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Politik

Wegen Coronaimpfzahlen: RKI-Chef Wieler in der Kritik

Montag, 11. Oktober 2021

Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI)/ picture alliance, John Macdougall

Berlin – Politiker von FDP und Grünen haben eine mangelnde Distanz des Robert-Koch-Institut (RKI) zur Bundesregierung beklagt und Unzufriedenheit mit Instituts-Chef Lothar Wieler geäußert. Anlass für die Kritik ist das Eingeständnis des Instituts vom vergangenen Donnerstag, dass die Zahl der Geimpften in Deutschland lange zu niedrig angegeben worden sei.

Bei Wieler gebe es „von Fehlereinsicht keine Spur“, sagte die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschen­berg-Dugnus (FDP) der Bild von vorgestern. Wieler sei „zu nah dran an der Linie der Bundesregierung“, kritisierte sie. Die FDP wolle, dass die Behörde nicht länger dem Bundesgesundheitsministerium unter­steht: „Wir machen uns dafür stark, dem RKI künftig politische Unabhängigkeit zu garantieren.“

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Aschenberg-Dugnus sagte weiter: „Wir haben schon vor Monaten geahnt, dass die Impfrate zu niedrig ausgewiesen wird.“ Doch die Bundesregierung habe dies stets bestritten. „Jetzt haben wir Oktober, und Herr Wieler korrigiert die Quote um fünf Prozent nach oben. Und es wird so getan, als wäre das ein Er­folg.“

Der Grünen-Politiker Dieter Janecek kritisierte in Bild: Andere Länder „kennen solche Probleme mit der Erfassung der Impfquote nicht: Deutschland ist mal wieder überfordert.“ Janecek sieht auch eine Mit­ver­antwortung Wielers für die langen Schulschließungen in Deutschland: „Das RKI hat einen Kurs mitge­tragen, der auf Kinder als angebliche Infektionstreiber ein besonderes Augenmerk gelegt hat.“

Das RKI hatte in einem am vergangenen Donnerstag veröffentlichten Bericht selbst Zweifel an seiner bislang offiziell bekannt gegebenen Impfquote geäußert: Es müsse dabei eine „Unterschätzung von bis zu fünf Prozentpunkten für den Anteil mindestens einmal Geimpfter beziehungsweise vollständig Ge­impfter angenommen werden“.

Es sei „in der Erwachsenenbevölkerung von einem Anteil mindestens einmal Geimpfter von bis zu 84 Prozent und einem Anteil vollständig Geimpfter von bis zu 80 Prozent auszugehen“. Die bislang offiziell dem RKI gemeldeten Zahlen dagegen ergaben bei den Erwachsenen aktuell eine Impfquote von 79,1 Prozent für mindestens einmal Geimpfte und 75,4 Prozent für vollständig Geimpfte.

Als Grund für die Verzerrung der Zahlen nannte das RKI, dass manche Impfstellen nicht alle Impfungen an das Institut melden würden – insbesondere bei den Betriebsärzten sei davon auszugehen, dass nur etwa die Hälfte der tatsächlich gemeldeten Impfungen in der Statistik erfasst worden seien. Um die ins­gesamt gemeldeten Zahlen zu überprüfen, ließ das Institut eine Telefonumfrage unter mehr als 1.000 Bürgern erstellen – deren Ergebnis wies auf eine deutlich höhere Impfquote hin.

Die Betriebsärzte wiesen den Verdacht des RKI über unzureichende Meldungen von Coronaimpfungen an das offizielle Impfregister allerdings vehement zurück.

„Dass nur die Hälfte der Betriebsärzte Daten an das RKI gemeldet haben soll, halten wir für äußerst un­realistisch“, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW), Wolfgang Pan­ter, der Augsburger Allgemeinen von vorgestern. „Ein bedeutender Teil der Betriebsarztimpfungen tau­chen in der Datenbank als normale Arztimpfungen auf“, betonte der Betriebsärztepräsident.

Das RKI selbst habe darauf bestanden, dass jene Betriebsärzte, die gleichzeitig eine Kassenzulassung haben, ihre Daten über die bestehenden Systeme der Kassenärztlichen Vereinigungen und nicht über das kompliziertere Direktmeldeverfahren an das Berliner Institut melden, sagte Panter.

„Wir gehen davon aus, dass dies für rund 1.500 Betriebsärzte gilt, die in Betreiben geimpft haben und ihre Daten an die Kassenärztlichen Vereinigungen übermittelt haben“, sagt er weiter. „Geht man realis­tisch davon aus, dass jeder dieser 1.500 Ärzte 1.000 Betriebsangehörige geimpft hat, wäre man bei 1,5 Millionen Impfungen.“ © afp/aerzteblatt.de

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