ist mit einem um 50 % höheren Risiko für unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse, einschließlich Schlag­anfall, Herzinfarkt oder Tod verbunden.

An der Studie nahmen 140 Patienten mit einer arteriellen Hypertonie teil, deren systolischer Blutdruck trotz der Einnahme von durchschnittlich 3,5 Wirkstoffen mit im Mittel 139 mm Hg weiter erhöht war (der diastolische Druck war mit im Mittel 79 mm Hg ausreichend gesenkt). 1/3 der im Durchschnitt 63 Jahre alten Teilnehmer hatte einen Typ-2-Diabetes, jeder 4. bereits Zeichen einer chronischen Nieren­schädigung.

Die Teilnehmer wurden auf eine aktive Lebensstil-Intervention oder auf eine Kurzberatung randomisiert: Die „Structured Center-based Lifestyle Intervention“ C-LIFE bestand über 4 Monate aus 3 wöchentlichen Terminen in einer kardiologischen Reha-Klinik. Dort wurden 90 Teilnehmer in der DASH-Diät geschult, und sie nahmen an einem intensiven, überwachten Ausdauertraining teil. Die anderen 50 Teilnehmer nahmen nur an einer einmaligen Informationsveranstaltung teil, wo schriftliche Leitlinien zu Bewegung, Gewichtsverlust und Ernährungszielen verteilt wurden.

Wie James Blumenthal von der Duke University School of Medicine in Durham/North Carolina und Mitar­beiter berichten, war die Bereitschaft zur Lebensstil-Intervention hoch. Die Patienten nahmen an 94 % der Ernährungsberatungen und an 89 % der Trainingseinheiten teil, wo die angestrebte Herzfre­quenz zu 94 % erreicht wurde. Die Patienten nahmen außerdem weiter ihre Hochdruckmedikamente an 97 % der Tage ein.

Die Lebensstil-Intervention führte zu einer Verbesserung der körperlichen Fitness. Die maximale Sauer­stoffaufnahme stieg um 14,8 % gegenüber einem Plus von 3,4 % in der Vergleichsgruppe. Die Teilneh­mer der Lebensstil-Intervention waren auch im Alltag mehr unterwegs (plus 97 Schritte versus plus 14 Schritte in der Vergleichsgruppe). Sie konnten ihr Gewicht um 15,3 Pfund senken (versus 8,5 Pfund), und die Salzausscheidung im Urin nahm deutlicher ab (-308 mg/Tag versus -187 mg/Tag).

Die „Belohnung“ war ein stärkerer Rückgang des systolischen Blutdrucks. Die Druckwerke fielen um 12,5 mm Hg auf 126,8 mm Hg gegenüber einem Rückgang in der Vergleichsgruppe um 7,1 mm Hg auf 132,8 mm Hg. Die diastolischen Werte waren leicht auf 73,2 mm Hg versus 75,6 mm Hg gesunken. Deutlicher waren die Unterschiede in der 24-Stunden-Messung. Hier ging der systolische Blutdruck in der Interven­tionsgruppe um 7,0 mm Hg zurück gegenüber 0,3 mm Hg in der Vergleichsgruppe. Dieser Vorteil wurde bei weitgehend gleichbleibender Dosierung der Medikamente erreicht.

In den Funktionstests erzielten die Teilnehmer der Lebensstil-Intervention ebenfalls bessere Ergebnisse. Die Baroreflexempfindlichkeit im Ruhezustand besserte sich um 2,3 ms/mm Hg gegenüber einer Verschlech­terung um 1,1 ms/mm Hg in der Vergleichsgruppe. Die hochfrequente Herzfrequenzvariabi­lität verbesserte sich um 0,4 ln ms hoch 2 gegenüber einer Verschlechterung um 0,2 ln ms hoch 2 in der Vergleichsgruppe. Die flussvermittelte Vasodilatation stieg um 0,3 % gegenüber einem Abfall (sprich Verschlechterung) um 1,4 % in der Vergleichsgruppe. In der Pulswellengeschwindigkeit und der links­ven­tri­kulären Masse gab es keine Unterschiede.

Baroreflexempfindlichkeit und Herzfrequenzvariabilität messen, wie schnell das Herz auf veränderte Anforderungen reagiert. Die flussvermittelte Vasodilatation ist ein Test der Endothelfunktion. Eine Störung ist hier ein Zeichen für ein Fortschreiten der Atherosklerose.

Die Lebensstil-Intervention kann Patienten mit resistenter Hypertonie zwar nicht von der Notwendigkeit der Medikamenteneinnahme befreien. Der Anteil der Patienten, die die Zieldrücke des Blutdrucks erreichten, wurde jedoch erhöht. Die funktionellen Untersuchungen lassen erwarten, dass die Entwick­lung der Folgeschäden abgeschwächt werden kann. Dies dürfte allerdings nur der Fall sein, wenn die Patienten die Lebensstil-Intervention fortsetzen. © rme/aerzteblatt.de

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