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Medizin

Smartphones können implantierte Herzschrittmacher beeinflussen

Mittwoch, 6. Oktober 2021

/Elizaveta, stock.adobe.com

Bonn/Gießen – Aktuelle Smartphones können die Funktion von implantierten Herzschritt­machern/Defibrillatoren beeinflussen. Das berichtet ein Wissenschaftlerteam der medizinischem Klinik I – Kardiologie und Angiologie – des Universitätsklinikums Gießen und Marburg auf den Herztagen 2021 der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK).

Sie stellen ihre Ergebnisse als Poster 334 in der Fachzeitschrift Clinical Research in Cardiology vor (DOI: 10.1007/s00392-021-01933-9).

Die Arbeitsgruppe verwendete für ihre Studie das iPhone 12 Pro der Firma Apple. Es weist im Vergleich zu vorhergehenden Geräten mehr zentral und zirkulär verbaute Magnete auf. Diese erlauben ein schnel­les kabelloses Laden des Smartphones. „Hierdurch könnte die Funktionsweise von Herzschrittmachern und Defibrillatoren stärker als bisher beeinträchtigt werden“, vermuten die Forscher.

Sie konzipierten eine prospektive Beobachtungsstudie. Die Patienten wurden im Rahmen einer routine­mäßigen Vorstellung zur Gerätekontrolle in die Studie eingeschlossen. Zu Beginn der Untersuchung wurden die Geräte und Sonden auf ihre korrekte Funktionalität getestet.

Um sicherzustellen, dass auch das Smartphone ausreichend funktionsfähig war, wurden die Untersu­chungen in einem Raum mit guter Mobilfunk- und Internetverbindung durchgeführt. Das Smartphone wurde anschließend direkt auf den Brustkorb der Patienten über dem implantierten Medizinprodukt platziert. Mithilfe eines intrakardialen Elektrokardiogramms (EGM) wurden über die jeweiligen Program­miergeräte der Herzschrittmacher- und Defibrillatorhersteller mögliche Interferenzen erfasst. Es wurden 4 verschiedene Funktionen des Smartphones getestet: Standby, beim Aufbau einer Verbindung (Mobil­funk, WLAN und Bluetooth), beim Empfang eines Anrufs und bei einer sogenannten Near Field Commu­nication (NFC) mittels „Apple Pay“.

Elektromagnetische Interferenzen, Verlust der Telemetrieverbindung, Veränderungen in den program­mierten Grundeinstellungen und Fehlinterpretation der Signale des intrakardialen Elektrogramms wur­den als Auffälligkeiten systematisch erfasst, ebenso wie klinische Symptome, zum Beispiel Herzstolpern, Schwindel und Ohnmachtsanfälle.

Bislang hat die Arbeitsgruppe 70 Patienten eingeschlossen werden, hiervon 36 Frauen, Alter im Median 73,5 Jahre. Die Geräte und Sonden bestanden aus Schrittmachern (50 %), transvenösen Defibrillatoren (24 %), kardialer Resynchronisationstherapie mit Defibrillation (20 %), kardialer Resynchronisations­therapie mit Schrittmacherfunktion (4 %) und subkutan-implantierten Defibrillatoren (1,4 %).

Einflüsse des iPhones stellten die Forscher bei elf Prozent der Patienten fest, also bei acht Personen. Die Geräte von drei Herstellern (Abbott, Biotronik, Boston-Scientific) waren betroffen. Die meisten Einflüsse entstanden bei der NFC-Nutzung (6 von 8 betroffenen Geräten).

Ein Verlust des intrakardialen EKGs trat bei 1 von 8 Geräten auf. Störsignale konnten bei 6 von 8 Geräten detektiert werden, Fehlinterpretationen des EGM zeigten sich bei 2 von 8 Geräten und ebenfalls 2 von 8 Geräte verloren zeitweise die Telemetrieverbindung zum Programmiergerät.

„Die im Rahmen dieser Untersuchung erhobenen Daten bestätigen, dass das iPhone 12 Pro entsprechend der Empfehlung nicht direkt über den implantierten Herzschrittmachern beziehungsweiseDefibrillatoren getragen oder benutzt werden und ein Sicherheitsabstand eingehalten werden sollte“, folgern die Auto­ren. © hil/aerzteblatt.de

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