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Medizin

Ursache bösartiger Herzrhythmus­störungen bei jungen Patienten trotz erweiterter Diagnostik oft unklar

Donnerstag, 7. Oktober 2021

/pixelfreund, stock.adobe.com

Bonn/Ulm – Pro Jahr erleiden etwa 65.000 Menschen in Deutschland einen plötzlichen Herzstillstand. Bei etwa 60.000 von ihnen verläuft er tödlich. „Neben der akuten hohen Sterblichkeit eines solchen Ereignisses sind die langfristigen Konsequenzen für das weitere Leben der Betroffenen nur schwer abschätzbar“, berichtete der Kardiologe Alexander Pott auf den Herztagen 2021 der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK).

Eine Arbeitsgruppe an der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Ulm hat unter seiner Leitung nach Gründen für plötzliche Herzstillstände geforscht. Sie stellte ihre Ergebnisse als Poster 67 in der Fachzeitschrift Clinical Research in Cardiology vor (Clin Res Cardiol 2021; DOI: 10.1007/s00392-021-01933-9).

In einer Langzeitkohortenstudie hat Pott zusammen mit Michael Baumhardt und anderen 150 unter 40-jährige Patienten untersucht, die zwischen 2000 und 2020 einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten. Während bei etwa der Hälfte der Patienten nicht-kardiologische Gründe für den Herz-Kreislauf-Stillstand vorlagen – zum Beispiel Ertrinken, Suizidversuche, Vergiftungen – war bei 73 Patienten eine Erkrankung des Herzens auslösend für das Akutereignis. Hiervon ließ sich bei knapp der Hälfte ein akuter Herzin­farkt im EKG diagnostizieren, wohingegen bei weiteren 38 Patienten eine weitere Ursachenabklärung notwendig war.

Diese mehrheitlich weiblichen Patienten waren durchschnittlich 24 Jahre alt und erhielten je nach klinischer Notwendigkeit eine Kernspintomographie, Koronarangiographie, elektrophysiologische Untersuchung sowie Myokardbiopsien. In einigen Fällen erfolgte eine genetische Testung auf Mutationen im Zusammenhang mit dem überlebten plötzlichen Herztod.

Bei allen Patienten war die Ursache des Herz-Kreislauf-Stillstands Kammerflimmern. Nur bei 21 Patienten konnte der Auslöser des Herz-Kreislauf-Stillstands ermittelt werden. Dieser war in 18 %der Fälle ein Long-QT-Syndrom, in 11 % eine hypertrophe Kardiomyopathie sowie in 21 % seltenere Formen der Kardiomyopathien. Bei 2 Patienten fanden sich Koronaranomalien. Demgegenüber konnten die Forscher trotz ausführlicher Diagnostik bei 17 Patienten (45 % aller Fälle) keine ursächliche Erkrankung für den Herz-Kreislaufstillstand finden.

In den Folgejahren nach dem Herz-Kreislauf-Stillstand wurden die Patienten am Universitätsklinikum Ulm in der Spezialsprechstunde „Genetisch-bedingte Herzerkrankungen“ sowie im Zentrum für seltene Erkrankungen des Universitätsklinikums durch die beiden Studienautoren weiter betreut.

Nach einem Follow-Upt von 7,9 Jahren waren 3 Patienten (8 %) verstorben. 39 % der Patienten erlitten abermals bösartige Herzrhythmusstörungen, in deren Rahmen eine Schockabgabe durch einen sekundär­prophylaktisch implantierten internen Kardioverter-Defibrillator notwendig wurde.

Von den 17 Patienten ohne erklärende Diagnose erlitten nur 23 % eine erneute bösartige Herzrhyth­musstörung, wohingegen bei vorliegender Diagnose signifikant häufiger erneut eine bösartige Herzrhythmusstörung auftrat – nämlich bei 52 % der Patienten. „Die Implantation eines Defibrillators war somit vor allem bei vorliegender Diagnose sinnvoll, da Zweitereignisse gehäuft waren“, so die Autoren. © hil/aerzteblatt.de

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