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Medizin

Studie: „Pille“ kann Thromboserisiko auch bei jungen Frauen erhöhen

Freitag, 1. Oktober 2021

/dpa

Bremen und Bonn – Frauenärzte bevorzugen bei der Verordnung von kombinierten hormonellen Kontra­zeptiva zunehmend Präparate mit einem niedrigen Risiko auf eine venöse Thromboembolie. Dennoch kommt es auch bei jungen Frauen unter 19 Jahren gelegentlich zu Komplikationen, wie eine kürzlich im Bulletin zur Arznei­mittelsicherheit (2021; 2: 13-17) publizierte Studie zeigt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) macht deshalb in einem Rote-Hand-Brief erneut auf das Risiko aufmerksam.

Kombinierte hormonale Kontrazeptiva (KHK) sind in Deutschland die am weitesten verbreitete Verhü­tungs­methode. Im Jahr 2018 wurden mehr als 210 Millionen definierte Tagesdosen auf Kosten der ge­setz­lichen Krankenkassen abgegeben. Seit langem ist bekannt, dass die Einnahme von KHK das Risiko venöser Thromboembolien (VTE) erhöht. Das Risiko ist abhängig von der Zusammensetzung der Präpa­rate.

Der Pharmakovigilanzausschuss (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) war 2014 zu dem Schluss gekommen, dass KHK mit den Gestagenen Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat das niedrigste VTE-Risiko aufweisen. In dieser Gruppe erleiden von 10.000 Anwenderinnen pro Jahr zu 5 bis 7 ein VTE-Ereignis.

Tania Schink vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen und Mitarbeiter haben den Zusammenhang erneut in einer Analyse der pharmakoepidemiologischen For­schungs­datenbank (GePaRD) untersucht, die die Abrechnungsdaten von vier gesetzlichen Krankenver­sicherungen enthält. Dabei wurde untersucht, ob es bei Frauen, denen neu ein KHK verordnet wurde, häufiger zu Behandlungen wegen eines VTE-Ereignisses gekommen ist, das dann ebenfalls in den Ab­rechnungsdaten auftaucht. Da die „Pille“ in Deutschland nur bis zum 20. Geburtstag erstattungsfähig ist, mussten die Epidemiologen die Analyse auf Mädchen und junge Frauen beschränken.

In dieser Gruppe ist das Risiko einer VTE eigentlich sehr gering. Dennoch kam es unter 677.331 Mädchen und jungen Frauen, denen zwischen 2005 und 2017 erstmals ein KHK verordnet wurde, im 1. Jahr der Verordnung zu 570 VTE-Fällen, darunter waren 118 Lungenembolien. Die wenigsten VTE-Ereignisse traten – wie erwartet – bei Frauen auf, die Präparate mit Levonorgestrel verwendet hatten. Auch für die meisten anderen KHK lagen die Inzidenzen in den vom PRAC beschriebenen Bereichen.

Nur für Präparate mit Norethisteron oder Gestoden waren die Inzidenzen in der Studie höher, was aller­dings aufgrund der geringen Zahl der Neunutzerinnen bei beiden Präparaten (818 beziehungsweise 975) möglicherweise ein Zufallsbefund war (die Publikation gibt keine 95-%-Konfidenzintervalle an). Die VTE-Inzidenz für Präparate mit Chlormadinon und Nomegestrol lag im Bereich von 9 bis 12 Ereignissen pro 10.000 Frauen und Jahr. Schink stuft die deshalb in die Risikoklasse 3.

Den verschreibenden Ärzten scheint die Gefahr bewusst zu sein. Auch bei den Mädchen und jungen Frauen werden zunehmend KHK der Risikoklasse 1 verordnet. Der Anteil stieg von 32 % in den Jahren 2005 bis 2007 auf 54 % in den Jahren 2015 bis 2017 an. Die Neuverordnungen aus der Risikoklasse 3 nahmen im gleichen Zeitraum von 46 % auf 33 % ab.

Das BfArM nimmt die Studie zum Anlass, um noch einmal auf die unterschiedlichen VTE-Risiken ver­schie­dener KHK hinzuweisen. Insgesamt sei das VTE-Risiko im ersten Jahr der Anwendung beziehungs­weise nach einem erneuten Beginn am höchsten. Weitere Risikofaktoren sind Rauchen, Übergewicht (BMI über 30 kg/m2 ), Alter ab 35 Jahren, Immobilisierung und eine genetische Prädisposition. © rme/aerzteblatt.de

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