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Politik

Pflegebranche trifft sich in Berlin: Dringender Handlungsbedarf

Dienstag, 12. Oktober 2021

/picture alliance, Robert Schlesinger

Berlin – Wenige Wochen nach der Bundestagswahl trifft sich die Pflegebranche morgen und übermor­gen zum Deutschen Pflegetag in Berlin. Erwartet werden vor Ort im City Cube rund 1.500 Teilnehmer aus Politik, Wissenschaft und Gesundheitswesen. Während in der Hauptstadt die Koalitionsverhandlun­gen anlaufen, wollen die Pflegenden ihre Erwartungen direkt an die Politik formulieren.

„Den #PflEXIT verhindern“, so hat der Pflegerat als Dachverband der Pflegeorganisationen gleich die Auftaktpressekonferenz überschrieben. Dass es dringenden Handlungsbedarf gebe, sei vielen Menschen spätestens im Zuge der Coronapandemie bewusst geworden, so die neue Vorsitzende Christine Vogler: Wegen katastrophaler Arbeitsbedingungen kehrten viele Pflegekräfte dem Beruf den Rücken, Stellen blieben unbesetzt.

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Auf die Frage, ob sie jungen Menschen derzeit guten Gewissens den Einstieg in den Beruf empfehlen könne, sagte die gelernte Krankenschwester: „Den Beruf selbst kann ich zu jeder Zeit empfehlen. Er verbindet in einzigartiger Weise Wissen, Können und tiefe Menschlichkeit; es gibt auch Karrierechancen.“ Zugleich mahnte sie aber Interessenten, nicht blauäugig in den Beruf zu gehen. „Das ist keine TV-Soap, sondern harte Arbeit. Die Bedingungen gegenwärtig sind sehr schwierig.“

Auch der noch amtierende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will zum Pflegetag kommen. „Pflege bleibt ein zentrales Thema auf der politischen Tagesordnung, auch wenn Wahljahr und Pandemie vorüber sein werden“, versichert er in einem Grußwort.

Spahn zeigt sich selbstkritisch: Zwar sei es in den vergangenen Jahren gelungen, eine Abwärtsspirale zu stoppen und den Beruf attraktiver zu machen: mehr Personal durch neu finanzierte Stellen in der Altenpflege oder Pflegepersonaluntergrenzen.

Auch gebe es durch die Herausnahme der Pflegekosten aus dem Vergütungssystem der Fallpauschalen kein Sparen mehr auf Kosten der Pflege in den Krankenhäusern. „Dass die Summe aller Anstrengungen aus der Sicht von Einzelnen oft nur als Tropfen auf den heißen Stein wahrgenommen wird, macht klar, wie groß die gesamtgesellschaftliche Aufgabe weiterhin ist“, so der CDU-Politiker.

Ein zentrales Thema des Deutschen Pflegetages ist auch eine neue Aufgabenverteilung der Berufe im Gesundheitswesen. Schon angesichts der alternden Gesellschaft sei eine viel engere Kooperation aller Gesundheitsberufe notwendig, betont Vogler. „Wir müssen weg von der ärztezentrierten Betrachtung des Gesundheitssystems.“

Vogler, die dem Dachverband seit Juni vorsteht, räumt ein, dass es die Pflege bislang nicht geschafft habe, sich stärker zu organisieren und ihre Interessen in Politik und Gesundheitswesen stärker durchzu­setzen. Das liege an der Geschichte der Pflegeberufe, aber auch an Widerstand etwa von Arbeitgebern und Gewerkschaften gegen die Gründung von Pflegekammern.

„Wir brauchen auf jeden Fall viel mehr Selbstverwaltung und eine stärkere Stimme in den entscheiden­den Gremien des Gesundheitswesens, vor allem im Gemeinsamen Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen (G-BA)", so die Leiterin des Bildungscampus für Gesundheitsberufe Berlin. Auch der Staat müsse Interesse an einer besseren Selbstorganisation der Pflege haben und zum Beispiel Pflegekam­mern finanzieren.

Allein die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) verfüge als Interessenverband in Berlin mehr als 100 Mitarbeiter; der Deutsche Pflegerat als Dachorganisation der Pflegeverbände habe dagegen nur eine Handvoll Mitarbeiter und einen kleinen Büroraum. „Da zeigt sich, wie die Macht im Gesundheitswesen verteilt ist.“ © kna/aerzteblatt.de

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