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Ärzteschaft

„Gesundheitliche Beratung sollte aus meiner Sicht nie mit Druck oder Ideologie einhergehen“

Dienstag, 5. Oktober 2021

Berlin – „Stillen. Unser gemeinsamer Weg.“ lautet das Motto der diesjährigen Weltstillwoche in Deutsch­land, die in der 40. Kalenderwoche vom 4. bis 10. Oktober stattfindet – stellvertretend für die Dauer einer Schwangerschaft und dem Beginn des Stillens.

Um die von der WHO empfohlene sechsmonatige Stillzeit von Neugeborenen zu unterstützen, hat die Bundesregierung im Juli eine „Nationale Strategie zur Stillförderung“ präsentiert. Über die darin enthal­tenen Maßnahmen, die in sieben Strategiefeldern zusammengefasst sind, sowie die Herausfor­derungen für die Nationale Stillkommission (NSK) sprach das Deutsche Ärzteblatt (DÄ) mit dem Frauenarzt und Sprecher der Nationalen Stillkommission, Michael Abou-Dakn.

5 Fragen an Michael Abou-Dakn, Sprecher der Nationalen Stillkommission

DÄ: Herr Professor Abou-Dakn, die Bundesregierung will das Stillen von Babys stärker fördern. Dazu beschloss das Kabinett in diesem Sommer eine Nationale Strategie zur Stillförderung. Ist Deutschland aus ärztlicher Sicht denn nicht stillfreundlich?
Abou-Dakn: Die Frage kann nicht pauschal beantwortet werden. Auf Anregung des Netzwerks „Gesund ins Leben“ im Bundeszent­rum für Ernährung (BZfE) und des Instituts für Kinderernährung am Max Rubner-Institut (MRI), der neuen Heimat der NSK, haben Expertinnen und Experten verschieden Aspekte der Stillförderung untersucht.

Hierbei wurde ein weltweite Vorgabe durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Yale genutzt. Nach dieser Analyse gibt es einige Aspekte der Stillförderung in Deutschland, die gut sind und einige, die noch deutlich verbessert werden können. Im internationalen Vergleich ist Deutschland damit im gutem Mittelfeld der Stillförderung.

DÄ: Welche Ziele der Nationalen Strategie zur Stillförderung halten Sie für besonders wichtig?
Abou-Dakn: Ich würde mich freuen, wenn wir es durch das Zusammenspiel der verschiedenen stillför­dernden Maßnahmen schaffen würden, dass die meisten Kinder bis zum 7. Lebensmonat möglichst ausschließlich Muttermilch erhalten.

Von den verschiedenen Strategiefeldern erscheinen mir hierzu tatsächlich alle wichtig. So haben wir schon lange das Ziel ein Monitoring in Deutschland über die Stillquote zu etablieren. Als Wissenschaftler freue ich mich, dass wir evidenzbasierte Empfehlungen erarbeiten. Diese Informationen unter den Akteurinnen und Akteuren zu verbreiten, aber auch die Kommunikation zu den Frauen, Schwangeren und Müttern und Vätern zu verbessern, sind weitere wesentliche Schritte.

DÄ: Seit 1994 gibt es in Deutschland eine Nationale Stillkommission. Zunächst war sie am Robert-Koch-Institut (RKI) angesiedelt, seit 2019 ist sie in das Max Rubner-Institut (MRI) eingebunden. Was hat sich verändert und was ist das Ziel der neuen NSK?
Abou-Dakn: Wir Mitglieder der NSK arbeiten alle ehrenamtlich. Die Unterstützung, die wir zur Bear­beitung der Anfragen und Stellungnahmen bisher erhalten haben, war zum Teil sehr beschränkt. Das MRI ist mit seiner Expertise für die Kinderernährung für das Thema Stillen und Muttermilchernährung eine sehr geeignete Heimstätte für die NSK. Wir freuen uns sehr, dass wir durch die Leitung von Prof. Regina Ensenauer, einer hochrangigen und international anerkannten Wissenschaftlerin, alle Aspekte des Stillens berücksichtigt bekommen und nunmehr erleben, dass auch die verschiedenen Ministerien an einem Strang ziehen.

DÄ: Wie will die NSK das Stillen in Deutschland konkret fördern und wie sollen die Ärztinnen und Ärzte einbezogen werden?
Abou-Dakn: Wir wollen bereits im Studium das Wissen der Medizinerinnen und Mediziner um das Stillen und die Stillförderung deutlich intensivieren. Publikationen und Vorträge zu diesen Themen sollen die Frauenärztinnen und Frauenärzte sowie und Kinderärztinnen und Kinderärzte ebenfalls in ihrem Wissen unterstützen und Beratungen der Frauen und Paare erleichtern. Sillförderung und die Unterstützung bei Schwierigkeiten sollten den Kolleginnen und Kollegen in der Praxis und in der Klinik gut bekannt sein und nicht nur Aufgabe der Hebammen und Pflege.

DÄ: Sehen Sie die Gefahr, dass eine verstärkte Stillförderung bei Frauen auf Ablehnung stößt, weil sie diese als Druck verstehen, ihr Baby zu stillen?
Abou-Dakn: Gesundheitliche Beratung sollte aus meiner Sicht nie mit Druck oder Ideologie einhergehen. Ich bin sicher, dass wir auch ein so emotionales Thema, wie die natürliche Ernährung unserer Kinder, ohne Druck, sondern empathisch und partizipativ vermitteln sollen. Dies gelingt uns ja auch bei anderen Themen, wie zum Beispiel der Nikotinentwöhnung oder der Ernährungsberatung beim Diabetes mellitus. © er/aerzteblatt.de

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