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Ärzteschaft

Kein Einbruch der Organspende durch die Pandemie, aber weiter niedriges Niveau

Donnerstag, 7. Oktober 2021

/dpa

Berlin – Die Pandemie hat die Organspende in Deutschland nicht sehr beeinträchtigt. Die gute und dezentrale medizinische Versorgung in Deutschland habe dazu beigetragen, dass transplantationsmedi­zini­sche Eingriffe weiterhin durchgeführt werden konnten, sagte heute Christian Strassburg, Präsident der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG), zum Auftakt der hybrid stattfindenden 30. Jahresta­gung der Fachgesellschaft.

In den vergangenen zwei Jahren sei es zu keiner nennenswerten Abnahme der Transplantationszahlen gekommen. Die Zahl der Transplantationen sei im Jahr 2020 gegenüber 2019 letztlich nur um sechs Prozent zurückgegangen, erklärte der DTG-Präsident. Das dürfe aber nicht über ein grundlegendes Pro­blem hinwegtäuschen.

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„Der Organmangel in Deutschland ist nach wie vor dramatisch eklatant, eine Trendwende ist nicht in Sicht.“ Deutschland sei im Hinblick auf die Organspende europaweit fast das Schlusslicht, mit Ausnahme von Luxemburg müssten Patientinnen und Patienten nirgendwo anders so lange auf ein lebensrettendes Organ warten.

Die Rückschau der Gesellschaft auf das vergangene Jahr ist dennoch grundsätzlich positiv: 2020 wurden bundesweit 3.518 Organe transplantiert, 502 davon waren Lebendspenden (DSO-Jahresbericht 2020). 2019 waren es insgesamt 3.767 Organe gewesen (DSO-Jahresbericht 2019). Insgesamt konnten im Jahr 2020 3.347 Menschen transplantiert werden gegenüber 3.543 im Jahr 2019.

Angesichts der Tatsache, dass die Möglichkeit der Transplantation letztlich immer von der Intensiv­betten­kapazität abhänge und zwei Pandemiewellen im Jahr 2020 erfolgten, sei der moderate Rückgang der durchgeführten Transplantationen erklär- und vertretbar, betonte Strassburg.

Positiv bewertete der DTG-Präsident das Gesetz zur „Verbesserung der Zusammenarbeit und der Struk­turen bei der Organspende“, das seit April 2019 in Kraft ist. Allerdings lasse sich der Effekt auf die Spen­derzahlen derzeit nicht sicher einschätzen, weil die Coronapandemie die Situation in den Kliniken und auf den Intensivstationen stark verändert habe.

„Vor diesem Hintergrund bleibt es ein wichtiges Anliegen der DTG, auf eine Erhöhung von Spenderzahlen hinzuwirken und ergebnisoffen zu diskutieren“, sagte Strassburg und verwies auf eine mögliche Diskus­sion der Widerspruchslösung bei der Organspende.

DTG-Generalsekretär Mario Schiffer wies auf der Jahrestagung auf europäische Registerdaten aus dem Jahr 2020 hin. Diese zeigen, dass eine SARS-CoV-2-Infektion für transplantierte Menschen ein größeres Risiko birgt als für die Allgemeinbevölkerung.

Während etwa fünf Prozent der Allgemeinbevölkerung schwere Verläufe aufwiesen, seien das bei nieren­transplantierten Menschen 34 Prozent gewesen, berich­tete er. 19,7 Prozent aller nierentransplantierten COVID-19-Patienten mussten beat­met werden, auch die Sterblichkeit sei bei nieren­transplantierten Menschen mit 20 Prozent sehr viel höher gewesen.

„Es gibt verschiedene Gründe, warum transplantierte Menschen ein höheres Risiko haben könnten. Sie haben mehr Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf, wie Diabetes mellitus, Hypertonie und andere kardiovaskuläre Risiken, die oft schon vor der Transplantation bestanden haben und sich nach Transplantation fortsetzen“, erläuterte er. Besonders hervorzuheben sei die Immunsuppression, auf die Transplantierte angewiesen seien und die aber eine gute Immunantwort drossele.

Auch der Schutz vor COVID-19 nach zweimaliger Impfstoffgabe stelle sich bei Transplantierten nicht im gleichen Maße wie bei gesunden Menschen ein, sagte Schiffer. Studien, die in Deutschland durchgeführt worden waren, hätten zeigt, dass die Immunantwort bei nierentransplantierten Patien­ten nur 26 Prozent nach einer Impfung mit dem Biontech-Impfstoff und 49 Prozent nach Impfung mit dem Moderna-Impf­stoff betragen habe – und zwar stark abhängig von der Anzahl und Art der verwen­deten immunsuppres­siven Therapie.

„Erfreulich ist, dass eine Drittimpfung die Rate an „Impfversagern“ deutlich reduzieren könne, so Schiffer. Dennoch sei auch nach drei Impfungen ein beträchtlicher Teil nicht vollständig geschützt. „Die Betrof­fenen sollten nach wie vor vorsichtig sein, zum Eigenschutz Masken tragen und ihre sozialen Kontakte beschränken“, so der Erlanger Transplantationsmediziner. © ER/aerzteblatt.de

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