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Medizin

SARS-CoV-2: Geldprämie erhöht Impfquote in randomisierter Studie

Dienstag, 12. Oktober 2021

/picture alliance, dpa | Sven Hoppe

Lund – In Schweden wurden einer Gruppe von 18- bis 49-Jährigen 200 Kronen versprochen, wenn sie sich impfen ließ. Die jetzt in Science (2021; DOI: 10.1126/science.abm0475) veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass der kleine Geldbetrag die Impfbereitschaft und auch die tatsächliche Impfquote – ein wenig – anstiegen ließ.

Verschiedene Länder und Regionen haben in den letzten Monaten mit finanziellen Anreizen versucht, die Impfbereitschaft zu steigern. Im kanadischen Vancouver gab es eine Belohnung von 5 Dollar, in Griechen­land wurden sogar 150 Dollar versprochen, in den USA bieten verschiedene Firmen einen kleinen Bonus, und Präsident Biden hat die Bundesstaaten aufgefordert, den Impfwilligen 100 Dollar auszuzahlen. In Ohio konnten die Geimpften an einer Lotterie teilnehmen.

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Ob die Maßnahmen wirken, wurde jetzt in Schweden in einer Studie untersucht. Dort wurden zwischen Mai und Juli 8.286 Erwachsene im Alter von 18 bis 49 Jahren von Demoskopen der Firma Norstat kontaktiert. Sie wurden über die für gerade freigegebene Impfung informiert.

Zusätzlich wurde in 4 Gruppen ein Anreiz zur Impfung geschaffen. Er bestand in der 1. Gruppe aus der Zahlung von 200 schwedischen Kronen (etwa 20 Euro). In der 2. Gruppe wurden die Teilnehmer gebeten, eine Liste von 4 Personen aufzustellen, die von einer Impfung profitieren würden. Dies sollte den sozialen Druck auf die eigene Impfung erhöhen („social impact condition“). In der 3. Gruppe sollten die Teilnehmer eine Reihe von Argumenten aufschreiben, mit denen andere Menschen von der Notwendig­keit einer Impfung überzeugt werden könnten.

Der Hintergedanke war, dass die Teilnehmer sich dann auch eher selbst impfen lassen („arguments condition“). In der 4. Gruppe gab es ein Quiz mit Wissensfragen zur Sicherheit und Wirksamkeit der Impfung („information condition“). Die 5. Gruppe erhielte keinerlei Anreize oder Anstöße.

Wie das Team um den Ökonomen Erik Wengström von der Universität Lund berichtet, waren am Ende nur die finanziellen Anreize erfolgreich. Während die anderen Anstöße die Impfbereitschaft nicht signifikant steigerten, erhöhte die Aussicht auf eine Geldprämie die Absicht, sich impfen zu lassen, von 83,5 auf 87,2 %. Der Anteil der Geimpften (die sich in Schweden wegen der persönlichen Identifikations­nummer leicht ermitteln ließ) stieg von 71,6 % auf 75,6 % an.

Das ist zwar nur ein Anstieg um 3,9 %-Punkte, der jedoch in der statistischen Auswertung signifikant war. Damit steht für Wengström fest, dass selbst ein geringer finanzieller Anreiz in der Lage ist, die Impfquote zu erhöhen. Der Ökonom warnt allerdings auch vor möglichen Folgekosten. Falls eine weitere Impfung etwa zur Auffrischung notwendig werden sollte, könnte die Bereitschaft ohne Geldzahlung gering sein. © rme/aerzteblatt.de

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