NewsMedizinFrühe Katheterablation vorteilhaft bei Vorhofflimmern, auch wenn Symptome fehlen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Frühe Katheterablation vorteilhaft bei Vorhofflimmern, auch wenn Symptome fehlen

Donnerstag, 30. September 2021

/dpa

Bonn – Es lohne sich, ein Vorhofflimmern „so früh wie möglich zu vertreiben“, betonte Isabel Deisenhofer, Leiterin der Abteilung Rhythmologie am Herzzentrum in Deutschland auf der heutigen Pressekonferenz der Herztage 2021. Vorhofflimmern habe den Rang einer Volkskrankheit.

2 % der europäischen Bevölke­rung seien betroffen, aber wegen der Zunahme im Alter leidet ab dem 70. Lebensjahr schon jeder 10. unter Vorhofflimmern. Leider würden die Beeinträchtigungen dieser Herz­rhythmusstörung immer noch vorwiegend unter einer Art Lifestyle-Beeinträchtigung rubriziert, bedau­erte die Münchner Expertin – wenn nämlich der aus dem Takt geratende Rhythmus bemerkt werde und unangenehm sei.

Dabei ginge Vorhofflimmern – ob nun symptomatisch oder nicht – nicht allein mit einer erhöhten Morta­lität und Morbidität einher. Es beeinflusse insbesondere eine Herzinsuffizienz erkennbar zum Schlechten und umgekehrt: ein kardialer Circulus vitiosus. Daher hieße es, aus der längst hochrangig publizierten Early treatment of Atrial fibrillation for Stroke prevention (EAST)-AFNET 4-Studie Konsequenzen zu ziehen, forderte Deisenhofer (NEJM, 2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2019422).

Diese habe gezeigt, dass eine frühe Rhythmuskontrolle das Risiko für einen kardiovaskulär bedingten Tod und für einen Schlaganfall signifikant zu senken vermochte – ob nun mittels Medikamenten anti­arrhythmisch behandelt wurde, oder eine Katheterablation erfolgte. Das Fazit daraus müsse lauten, Epi­so­den von Vorhofflimmern nicht wie bisher einfach zu ignorieren, auch wenn Symptome fehlten. Die spürbaren Symptome des Vorhofflimmerns seien eben nur ein Aspekt, das zugrundeliegende Geschehen berge eben auch dann prognostische Risiken, wenn die Beschwerden ausblieben.

Inzwischen kristallisiere sich auch immer klarer heraus, wie vorteilhaft bei der Rhythmuskontrolle eine Ablation sei. Hierbei sprach eine Rhythmologin nicht allein pro domo, sondern verwies auf wichtige neue Studienergebnisse. Die 2020 von der European Society of Cardiology (ESC) herausgegebenen Leitlinien zur Therapie des Vorhofflimmerns, geben zwar noch einem ersten Versuch mit Antiarrhythmika den Vor­zug: Erst wenn dieses versagt hat, schlägt die Stunde der Ablation – eine IIA-Empfehlung. Das sei aber womöglich nicht mehr der letzte Stand, so Deisenhofer, denn inzwischen seien wichtige Studien erschie­nen, die die Vorteile einer vorrangigen Ablation erkennen ließen.

So habe die STOP-AF-First-Studie klar gezeigt, dass bei symptomatischen Patienten mittels einer Abla­tion signifikant öfter ein Sinusrhythmus erzielt werden könne als mittels eines antiarrhythmischen Medi­ka­mentes, sofern sich zuvor ein erster Medikationsversuch als nicht effektiv erwiesen hatte (NEJM, 2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2029554).

Für noch spannender – „noch krasser“ – hielt Deisenhofer die EARLY-AF-Studie. Diese größte Studie ihrer Art ließ nämlich erkennen, dass die Ablation der Medikation als Erstlinientherapie des paroxysmalen Vorhof­flimmerns überlegen ist – und dabei gleich sicher (NEJM, 2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2029980).

Dieser Unterschied konnte aufgrund der implantierten Loop-Recorder – ein implantiertes Gerät zur Auf­zeichnung des Herzrhythmus von der Größe eines Feuerzeuges – auch objektiv dargetan werden. Aller­dings zeigte sich bei dieser lückenlosen und nicht vom subjektiven Empfinden abhängigen Kontrolle ebenfalls, dass es eine relativ hohe Rückfallquote von rund 40 Prozent nach Ablation gab. Da hierunter auch sehr sporadische und kurze Flimmerepisoden fielen, hinterfragte Deisenhofer jedoch, ob diese wirklich alle klinische Relevanz besäßen.

Für eine wichtige Sitzung im Laufe des Kongresses zu Genderaspekten warb die Rhythmusexpertin ganz besonders. Dort würde diskutiert, wie man die Behandlung von Rhythmusstörungen bei Frauen verbes­sern könne. Leider zeigt die Ablation bislang bei Frauen weniger Erfolg als bei Männern, sie ist zudem mit mehr Komplikationen behaftet. Das sei aber erklärbar, so Deisenhofer, denn die Frauen kämen rund 10 Jahre später zur Ablation wie die Männer.

Sie empfahl daher, die weibliche Rhythmuspatientinnen endlich früher zur Ablation zu überweisen, damit sie mehr als bisher davon profitierten. Hätten also die Studien bisher gezeigt, dass man Männer schnell abladieren sollte, so müsse man Frauen „ganz schnell“ abladieren. © mls/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER