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Medizin

Gendermedizin: Frauen mit Typ-2-Diabetes erkranken trotz weniger Medikamente seltener an Spätkomplikationen

Samstag, 9. Oktober 2021

/bit24, stock.adobe.com

Stockholm – Frauen mit Typ-2-Diabetes werden offenbar seltener mit kardioprotektiven Medikamenten behandelt als Männer, erkranken aber in den Folgejahren dennoch nicht häufiger an Herz-Kreislauf-Er­krankungen. Dies ergab die Post-hoc-Analyse einer Endpunktstudie, deren Ergebnisse auf der Jahresta­gung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) vorgestellt wurden.

Für die meisten Menschen mit Typ-2-Diabetes ist der erhöhte Blutzucker nicht das einzige Gesundheits­problem. Bei vielen sind Blutdruck und Lipidwerte ebenfalls erhöht, und die Leitlinien raten dringend, diese Störungen zu behandeln. Dies gelingt jedoch selbst in klinischen Studien nicht immer, wie eine Auswertung der REWIND-Studie zeigt.

Die REWIND-Studie hatte untersucht, wie sich die wöchentliche Behandlung mit dem GLP-1-Agonisten Dulaglutid auf die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirkt. Sie gehörte damit zu den Endpunktstudien, zu der die Arzneimittelbehörden die Hersteller neuer Antidiabetika verpflichten. In klinischen Studien wird in der Regel sorgfältig darauf geachtet, dass auch die begleitenden Gesundheitsstörungen behandelt werden. Giulia Ferrannini stieß hier bei der Analyse der Daten auf eine Benachteiligung von Frauen.

Zu Studienbeginn hatten nur 73 % der Frauen ein Statin und 44 % ASS eingenommen, gegenüber 81 % beziehungsweise 58 % bei den Männern. Auch ACE-Hemmer oder Sartane waren ihnen mit 80 % versus 83 % etwas seltener verordnet worden.

Die Benachteiligung war auch im Jahr 2 der Studie noch vorhanden, und angesichts der nachgewiesenen präventiven Wirkung der Medikamente wäre eigentlich zu erwarten gewesen, dass es bei den Frauen häufiger zu Herz-Kreislauf-Ereignissen kommt. Dies war allerdings am Ende der Studie nach durchschnittlich 5,4 Jahren Behandlung nicht der Fall. Im Gegenteil: Die meisten Endpunkte der Studie traten bei Frauen seltener auf als bei Männern.

Die Vorteile waren bei den Teilnehmerinnen ohne Vorerkrankungen besonders deutlich. Frauen erkrankten zu einem Drittel seltener an einem Herzinfarkt (2,1 % versus 3,3 %), und auch die Zahl der Todesfälle an Herz-Kreislauf-Erkrankungen (2,8 % versus 4,1 %) und der Gesamttodesfälle (4,9 % versus 8,1 %) war deutlich niedriger. Nur Schlaganfälle waren bei den Frauen etwas häufiger aufgetreten als bei den Männern (3,0 % versus 2,7 %).

Für den Gesamt-Endpunkt MACE („major adverse cardiac events“) ermittelt Ferrannini eine Hazard Ratio von 0,77, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,63 bis 0,93 signifikant war. Frauen ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen erlitten trotz der schlechteren Behandlung zu einem Viertel seltener ein MACE.

Auch bei Frauen mit vorbestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung kam es seltener zu neuen Ereignissen. Die Zahl der Herzinfarkte war mit 5,5 % versus 9,2 % deutlich geringer. Beim Schlaganfall und in den Sterberaten waren die Unterschiede geringer. Dennoch war die Hazard Ratio für die MACE mit 0,64 (0,51 bis 0,81) signifikant.

Die Gründe für die besseren Ergebnisse bei den Frauen sind nicht bekannt. Offensichtlich war der Schutz, den Frauen vor der Menopause durch die weiblichen Geschlechtshormone hatten, auch im mittleren Alter von 66 Jahren der Studienteilnehmer noch vorhanden. Die Ansicht, dass Frauen bei einem Typ-2-Diabetes diesen Vorteil verlieren, trifft offenbar nicht zu. © rme/aerzteblatt.de

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