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Hormonelle Ursachen für Bluthochdruck bleiben laut Fachgesellschaft häufig unerkannt

Donnerstag, 30. September 2021

/dpa

Hamburg – Das Conn-Syndrom, also eine Überproduktion des Hormons Aldosteron in einer oder beiden Nebennieren, wird in Deutschland als Ursache für einen Bluthochdruck oft erst spät oder gar nicht dia­gnostiziert. „1,5 bis zwei Millionen Deutsche sind unerkannt krank. Dabei gibt es effektive Therapien gegen die Hormonstörung“, informiert die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).

Das Hormon Aldosteron verhindert, dass Natrium über die Niere beim Wasserlassen verloren geht. Damit verbunden hält Aldosteron auch Wasser zurück, wodurch der Blutdruck steigt. „Normalerweise ist die Produktion von Aldosteron in ein hormonelles Netzwerk eingebunden, das Blutdruck und Flüssigkeitsh­aushalt reguliert“, erläutert der DGE-Experte Martin Reincke von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er ist Gründer und Leiter des Conn-Registers, das bislang Daten zu rund 1.600 Patienten erfasst hat. „Das Register hilft uns, die Diagnostik, Behandlung und Betreuung dieser Patienten zu verbessern sowie Standards für eine Qualitätskontrolle festzulegen“, so Reincke.

Beim Conn-Syndrom hat sich Aldosteron der Kontrolle durch andere Hormone entzogen. Es kommt zur Überproduktion und der Blutdruck steigt. Gleichzeitig verliert der Körper Kalium und das Blut wird alkalisch. Diese Alkalose gehört zusammen mit Kaliummangel und Bluthochdruck zu den drei klassi­schen Zeichen eines Conn-Syndroms – die aber oft nicht in dieser Trias auftreten. Vielmehr ist in den meis­ten Fällen laut der DGE nur der Blutdruck erhöht. „Das Conn-Syndrom wird deshalb lange übersehen. Im Durchschnitt liegen zwischen der Erstdiagnose des Bluthochdrucks und des Conn-Syndroms zehn Jahre“, so Reincke.

Ein Blutdruck, der trotz drei verschiedener Medikamente auf Dauer über 140/90 mmHg liege, sei ein Warnhinweis, ebenso wie ein Kaliummangel im Blut, eine Vergrößerung der Nebenniere im Ultraschall, bekannte Erkrankungen in der Familie oder ein Schlaganfall vor dem 40. Lebensjahr, so der Experte.

Laut der DGE ist das Conn-Syndrom kein Kolibri: Sechs Prozent der Bluthochdruckpatienten in der Allge­meinarztpraxis litten daran, zehn Prozent der Patienten in spezialisierten Blutdruckzentren und bis zu 30 Prozent der Betroffenen mit therapieresistentem Bluthochdruck. Bei etwa 30 Millionen Blutdruckkranken in Deutschland seien zwischen 1,5 und zwei Millionen betroffen. „Diagnostiziert werden aber etwa nur 1.000 Patienten pro Jahr“, so Reincke. © hil/aerzteblatt.de

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