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Medizin

Morbus Alzheimer: Levetiracetam könnte kognitive Fähigkeiten von Patienten mit EEG-Veränderungen verbessern

Donnerstag, 11. November 2021

/SciePro, stock.adobe.com

Los Angeles – Das Antiepileptikum Levetiracetam hat in einer Phase-2-Studie in einer niedrigen Dosierung die kognitiven Fähigkeiten von Patienten mit Morbus Alzheimer kurzfristig verbessert. Die Vorteile waren laut der Publikation in JAMA Neurology (2021; DOI: 10.1001/jamaneurol.2021.3310) auf Patienten mit einer subklinischen epileptiformen Aktivität beschränkt.

Epileptische Anfälle gehören zu den möglichen Begleiterscheinungen des Morbus Alzheimer. Noch häufiger sind Veränderungen im Elektroenzephalogramm (EEG), die als subklinische epileptiforme Aktivität bezeichnet (SEA) werden und vor allem nachts auftreten. Die Unterdrückung der SEA mit dem Antiepileptikum Levetiracetam hat in einem transgenen Mäusemodell des Morbus Alzheimer die synaptischen und kognitiven Funktionen der Tiere verbessert.

Dies hat ein Team um Keith Vossel von der Universität von Kalifornien in Los Angeles zu einer klinischen Studie veranlasst, an der 34 Patienten teilnahmen, bei denen die Diagnose der Erkrankung im Mittel etwa 5 Jahre zurücklag. Bei 13 Patienten war in einem nächtlichen EEG eine SEA nachgewiesen worden. Die Ergebnisse wurden in einem einstündigen Magnetenzephalogramm bestätigt. Es misst die Magnet­felder, die durch die elektrische Aktivität der Hirnnerven entstehen. Nur 1 Patient erlitt im Verlauf der Studie einen epileptischen Anfall.

Alle Patienten wurden in einer Cross-over-Studie über 4 Wochen auf eine Behandlung mit dem Antiepi­leptikum Levetiracetam oder Placebo randomisiert. Nach einer Pause wurden die Gruppen getauscht, so dass alle Patienten einmal mit Levetiracetam behandelt wurden.

Vor und nach dem Abschluss der Behandlungen wurden die kognitiven Fähigkeiten der Patienten unter­sucht. In der Gesamtgruppe der Patienten konnte Vossel keine Vorteile durch die Behandlung mit Levetiracetam ermitteln. Bei den Patienten mit einer SEA zeichnete sich jedoch in 2 Tests eine deutliche Verbesserung ab.

Im Stroop-Test, bei dem die Probanden die Druckfarbe von Wörtern benennen müssen, die eine andere Farbe angeben, waren sie um 7,4 Punkte besser als in der Kontrollgruppe. Auch in einem virtuellen Fahrtest, in dem die Probanden einen Weg mehrmals absolvieren müssen, waren die Patienten nach der 4-wöchigen Behandlung mit Levetiracetam versierter. Die Vorteile waren trotz der kleinen Teilnehmer­zahl in beiden Tests signifikant.

Einen Beweis für eine Wirksamkeit von Levetiracetam stellen die Ergebnisse nicht dar, da die Teilneh­merzahl gering und die Behandlungsdauer kurz war. Einwenden ließe sich auch, dass die Vorteile erst in einer sekundären Analyse gefunden wurden. Sollten sich die Ergebnisse jedoch in weiteren Studien bestätigen, wären die klinischen Auswirkungen bedeutsam, da sich eine subklinische epileptiforme Aktivität oder epileptische Anfälle laut Vossel bei etwa 60 % der Patienten nachweisen lassen.

Die Behandlung wäre wesentlich günstiger als mit dem kürzlich in den USA zugelassenen Medikament Aduhelm (Wirkstoff Aducanumab), das pro Jahr 56.000 US-Dollar kostet. Die jährlichen Behandlungs­kosten von Levetiracetam, das inzwischen als Generikum erhältlich ist, liegen dagegen nur bei 70 US-Dollar. © rme/aerzteblatt.de

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