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Medizin

Personalisierte Hirnstimulation lindert langfristig Depressionen

Donnerstag, 11. November 2021

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

San Francisco – Eine personalisierte tiefe Hirnstimulation, bei der nur dann Impulse abgegeben werden, wenn der ebenfalls implantierte Sensor „verdächtige“ Signale auffängt, hat laut einem Fallbericht in Nature Medicine (2021; DOI: 10.1038/s41591-021-01480-w) eine Patientin seit mehr als 1 Jahr von ihren schweren Depressionen befreit.

Die tiefe Hirnstimulation wird seit Jahren mit Erfolg beim Morbus Parkinson und beim Tourette-Syndrom eingesetzt. In den USA gehören auch Zwangsstörungen und die Epilepsie zu den zugelassenen Indika­tionen. Bei Patienten mit Depressionen werden in Fallserien immer wieder erfolgversprechende Ergeb­nisse berichtet. Diese konnten jedoch bisher in randomisierten kontrollierten Studien nicht bestätigt werden. Die Behandlung wird deshalb nicht als evidenzbasiert eingestuft und nur innerhalb von klinischen Studien durchgeführt.

Katherine Scangos vom Weill Institute for Neurosciences in San Francisco und Mitarbeiter führen die unterschiedlichen Ergebnisse darauf zurück, dass die Elektroden in den bisherigen Studie nur in vorbe­stimmten Orten platziert wurden, ohne vorher zu prüfen, ob sie der Ausgangspunkt der Depression sind. Die Forscher schlagen dagegen vor, den Implantationsort bei jedem Patienten einzeln zu ermitteln.

Bei ihrer 1. Patientin wurde zunächst über 10 Tage eine intrakranielle Elektrophysiologie durchgeführt. Mit einer fokalen elektrischen Stimulation wurde überprüft, wie die Patientin auf eine tiefe Hirnstimu­lation reagierte. Als optimaler Stimulationsort erwies sich einmal das ventrale Striatum, das zum Belohnungs- und „Lust“-System des Gehirns gehört und auch in verschiedenen früheren Studien ausgewählt wurde.

Der 2. Stimulationsort war eine der beiden Amygdalae, die im Gehirn für die Reaktion auf Bedrohungen zuständig sind. Sie werden eher mit Angststörungen in Verbindung gebracht und gehörten bisher nicht zu denverwendeten Implantationsorten.

Ein zweiter Unterschied zu bisherigen Strategien besteht darin, dass die Stimulation nicht dauerhaft erfolgt. Ein Steuergerät reagiert vielmehr auf bestimmte EEG-Signale, die dann kurze Impulse auslösen. Die tiefe Hirnstimulation wird gestoppt, wenn keine „depressiven“ Signale mehr registriert werden.

Bei ihrer 1. Patientin scheint das Konzept aufgegangen zu sein. Seit der Implantation der Elektroden im Juni 2020 sei die Frau weitgehend frei von Depressionen, berichtet Scangos, sie nehme allerdings noch weiter ihre Medikamente ein. Anders als bei den bisherigen Versuchen, bei denen die Wirkung frühes­tens nach einigen Wochen einsetzt, habe die Patientin sofort eine Veränderung bemerkt.

Dem Vernehmen nach wurden bereits 2 weitere Patienten behandelt, zu denen aber noch keine Ergeb­nisse vorliegen. Die Beweiskraft einer Kasuistik ist gering. Es bleibt abzuwarten, ob die Ergebnisse dem Test einer randomisierten Studie standhalten würden. Die 10-tägige Probephase und die Implantation mehrerer Elektroden dürften das Komplikationsrisiko erhöhen, so dass die Behandlung nur für wenige Patienten mit schweren therapie-resistenten Depressionen infrage käme. © rme/aerzteblatt.de

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