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Medizin

Adipositas: Künstliche Süßstoffe regen den Appetit an

Dienstag, 5. Oktober 2021

/adragan, stock.adobe.com

Los Angeles – Menschen, die mit künstlichen Süßstoffen wie Sucralose ihr Gewicht kontrollieren wollen, erreichen möglicherweise das Gegenteil. Eine Studie in JAMA Network Open (2021; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.26313) zeigt, dass Sucralose vor allem bei Frauen und adipösen Menschen (beiderlei Geschlechts) die Appetitzentren im Gehirn anregt.

Das Appetithormon Ghrelin wurde weniger stark gehemmt als nach der Aufnahme von „echtem“ Zucker und in einem abschließen­den Menü griffen die Betroffenen stärker zu, wenn sie vorher ein Süßgetränk mit Sucralose erhalten hatten.

Nach einer Umfrage nutzen mehr als 40 % aller erwachsenen US-Amerikaner regelmäßig künstliche Süßstoffe, um ihre Gewichtsziele zu erreichen, ohne auf die gewohnte Geschmacksnote verzichten zu müssen. Die steigende Zahl der übergewichtigen und adipösen US-Amerikaner zeigt, dass diese Strate­gie offenbar nicht aufgeht. Einige Forscher vermuten sogar, dass die Süßstoffe den Appetit anregen und dass die Erwachsenen am Ende doch vermehrt zu den kalorienreichen Süßspeisen greifen, die sie eigentlich stehen lassen wollten.

Ein Team um Kathleen Page von der Keck School of Medicine in San Francisco hat die Hypothese jetzt in einem wissenschaftlichen Experiment untersucht. In einer Cross-over-Studie reichten die Forscher 74 Probanden im Verlauf von 3 verschiedenen Besuchen ein Getränk, das einmal 75 Gramm Saccharose (Haushaltszucker) enthielt, das andere Mal mit Süßstoff Sucralose gesüßt war. Beim 3. Mal erhielten die Teilnehmer nur ein Glas Wasser.

Danach legten sich die Probanden in einen Kernspintomografen. Er bestimmte mittels des sogenannten BOLD-Kontrasts die Durchblutung im medialen präfrontalen Cortex und im orbitofrontalen Cortex. Dort befinden sich die Schaltzentren für den Appetit. Wurden den Probanden leckere Speisen wie Donuts oder Hamburger gezeigt, stieg die Durchblutung. Dies war bei den Probanden, die vorher das Glas mit dem Süßstoff Sucralose getrunken hatten, stärker der Fall als nach dem Süßgetränk mit Saccharose. Der Unterschied wurde vor allem bei Frauen und bei adipösen Menschen beobachtet.

Dann wurden den Probanden Blutproben entnommen, um den Glukosestoffwechsel näher zu unter­suchen. Wie erwartet kam es nur nach dem mit Saccharose gesüßten Getränk zu einem Anstieg von Blutzucker und dem Hormon Insulin, das den Zucker im Körper verteilt.

Auch das Hormon GLP-1 stieg an. Das vom Darm freigesetzte Hormon stimuliert einerseits die Insulin­ausschüttung, andererseits teilt es dem Gehirn mit, dass genügend Nahrung vorhanden ist. Nach dem Süßen mit Sucralose blieb in den Experimenten der Anstieg von GLP-1 aus, das Hungergefühl dauerte an: Das Appetithormon Acryl-Ghrelin stieg bei den Probanden sogar noch stärker an als nach einem Glas Wasser.

Die Hormonspiegel signalisierten, dass die Aufnahme von Sucralose die Bereitschaft zur erneuten Nahrungsaufnahme erhöht. Dies zeigte sich dann auch bei dem abschließenden Buffet. Vor allem die weiblichen Probanden griffen stärker zu den angebotenen Süßigkeiten. Im echten Leben könnte dieser Nachhunger dafür verantwortlich sein, dass die Diätversuche mit Sucralose noch am gleichen Tag scheitern und die aufgenommene Kalorienmenge größer ist als nach einem Süßgetränk mit echtem Zucker. Warum Frauen hier stärker gefährdet sind als Männer, konnte die Studie nicht klären. © rme/aerzteblatt.de

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