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Kinder erlitten laut Studie Demütigungen in Heimen der DDR und BRD

Donnerstag, 30. September 2021

/soupstock, stock.adobe.com

Berlin – Kinder und Jugendliche haben in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Psy­chi­atrie sowohl in der DDR als auch in der BRD unter massiver körperlicher Gewalt, Demütigungen, Miss­achtung der Intimsphäre oder Fixierungen gelitten. Es habe dort in der Nachkriegszeit bis zur Wendezeit trotz der Systemdifferenz ähnliche strukturelle Mängel gegeben, heißt es in einer heute veröffentlichten Studie. Der Leiter des Forschungsteams, Heiner Fangerau, übergab den Bericht den Vertretungen des Bundes, der Länder sowie der Kirchen.

Das Bundessozialministerium hatte vor vier Jahren ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Standorte unter der Koordination der Universität Düsseldorf damit beauftragt, Leid und Unrecht in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der BRD und DDR von 1949 bis 1970 und bis 1990 zu untersuchen.

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Den Anstoß für die Untersuchung hatte die 2017 von Bund, Ländern und Kirchen gegründete Stiftung Anerkennung und Hilfe gegeben. Sie soll Betroffene unterstützen, die an den Folgen des Aufenthalts in den Einrichtungen leiden. Neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung sieht sie vor allem eine finanzielle Anerkennung des Leids vor.

Betroffene konnten sich bis Ende Juni diesen Jahres melden, um eine Entschädigungspauschale von 9.000 Euro und gegebenenfalls Rentenersatzzahlungen von bis zu 5.000 Euro zu beantragen. Ein Groß­teil der dafür zur Verfügung stehenden Mittel von rund 305 Millionen Euro sei bereits ausgezahlt wor­den. 20.000 Betroffene seien erreicht worden.

Fangerau betonte, in den Einrichtungen hätten „prekäre Zustände“ geherrscht. Um einen störungsfreien Betriebsablauf zu gewährleisten, seien Medikamente eingesetzt worden. Zudem seien Arzneimittel an Kindern und Jugendliche getestet worden. Sie seien kaum gefördert worden.

Als Vertreter der Kirchen war der Bevollmächtigte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Prälat Martin Dutzmann, bei der Vorstellung der Studie. Er betonte, die Kirchen hätten immer wieder darauf gedrungen, eine Möglichkeit der Anerkennung und Aufarbeitung auch für jene Menschen zu finden, die in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder in stationären psychiatrischen Einrichtungen Leid und Unrecht erfahren hätten und die bei den Heimkinderfonds nicht berücksichtigt worden seien. Es sei eine bleiben­de Verpflichtung, aus diesem „dunklen Kapitel“ zu lernen und sich dafür einzusetzen, dass so etwas nicht mehr passiere.

Das Forscherteam befragte nach eigenen Angaben Vertreter von 17 kinder- und jugendpsychiatrischen Abteilungen an psychiatrischen Krankenhäusern und Universitäten sowie Heimen für Minderjährige mit Behinderung in der BRD und der DDR. Analysiert wurden Einrichtungen in öffentlicher, katholischer und evangelischer Trägerschaft.

Innerhalb des Projekts werteten die Forscher demnach über 1.500 Fallakten und rund 60 Interviews mit Betroffenen, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus. Hinzu kamen über 170 Zuschriften von Betroffenen, Angehörigen oder ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Laut der Untersuchung gilt zudem, dass bis in die 1960er Jahre überwiegend Desinteresse beider Gesell­schaften an der Situation von Minderjährigen mit geistigen Behinderungen und psychischen Erkrankun­gen geherrscht habe. In der BRD setzte demnach ab etwa 1970 vor allem durch den Druck einer kriti­schen Öffentlichkeit ein Wandel ein, der bedingt auch die konfessionellen Einrichtungen in der DDR erreichte. © kna/aerzteblatt.de

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