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Gemeinsame neurologische psychosomatisch/­psychiatrische Sprechstunde am Universitätsklinikum Bonn

Montag, 4. Oktober 2021

/picture alliance, Oliver Berg

Bonn – Die Kliniken für Epileptologie, Psychiatrie und Psychosomatische Medizin am Universitätsklini­kum Bonn (UKB) haben eine gemeinsame Sprechstunde eingerichtet und modellhaft einen interdis­ziplinären sogenannten Patientenpfad aufgesetzt.

Das neue Angebot richtet sich an Menschen, die an einer bislang unentdeckten sogenannten disso­ziativen Störungen oder funktionellen Anfällen leiden. Diese können als Reaktion auf ein einmaliges, bedrohliches Ereignis oder wiederkehrende überwältigende Belastungen entstehen.

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„Unverarbeitet können diese Erlebnisse dazu führen, dass unser Körper Schutzmechanismen, die zum Zeitpunkt des Geschehens hilfreich waren, um beispielsweise Schmerzen zu ertragen, unwillentlich in nun ungefähr­lichen Situationen wieder anwendet“, erläutert Alexandra Philipsen, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKB. Bei funktionellen Bewegungsstörungen oder psychogenen Anfällen komme es unter anderem zu Ohnmachts- oder Krampfanfällen sowie zu Lähmungen.

Dies führe häufig zunächst zu falschen Diagnosen: „Wir schätzen, dass allein in Deutschland 30.000 Menschen fälschlicherweise mit Antiepileptika behandelt werden“, meint Rainer Surges, Direktor der Klinik und Poliklinik für Epileptologie am UKB. Denn die so genannten psychogenen Anfälle wiesen oft Phänomene und Anzeichen auf, die epileptischen Anfällen stark ähnelten.

Teilweise würden Patienten bis zu acht Jahre lang auf Epilepsie hin behandelt – bevor der dauerhaft ausbleibende Therapieerfolg zu einer tiefergehenden Diagnostik und veränderten Diagnose führe. Aber auch wenn diese korrekt gestellt werde, sei der Behandlungsweg nicht eindeutig vorgegeben. Diese Erkenntnis hat am UKB zur Entwicklung eines neuen Behandlungspfades geführt: So werden die Betroffenen nun im Anschluss an die ausführliche epileptologische Diagnostik regelhaft psychiatrisch und psychosomatisch untersucht, um die Ursachen der Symptome auszuloten und die jeweils passende Behandlung festzulegen.

Von besonderer Bedeutung sind zudem sogenannte Follow-Up-Visiten in der Spezialsprechstunde, die von den drei Partnerkliniken organisiert werden. Die Kliniken planen künftig auch Fortbildungen für niedergelassene Ärzte sowie Psychotherapeuten, denn bislang existierten für diese Patientengruppe wenig Programme und keine Standardweiterbildung, hieß es aus Bonn. © hil/aerzteblatt.de

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