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Medizin

Pädiatrie: Amoxicillin bei unteren Atemwegsinfektionen meist ohne Vorteile

Dienstag, 9. November 2021

/silentalex88, stock.adobe.com

Southampton – Unkomplizierte untere Atemwegsinfektionen heilen bei Kindern in der Regel auch ohne Antibiotika aus. In einer randomisierten Doppelblindstudie aus England im Lancet (2021; DOI: 10.1016/S0140-6736(21)01431-8) wurde die Krankheitsdauer unter einer Behandlung mit Amoxicillin nur unwesentlich verkürzt.

Bei Atemwegsinfektionen im Kindesalter werden häufig Antibiotika verordnet, obwohl die Erreger meist Viren sind. Vor allem wenn Husten, Auswurf und Fieber auf eine Beteiligung der unteren Atemwege hindeuten, überwiegt ein Sicherheitsdenken, zumal wenn die Verordnung von Eltern gefordert wird, die berufstätig sind und längere Ausfallzeiten befürchten.

Da Atemwegsinfektionen bei Kindern häufig sind, haben Kinderärzte einen beträchtlichen Anteil an den Antibiotikaverordnungen und möglicherweise auch an der Ausbreitung von resistenten Keimen.

Die Studie ARTIC PC („Antibiotics for lower Respiratory Tract Infection in Children presenting in Primary Care“) hat in den letzten Jahren an 56 Arztpraxen in England 432 Kinder im Alter von 6 Monaten bis 12 Jahren auf eine Behandlung mit Amoxicillin (50 mg/Tag über 7 Tage) oder Placebo randomisiert.

Ein­schlusskriterium waren eine unkomplizierte untere Atemwegsinfektion mit Husten als Leitsymptom, das bei den meisten Kindern von Auswurf, Atemnot und/oder Fieber begleitet wurde. Zu den Ausschluss­kriterien gehörte eine mögliche Lungenentzündung. Der primäre Endpunkt war die Dauer der Symp­tome, die die Eltern in einem Tagebuch täglich notierten.

Wie Paul Little von der Universität Southampton in England und Mitarbeiter berichten, hat die Antibio­tikabehandlung die mediane Dauer von mittelschweren bis schweren Symptomen von 6 auf 5 Tage verkürzt.

Die Hazard Ratio von 1,13 war allerdings bei einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,90 bis 1,42 nicht signifikant. Dies traf auch auf Kinder zu, die Atemgeräusche hatten, unter Fieber litten, kurzatmig waren, Schleim husteten, bei denen der Arzt mit dem Stethoskop Rasselgeräusche bemerkt katte oder deren Unwohlsein der Arzt als hoch einschätzte.

Die meisten Kinder erholten sich ohne weitere Komplikationen. Nur 4 Kinder in der Placebogruppe und 5 in der Antibiotikagruppe wurden zur Abklärung in ein Krankenhaus überwiesen. Auch die Kosten, die den Eltern durch Selbstmedikation oder Arbeitsausfälle entstanden, waren in beiden Gruppen gleich. Für Little gibt es deshalb keinen Grund, bei einer unkomplizierten unteren Atemwegsinfektion sofort Antibiotika zu verordnen. © rme/aerzteblatt.de

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