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Politik

Krankenhaus­gesellschaft plädiert für wirtschaftliche Absicherung der Krankenhäuser im Jahr 2022

Montag, 4. Oktober 2021

/Flexmedia, stock.adobe.com

Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat die künftige Bundesregierung dazu aufgefor­dert, die deutschen Krankenhäuser auch im Jahr 2022 über eine Budgetabsicherung finanziell zu unter­stützen. „Wir sind noch mittendrin in der Coronapandemie“, sagte der Präsident der DKG, Ingo Morell, heute vor Journalisten in Berlin.

„Und auch für das Jahr 2022 müssen wir davon ausgehen, dass der Normalbetrieb in den Krankenhäusern nicht erreicht werden kann.“ Damit es kein unkontrolliertes Ausscheiden von Krankenhäusern aus der Versorgung gibt, müsse der Bund die Krankenhäuser wirtschaftlich absichern – so, wie er es über weite Teile der Coronapandemie auch getan habe.

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Seit dem Jahr 2017 gehen die Fallzahlen in den Krankenhäusern zurück. Dem aktuellen Krankenhaus Rating Report zufolge waren 13 Prozent der deutschen Krankenhäuser bereits vor der Pandemie in er­höhter Insolvenzgefahr. Durch die Pandemie sind die Fallzahlen noch weiter zurückgegangen.

Wie der Gesundheitsökonom Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin vor kurzem erklärt hatte, habe die durchschnittliche Bettenauslastung 2020 bei 67 Prozent gelegen. In den ersten fünf Mo­na­ten des Jahres 2021 sei sie weiter auf 64 Prozent gesunken. Bei Krankenhäusern mit weniger als 300 Betten habe sie bei 60 Prozent gelegen.

Noch nicht alle Budgets für 2020 verhandelt

„Die Fallzahlentwicklung belastet die Krankenhäuser nachhaltig“, sagte Morell. „Wenn diese Entwicklung so weitergeht, werden die Krankenhäuser in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen.“ Man könne aber heute noch nicht sagen, wie sich die Fallzahlen in den kommenden Jahren entwickeln werden.

Die Liquidität der Krankenhäuser belaste außerdem, so Morell, dass bei vielen Krankenhäusern die Budget­verhandlungen für das Jahr 2020 noch immer nicht abgeschlossen seien – insbesondere wegen der Einführung des Pflegebudgets, bei dem Krankenhäuser und Krankenkassen erstmals die genauen Pflegepersonalkosten für jedes Krankenhaus aushandeln müssen.

Aus dem Krankenhaus Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts gehe hervor, dass zum Befra­gungs­zeitpunkt, dem 30. April 2021, erst 21 Prozent der Krankenhäuser ein Pflegebudget verhandelt hatten, so die DKG. 26 Prozent der Häuser waren zudem davon ausgegangen, die Verhandlungen im drit­ten Quartal abzuschließen und 29 Prozent im vierten Quartal. 15 Prozent gingen davon aus, in diesem Jahr das Budget für 2020 nicht mehr abschließen zu können.

Ausreichende Investitionsmittel

Die DKG rief Bund und Länder zudem dazu auf, die Versorgungsstrukturen in der kommenden Legislatu­rperiode zu modernisieren. „Das ist eine gewaltige Aufgabe“, sagte der Vorstandsvorsitzende der DKG, Gerald Gaß. Um sie zu lösen, müssten sich Bund und Länder darüber klar werden, wie viele zentrale Struk­turen sie wollen und wieviel Versorgung in der Fläche realisiert werden könne.

In diesem Zusammenhang müsse auch endlich gewährleistet werden, dass die Krankenhäuser die Inves­titionsmittel erhalten, die sie benötigten. „Wir können nicht mehr akzeptieren, dass die Bundeslän­der auf Kosten der Patientenversorgung sparen“, betonte Gaß. „Bund und Länder müssen sich deshalb nicht nur um den Strukturwandel kümmern, sondern unbedingt auch darum, dass die Investitionsmittel in ausrei­chendem Maße zur Verfügung gestellt werden.“

Förderprogramm für Green Hospitals

Gaß sprach sich dafür aus, dass die Krankenhäuser künftig stärker zusammenarbeiten. „Wir sehen die Möglichkeit, dass die Krankenhäuser enger miteinander kooperieren, dass sie ihre Kompetenzen über die Telemedizin für die Fläche zur Verfügung stellen, sodass die Flächenversorgung über regionale Netzwer­ke organisiert wird“, sagte Gaß. Dafür müssten allerdings die Impulse durch das Krankenhauszukunfts­gesetz (KHZG) verstetigt werden. Mit dem KHZG stellen Bund und Länder eine Anschubfinanzierung von bis zu 4,3 Milliarden Euro zum Ausbau der Digitalisierung in den Krankenhäusern zur Verfügung.

Auf ähnliche Weise müsse künftig auch das Thema Green Hospital durch den Bund vorangetrieben werden, forderte Gaß.

Krankenhäuser müssen sich weiterentwickeln

Um sich dem Strukturwandel zu stellen, sieht der DKG-Vorsitzende auch die Krankenhäuser selbst in der Pflicht, sich weiterzuentwickeln. Dafür müssten sie allerdings die Möglichkeit erhalten, mehr ambulante Leistungen zu erbringen. In diesem Zusammenhang sprach er sich für eine neue Finanzierung von ambu­lanten Leistungen im Krankenhaus aus.

„In den Krankenhäusern werden heute Patienten stationär behandelt, die auch ambulant versorgt werden könnten“, sagte Gaß. „Unser Vorschlag ist, die Krankenhäuser für eine ambulante klinische Versorgung für Patienten zu öffnen, die schon heute stationär versorgt werden. Dafür könnten wir uns vorstellen, einen Teil des Krankenhausbudgets in ein sektorenübergreifendes krankenhausindividuelles Budget auszuglie­dern.“ Die Krankenhäuser könnten dann aussuchen, ob sie die Patienten ambulant oder stationär ver­sorgen. Diese Entscheidung solle anhand des Schweregrades der Erkrankung getroffen werden. In jedem Fall, betonte Gaß, gehe es nicht darum, in den klassischen ambulanten Bereich vorzudringen.

Erneut forderte Gaß die Politik dazu auf, die Pflegepersonal-Regelung 2.0 (PPR 2.0) einzuführen: ein Instrument zur Bemessung des Pflegepersonalbedarfs, das die DKG zusammen mit dem Deutschen Pflegerat und Verdi entwickelt hatte. „Auf diese Weise würden wir einen Maßstab dafür bekommen, wie viele Pflegende wir heute in den einzelnen Krankenhäusern haben und wie viele noch fehlen“, sagte Gaß. Wenn die Zahl der noch fehlenden Pflegekräfte genau benannt werden könne, sei dies ein starkes Signal in die Pflege, da dann genau das anzustrebende Ziel dargestellt werden könne.

„Die PPR 2.0 hätte zudem den Vorteil, dass die Krankenhäuser das Personal dort einsetzen können, wo es zurzeit gebraucht wird“, erklärte Morell. „Dadurch wäre eine bessere Verteilung der knappen Ressourcen möglich.“ Derzeit müssen die Krankenhäuser in zahlreichen Bereichen die Pflegepersonaluntergrenzen einhalten, die die genaue Zahl an Pflegenden pro Patient in den Tag- und Nachtschichten der jeweiligen Abteilungen definieren. © fos/aerzteblatt.de

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