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Politik

Kontroverse um Toxoplasmosetest bei Schwangeren

Dienstag, 5. Oktober 2021

Parasit Toxoplasma Gondii. /picture-alliance, BSIP, IMA 16677295

Essen/Berlin – Deutliche Kritik an einer neuen Bewertung des IGel-Monitors hat der Berufs­verband der Frauenärzte (BVF) geübt. Dabei geht es um den Nutzen von Toxoplasmosetests bei Schwan­geren. Der IGel-Monitor hatte diesen Anfang Oktober mit „unklar“ bewertet.

„Es gibt keine Studien, die auf einen Nutzen für Mutter und Kind hindeuten. Bei dem Antikörpertest kann es zu falsch positiven und falsch negativen Ergebnissen sowie Überdiagnosen kommen, die unnötige Fol­geuntersuchungen oder unnötige Behandlungen nach sich ziehen“, so die Wissenschaftler des Moni­tors.

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Sie werteten dies als Anhaltspunk­te für einen Schaden des Tests. Allerdings fand die Arbeitsgruppe nach eigenen Angaben „schwache Hin­weise“, dass bei einer Erstinfektion mit Toxoplasmose während der Schwangerschaft eine früh einset­zende medikamentöse Therapie die gesundheitlichen Folgen für das Baby abmildern kann.

Der BVF wies hingegen darauf hin, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) es für sinnvoll und wünschens­wert halte, den Antikörperstatus von Frauen vor oder möglichst früh in der Schwangerschaft zu be­stimmen. Der IGeL-Monitor habe die Argumente dieser staatlichen Behörde „unverständlicher Weise“ bis­her ignoriert und die Toxoplasmosetestung als ‚negativ‘ bewertet.

Dass sich der IGel-Monitor als Sprach­rohr der Krankenkassen jetzt dazu durchgerungen hat, den Nutzen der Testung zumindest als ‚unklar‘ zu bewerten, ist ein kleiner Fortschritt“, sagte BVF-Präsident Christian Albring. „Der IGel-Monitor sollte die überragende Kompetenz der Wissenschaftler des RKI akzeptieren“, forderte er.

Infiziert sich eine Frau während einer Schwangerschaft das erste Mal mit Toxoplasmose, besteht die Ge­fahr, dass der Erreger auf das Ungeborene übergeht. Das Risiko der Übertragung steigt mit zuneh­mender Schwangerschaftsdauer. Bezogen auf die gesundheitlichen Folgen für das Baby verhält es sich entgegen­gesetzt: Eine Infektion im ersten Drittel der Schwangerschaft kann das Ungeborene gesund­heitlich schwer schädigen.

Der Toxoplasmoseantikörpertest soll erkennen, ob die Schwangere bereits eine Infektion hatte oder ak­tu­­ell eine Infektion hat oder die Gefahr besteht, dass es unter der Schwangerschaft zu einer Erstinfek­tion kommt.

Ausgelöst wird die Toxoplasmose durch den Parasiten Toxoplasma gondii. Infizierte Katzen scheiden ihn mit ihrem Kot aus. Er kommt außer in Katzenstreu auch in Gartenerde, rohem Fleisch und auf ungewa­sch­enem Obst und Gemüse vor.

Initiator und Auftraggeber des IGel-Monitors ist der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS). © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 8. Oktober 2021, 08:29

Toxoplasmose-Antikörpertest - Vorsorge alternativlos!

IGeL - Vorsorgen ist besser als Heilen:
Die Studienlage beim Medizinischen Dienst/GKV-Spitzenverband Bund (MDS-GKV-SpiBu) bleibt auch beim 54. „IGeL-Monitor“/Toxoplasmose-Screening para- bzw. pseudologisch.
1. Gebetsmühlenartig werden Hinweise auf falsch-positive oder falsch-negative Ergebnisse sowie Überdiagnosen und infolgedessen unnötige Folgeuntersuchungen oder unnötige Behandlungen wiederholt, ohne dies valide bei einzelnen Indikationen belegen zu können.
2. Grundsätzlich lassen sich die medizinisch-wissenschaftlich oft gar nicht qualifizierten IGeL-Monitor AutorInnen immer ein Hintertürchen offen: Bei konkretem Krankheitsverdacht mutieren nahezu alle vorher inkriminierten Leistungen zu geradezu selbstverständlichen GKV-Kassenleistungen. "Die Untersuchung auf den parasitären Erreger wird nur dann von den Kassen erstattet, wenn sich im Ultraschall Anzeichen ergeben, dass sich der Fötus möglicherweise wegen einer Toxoplasmoseinfektion unregelmäßig entwickelt."
3. Selbst beim international anerkannten Sono-Screening auf Ovarialkarzinome wollen die weltfremden IGeL-Monitor AutorInnen ausschließlich bei konkretem Tumor-Krankheitsverdacht erst eine Ultraschall-Untersuchung als dann selbstverständliche GKV-Kassenleistung gestatten - wenn es bei fortgeschrittenen Tumorstadien nicht vielleicht schon zu spät ist.
4. Der IGeL-Monitor geht nicht mal nach seinem eigenen § 12 SGB V
"(1) Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten..." vor.
Diese sogenannten WANZ-Kriterien (wirtschaftlich, ausreichend, notwendig, zweckmäßig) sollten eigentlich auch bei jeder sinnvollen Individuellen-Gesundheits-Leistung zum Berechnungsmaßstab hinzugefügt werden.
Denn Vorsorgen und Frühstadien erkennen ist nicht nur besser, sondern auch oft wesentlich preisgünstiger als zu späte, aufwändige Kuration oder gar Palliation.
Mf+kG,Ihr Dr. med. Schätzler, FAfAM DO
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