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Vor 200 Jahren wurde der Mediziner Rudolf Virchow geboren

Dienstag, 12. Oktober 2021

/picture alliance / Bildagentur-online, Schöning

Berlin – Er nannte sich selbst „Firchow“, mit „F“ gesprochen wie in „Vater“: Rudolf Virchow – Historiker, Politiker und vor allem ein Arzt, der die moderne Pathologie begründete und eine sozial orientierte Medizin vertrat. Auf seine Initiative gehen in Berlin kommunale Krankenhäuser, Einrichtungen für psy­chisch kranke Menschen, Obdachlosenheime, Institute der Charité sowie einige Museen zurück. Vor 200 Jahren, am 13. Oktober 1821, wurde Rudolf Virchow geboren.

„Mediziner kann nur derjenige genannt werden, der als den letzten Zweck seines Strebens das Heilen betrachtet." Das schrieb Virchow im Jahr 1847 – ein ambitionierter Satz, den er sich für seine Arbeit selbst zu Herzen nahm. Im pommerschen Schivelbein wird er als einziger Sohn des Kaufmanns Carl Virchow und seiner Frau Johanna geboren.

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Bereits als Kind war er wissbegierig, stöberte gern in der Bibliothek seines Vaters. Die Familie verfügte nur über geringe finanzielle Mittel, die ein Studium an einer Universität nicht zuließen. Virchow studier­te deshalb von 1839 bis 1843 Medizin an der Ärztlichen Militärakademie in Berlin.

Schnell stellte sich heraus, dass Virchow vielseitig begabt war und Interesse an verschiedenen wissen­schaft­lichen Disziplinen hatte. Sein Studienfreund, der Berliner Arzt und Pathologe Rudolf Leubuscher, äußerte einmal über ihn: „Ich bin erstaunt, was der Mensch zusammenarbeiten kann und wie er den Kopf für alle möglichen auseinanderliegenden Beobachtungen offen hat.“

1845 beschrieb Virchow als erster Arzt die Leukämie, deren Namen er prägte. 1848 untersuchte er im Auf­trag der Regierung eine Fleckfieberepidemie in Oberschlesien. Daraufhin forderte er in seinem Be­richt die „volle und unumschränkte Demokratie“, ohne die es keinen Wohlstand und keine Gesundheit geben könne.

Als Professor für pathologische Anatomie in Würzburg sorgte er für den wissenschaftlichen Durchbruch der Zellularpathologie: Diese besagte, dass Krankheiten auf Störungen der Körperzellen basieren und nicht – wie bisher angenommen – auf einer ungleichmäßigen Mischung der Körpersäfte. 1856 wurde Virchow zum Direktor des pathologischen Instituts der Charite berufen.

In Berlin führte er als Arzt und liberaler Politiker Hygienestandards ein, um etwa Sauberkeit und Arbeits­bedingungen in Schlachtbetrieben und an Krankenhäusern zu verbessern. Er sorgte für den Ausbau der Berliner Kanalisation und forderte eine ordentliche Ausbildung für Pflegepersonal.

1861 wurde der Freigeist Virchow Mitbegründer der liberalen Deutschen Fortschrittspartei. Das führte mitunter auch zur Konfrontation mit Ministerpräsident Otto von Bismarck: 1865, nach einer besonders scharfen rednerischen Auseinandersetzung, forderte dieser Virchow gar zum Duell – damals ein probates Mittel, sich eines unliebsamen Gegners zu entledigen. Durch Vermittlung des Kriegsminis­ters sah Bis­marck schließlich von seiner Forderung ab.

Virchow war Protestant, äußerte sich in der Öffentlichkeit allerdings auch kirchenkritisch. So wird ihm oft der Satz „Ich habe so viele Leichen seziert und nie eine Seele gefunden“ zugesprochen. Allerdings wehrte er sich selbst 1877 im preußischen Abgeordnetenhaus gegen diesen Vorwurf und behauptete, so etwas nie gesagt zu haben.

Der Wissenschaftler, der etwa auch das Berliner Museum für Völkerkunde maßgeblich initiierte und konzipierte, hatte zugleich Schattenseiten. So besaß er eine große Schädelsammlung und koope­rier­te mit den Vorläufern von Hagenbecks rassistischen Völkerschauen.

„Diese Menschenvorführungen sind sehr interessant für jeden, der sich einigermaßen klar werden will über die Stellung, welche der Mensch überhaupt in der Natur einnimmt, und über die Entwicklung, welche das Menschengeschlecht durchmessen hat", befand der Mediziner.

Im Januar 1902 stürzt Virchow in Berlin beim Verlassen der elektrischen Straßenbahn und zieht sich einen Oberschenkelhalsbruch zu, von dem er sich nicht mehr erholt. Am 5. September 1902 stirbt er mit 80 Jahren in Berlin. © kna/aerzteblatt.de

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