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Politik

Gesündere Lebensmittel: Klöckner verteidigt verbotsfreie Strategie

Montag, 11. Oktober 2021

/Ralf, stock.adobe.com

Köln – Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat ihren Ansatz verteidigt, ohne Verbote auf eine gesündere Ernährung hinzuwirken. Zahlreiche Verbände der Lebensmittelwirtschaft hätten sich erstmals dazu verpflichtet, Zucker, Salz, Fette und Kalorien in ihren Produkten zu reduzieren – und die Strategie wirke, sagte Klöckner laut Redemanuskript in Köln zum Auftakt der Lebensmittelmesse Anuga.

„35 Prozent weniger Zucker in Erfrischungsgetränken, 20 Prozent weniger in Joghurts für Kinder und eine deutliche Salzreduktion bei verpacktem Brot sind das bisherige Ergebnis“, wie eine wissenschaft­liche Überprüfung ergeben habe.

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Mit dem vor einem Jahr in Deutschland eingeführten Lebensmittel-Logo Nutri-Score werde „eine bessere Zusammensetzung der Lebensmittel sichtbar“, sagte die Ministerin. „Schon 233 Unternehmen mit 452 Marken machen mit.“

Das in Frankreich entwickelte System bedeutet so viel wie „Nährwert-Punktzahl“ und bezieht neben Zu­cker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Elemente wie Ballaststoffe, Eiweiß oder Anteile an Obst und Gemüse ein.

Für die Mengen pro 100 Gramm werden jeweils Punkte vergeben. Das Ergebnis ist ein einziger Gesamt­wert, der in einer fünfstufigen Skala abgebildet wird: von „A“ auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes „C“ bis zum roten „E“ für die ungünstigste. Das zutreffende Feld wird hervorgeho­ben.

Als nächsten Schritt sieht Klöckner „ein EU-weit einheitliches Nährwertkennzeichen“. Das wäre „gut für die Konsumenten und die Produzenten, damit alle überall in der EU von mehr Transparenz, von mehr Information profitieren können - und nicht für jedes Land ein anderes Label gedruckt werden muss.“

Die Verbraucherorganisation Foodwatch forderte unterdessen von der künftigen Bundesregierung ein Verbot von Werbung für ungesunde Lebensmittel gezielt an Kinder. „Der Gesundheitsschutz der Kinder muss wichtiger sein als die Gewinninteressen der Süßwaren- und Junkfood-Industrie“, sagte Foodwatch-Expertin Saskia Reinbeck.

Dazu seien freiwillige Maßnahmen der Hersteller nicht geeignet. Für Kinder angepriesen werden sollten nach dem Willen von Foodwatch nur noch Produkte, die Nährwertempfehlungen der Weltgesundheits­organisation (WHO) entsprechen oder beim Nährwert-Logo Nutri-Score die günstigste Bewertung haben.

Mit Blick auf die laufenden Sondierungen über eine Ampel-Koalition forderten die Verbraucherschützer die SPD auf, Werbebeschränkungen nicht in Verhandlungen mit der FDP zu opfern. Im SPD-Wahlpro­gramm heißt es: „An Kinder gerichtete Werbung wollen wir reglementieren.“

Foodwatch verweist auch auf einen SPD-Vorstandsbeschluss von Mai, „an Kinder gerichtetes Marketing für ungesunde Produkte wie Süßigkeiten, Softdrinks und Fastfood“ zu untersagen. Kanzlerkandidat Olaf Scholz müsse jetzt Wort halten, sagte Reinbeck. Werbung für Ungesundes fördere Übergewicht und Krankheiten wie Diabetes.

Im Wahlprogramm der Grünen heißt es: „Für Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder richtet, wollen wir klare Regeln, die sich an den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation orientieren.“ Die FDP tritt in ihrem Programm für „transparente Nährwertinformationen“ und eine frühzeitige Ernährungsbildung in Kindertagesstätten und Schulen ein. © dpa/aerzteblatt.de

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