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Wege zur nächsten Notdienstapotheke oft zu weit

Freitag, 1. Oktober 2021

/picture alliance, Jens Kalaene

München – Die Entfernung zur nächsten Notdienstapotheke geht in strukturschwachen Gebieten häufig über den Richtwert von 15 Kilometern hinaus. Laut einer stichprobenartigen Untersuchung des ADAC beträgt jede fünfte Strecke mehr als 20 Kilometer.

Rund 20.000 Menschen suchen in Deutschland jede Nacht eine Notdienstapotheke auf. Um die Entfer­nung der jeweils nächsten Apotheke für Patientinnen und Patienten zu untersuchen, veranlasste der Automobilclub ADAC eine Studie: Geprüft wurden 295 Orte mit unter 5.000 Einwohnerinnen und Ein­wohnern. Sie wurden in den zehn Bundesländern mit den meisten strukturschwachen Gemeinden ausge­wählt.

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In jedem der Orte legte man eine zentrale Startadresse fest, von der aus die Entfernung zur nächsten Notdienstapotheke gemessen wurde. Die Prüferinnen und Prüfer nutzten hierfür den offiziellen Not­dienst­finder von aponet, einem Portal der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Die Erhebung fand an drei verschiedenen Wochentagen statt.

Die meisten Landesapothekerkammern befinden eine Entfernung zur nächstgelegenen Notdienst­apotheke von maximal 15 bis 20 Kilometern als angemessen und umsetzbar. Im Jahr 2018 sah das Ver­wal­tungsgericht München den Richtwert der Strecke bei 15 Kilometern.

Die Analyse des ADAC zeigt nun jedoch: 43,4 Prozent der Notdienst-Apotheken in strukturschwachen Regionen liegen weiter als 15 Kilometer von den Startadressen entfernt. Rund 21 Prozent überschreiten sogar den maximalen Wert von 20 Kilometern.

Die kürzeste Distanz ermittelte das Prüfteam des ADAC in Sankt Goar (Rheinland-Pfalz). Hier betrug die Entfernung von der Startadresse gerade einmal 57 Meter. Bewohnerinnen und Bewohner der Insel Lanegoog müssen im Durchschnitt nur einen Weg von 500 Metern zur nächsten Notdienstapotheke zurücklegen. Bundesweit sind jedoch nur gut acht Prozent der Strecken kürzer als fünf Kilometer. Alles in Allem liegt die Entfernung zu den Notdienstapotheken bei durchschnittlich 14,5 Kilometern.

Dieser Wert variiert allerdings stark von Bundesland zu Bundesland. Sachsen-Anhalt etwa lag fast genau im bundesweiten Durchschnitt. Noch besser sah es mit rund zwölf Kilometern Anfahrtsweg in Rheinland-Pfalz und Bayern aus. Auch Thüringen, Sachsen, Niedersachen und Baden-Württemberg blieben unter dem Richtwert. Mit 15,5 Kilometern waren die Strecken in Schleswig-Holstein zwar etwas länger, waren jedoch noch im Rahmen.

Ein anderes Bild ergab sich allerdings in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern: Hier betrugen die durchschnittlichen Wege 19,4 beziehungsweise 19,6 Kilometer. Jeweils fast die Hälfte der Strecken lagen bei über 20 Kilometern.

Die weiteste Entfernung, die in der Studie gemessen wurde, müssen Einwohne­rinnen und Einwohner der Gemeinde Gager in Mecklenburg-Vorpommern zurücklegen: Der Anfahrtsweg zur nächstgelegenen Not­dienstapotheke beträgt dort an einem Samstagabend 40,4 Kilometer.

Verwenden Patientinnen und Patienten den Notdienstfinder von aponet, müssen sie außerdem beachten: Bei den angezeigten Entfernungen handelt es sich um Luftlinienangaben. Die tatsächlich zu fahrende Strecke kann somit weit von der auf der Website abweichen.

Im Durchschnitt sind die Anfahrtswege laut ADAC 30 Prozent länger als angegeben. In Gager betrug die Kilometerabweichung zur Luftlinie sogar 17 Kilometer. In der Praxis können die Luftlinienangaben zudem zur Folge haben, dass in Orten an der Küste Notdienstapotheken auf vorgelagerten Inseln ange­zeigt werden, die jedoch nur mit der Fähre zu erreichen sind.

Die Zahl der Apotheken, die bundesweit den Notdienstservice anbieten, geht zurück: von rund 21.500 vor zehn Jahren auf knapp 19.000 im Jahr 2020. Der Präsident der Bundesapothekerkammer, Thomas Benkert, betonte aber, die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln sei „trotz rückläufiger Apothe­ken­zahlen nach wie vor gesichert“.

Der Nacht- und Notdienst sei „der Lackmus-Test für die Versorgung“, werde durch einen eigenen Fonds subventioniert und mit großer Sorgfalt organisiert. Trotzdem seien die Wege auf dem Land manchmal etwas weiter. In der Regel hätten die Patientinnen und Patienten jedoch Verständnis dafür, „dass nicht jede Apotheke jede Nacht Dienst tun kann“. © as/aerzteblatt.de

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