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Medizin

Coronaimpfung: Myokarditis-Risiko bei jüngeren Männern nach der 2. Dosis erhöht

Mittwoch, 6. Oktober 2021

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Los Angeles – Die Analyse eines US-Krankenversicherers bestätigt, dass es nach der 2. Dosis der mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna in seltenen Fällen zu einer Myokarditis kommen kann.

Betroffen waren laut der Publikation in JAMA Internal Medicine (2021; DOI: 10.1001/jamainternmed.2021.5511) jüngere Männer, die zumeist ihre 2. Dosis erhalten hatten. Alle erholten sich innerhalb weniger Tage von der Komplikation.

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Warum es nach einer Impfung bei jüngeren Menschen zu Störungen der Herzfunktion kommen kann, ist nach wie vor unklar. Das Problem betrifft offenbar nicht nur mRNA- und andere Coronavirusimpfstoffe. Eine frühere Analyse des „Vaccine Adverse Event Reporting System“ der FDA im International Journal of Cardiology (2018; DOI: 10.1016/j.ijcard.2018.09.054) hatte gezeigt, dass die Komplikation auch nach Impfungen gegen humane Papillomviren, Influenza, Meningokokken, Typhus, die japanische Enzephalitis und Milzbrand gemeldet wurde.

Besonders häufig war sie nach einer Pockenimpfung mit einer Odds Ratio von 71,88. Auch bei anderen Impfungen waren eher jüngere Menschen betroffen, wenn auch nicht so auffällig häufig wie bei den Coronaimpfstoffen.

Die Komplikation war zunächst in Israel beobachtet worden, wo frühzeitig auch jüngere Menschen mit BNT162b2 von Biontech/Pfizer geimpft wurden. Dort war es unter 938.812 Geimpften zu 21 Fällen ge­kom­men. Das waren 3,24 Mal so viele Fälle wie in der Kontrollgruppe von nicht geimpften Personen (eine Infektion mit COVID-19 erhöhte das Risiko auf eine Myokarditis um den Faktor 18,28).

Unter den 2.392.924 Versicherten von Kaiser Permanente Southern California, die wenigstens 1 Dosis eines mRNA-Impfstoffes erhalten hatten, ist es in den ersten 10 Tagen nach der Impfung zu 15 Fällen einer Myokarditis gekommen, wie ein Team um Ming-Sum Lee vom Los Angeles Medical Center des Ver­sicherers berichtet. Die Fälle waren entweder dem „Regional Immunization Practice Committee“ von Kai­ser Permanente gemeldet oder als Entlassungsdiagnose der Krankenhäuser erwähnt worden.

Von den 15 Fällen waren 13 nach der 2. Dosis aufgetreten. Lee ermittelt eine relative Inzidenzrate (IRR) gegenüber Nicht-Geimpften von 2,7 (95-%-Konfidenzintervall 1,4 bis 4,8). Im Vergleich zu einer 10-Tages-Periode der gleichen Versicherten im Vorjahr betrug die IRR 3,3 (1,0 bis 13,7). Die Zahlen bestätigen da­mit die Erfahrungen aus Israel. Nach der 1. Dosis war die IRR nicht erhöht. Diese ebenfalls bekannte Tat­sache hat übrigens die Impfkommissionen in Großbritannien und Hongkong veranlasst, bei Kindern zu einer Einzelimpfung zu raten.

Die betroffenen Männer waren median 25 Jahre alt (Kinder waren nicht geimpft worden). Keiner hatte eine vorbestehende Herzerkrankung. Alle wurden im Krankenhaus behandelt, nachdem sie 1 bis 7 Tage nach der Impfung zumeist über Brustschmerzen geklagt hatten. Der Troponin I-Wert war auf bis zu 32,30 ng/ml angestiegen, bei 13 Patienten wurden Ischämiehinweise im EKG gefunden (in der Regel diffuse ST-Hebungen).

Ein Schädigung der Koronarien wurde nicht gefunden: 7 Patienten waren im CT und 4 Patienten im Herz­katheter unauffällig (bei den übrigen 4 Patienten war keine Bildgebung erfolgt). Die linksventrikuläre Ejektionsfraktion lag bei 13 Patienten im Normalbereich. Bei den übrigen 2 Patienten war es zu einem Abfall auf 30-35 % beziehungsweise 45 % gekommen mit globalen Bewegungsstörungen des Herzmus­kels.

Alle Patienten erholten sich unter einer konservativen Behandlung vollständig. Laut Lee musste kein Pa­tient auf Intensivstation behandelt oder ein zweites Mal im Krankenhaus aufgenommen werden. Auch hier bestätigten sich die Erfahrungen anderer Zentren, nach denen sich die Patienten relativ rasch und ohne Folgen von der Myokarditis erholen. © rme/aerzteblatt.de

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