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Medizin

Studie: Eisenmangel im mittleren Alter erhöht kardiale Risiken

Freitag, 8. Oktober 2021

/Andreas Berheide, stock.adobe.com

Hamburg – Die Auswirkungen des in der Bevölkerung verbreiteten Eisenmangels auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden möglicherweise unterschätzt. Eine Analyse von 3 bevölkerungsbasierten Kohor­tenstudien kommt in ESC Heart Failure (2021; DOI: 10.1002/ehf2.13589) zu dem Ergebnis, dass jeder 10. Herz-Kreislauf-Tod im mittleren Alter auf einen funktionellen Eisenmangel zurückzuführen ist.

Eisen ist ein lebenswichtiges Spurenelement im menschlichen Körper. Ohne Eisen können Erythrozyten keinen Sauerstoff transportieren und die Mitochondrien keine Energie produzieren. Bei einem Eisen­mangel kommt es schnell zur Anämie und zu Störungen der Muskelfunktion. Der Körper ist deshalb bemüht, genügend Eisen vorzuhalten.

In Leber, Milz und im Knochenmark wird Eisen in Ferritin deponiert. Der Transport im Blut erfolgt mit dem Protein Transferrin. Die Konzentration der beiden Proteine dient in der Labordiagnostik zur Abschät­zung des Eisenmangels. Die Normalwerte sind allerdings umstritten und abhängig vom Alter.

Ein Team um Mahir Karakas vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung in Hamburg defi­nierte in seiner Studie einen absoluten Eisenmangel bei einem Ferritin-Wert von unter 100 µg/l. Bei Werten unter 30 µg/l wurde ein schwerer absoluter Eisenmangel angenommen. Ein funktioneller Eisen­mangel war definiert als ein Abfall des Ferritins auf unter 100 µg/l oder ein Ferritin von 100 bis 299 µg/l bei einer Transferrinsättigung von unter 20 %.

In den 3 Kohortenstudien (KORA, „Northern Sweden“ und Tromsø) hatten die Teilnehmer im Durch­schnittsalter von 59 Jahren zu 60,0 % einen absoluten Eisenmangel, zu 16,4 % einen schweren abso­luten Eisenmangel und zu 64,3 % einen funktionellen Eisenmangel.

Die Forscher haben untersucht, ob der Eisenmangel sich auf das Erkrankungs- und Sterberisiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und auf die Gesamtmortalität auswirkt. Von den 12.164 Teilnehmern der Kohor­tenstudien sind während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 13,3 Jahren 2.212 (18,2 %) gestor­ben, davon 573 (4,7 %) an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei 1.033 (8,5 %) beziehungsweise 766 (6,3%) Teilnehmern wurde eine koronare Herzkrankheit oder ein Schlaganfall diagnostiziert.

Beim absoluten Eisenmangel wurde nur für die Koronare Herzkrankheit eine signifikante Assoziation gefunden. Teilnehmer mit einem absoluten Eisenmangel erkrankten zu 20 % häufiger (Hazard Ratio HR 1,20; 95-%-Konfidenzintervall 1,04 bis 1,39). Ein Anstieg der Sterblichkeit war nicht sicher nachweisbar. Ein schwerer absoluter Eisenmangel war dagegen mit einem Anstieg der Gesamtmortalität um 28 % (HR 1,28; 1,12 bis 1,46), nicht aber mit der kardiovaskulären Mortalität oder einer Koronaren Herzkrankheit assoziiert.

Beim funktionellen Eisenmangel waren die Ergebnisse eindeutiger. Das Risiko für eine Koronare Herz­krankheit war um 24 % (HR 1,24; 1,07 bis 1,43) und die kardiovaskuläre Mortalität um 26 % (HR 1,26; 1,03 bis 1,54) erhöht. Die Gesamtmortalität stieg um 12 % (HR 1,12; 1,01 bis 1,24).

Da 2/3 der Teilnehmer einen funktionellen Eisenmangel hatten, waren die Auswirkungen auf die bevöl­kerungsbezogene attributable Fraktion (PAF) enorm. Die PAF gibt den Teil der Erkrankungen und Todes­fälle an, der dem Eisenmangel zugeordnet werden kann – und im Idealfall durch eine Behandlung vermieden werden könnte. Die PAF für die Todesfälle betrug 5,4 %. Von den kardiovaskulären Todes­fällen entfielen 11,7 % auf den Eisenmangel, bei der Koronaren Herzkrankheit waren es 10,7 %.

Dies bedeutet nicht automatisch, dass diese Anteile der Erkrankungen und Todesfälle durch eine Eisen­substitution vermieden werden könnten. Dies müsste in einer randomisierten kontrollierten Studie gezeigt werden. Die FAIR-HF-Studie („Ferinject Assessment in Patients with Iron Deficiency and Chronic Heart Failure“) hat vor einem Jahrzehnt bereits gezeigt, dass eine Eisensubstitution bei Patienten mit Herzinsuffizienz die Symptome lindern und die Lebensqualität bessern kann (New England Journal of Medicine 2009; DOI: 10.1056/NEJMoa0908355). Die Anschlussstudie FAIR-HF II untersucht derzeit, ob die Substitution auch die Sterblichkeit der Patienten senkt. Die Ergebnisse werden in den nächsten Jahren erwartet. © rme/aerzteblatt.de

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