NewsMedizinCOVID-19: Antikörpercocktail erzielt nach intramuskulärer Injektion frühe Wirkung bei ambulanten Patienten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

COVID-19: Antikörpercocktail erzielt nach intramuskulärer Injektion frühe Wirkung bei ambulanten Patienten

Montag, 11. Oktober 2021

/Christoph Burgstedt, stock.adobe.com

Cambridge/England – Eine Kombination aus 2 Langzeitantikörpern, die zur Prävention von COVID-19 entwickelt wurden, hat in einer Phase-3-Studie auch in der therapeutischen Anwendung eine gute Wirksamkeit erreicht. Laut einer Pressemitteilung des Herstellers Astrazeneca wurde die Rate von schweren Erkrankungen oder Todesfällen halbiert, wenn die Behandlung innerhalb von 7 Tagen nach Symptombeginn erfolgte. Bei einer Behandlung innerhalb von 5 Tagen stieg die Erfolgsrate auf 67 % an. Ein praktischer Vorteil der Langzeitantikörper ist die Möglichkeit zur intramuskulären Gabe.

Monoklonale Antikörper, deren Gene aus den B-Zellen genesener Patienten stammen und die dann gentechnisch in größerer Menge hergestellt werden, können bei COVID-19-Patienten die Zeit bis zur Produktion der körpereigenen Antikörper überbrücken. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Wirkung umso besser ist, je früher sie eingesetzt werden.

Anzeige

Ihre größte Stärke könnte der Infektionsschutz von Risikopersonen sein. Der britische Hersteller Astrazeneca hat die Halbwertzeit von 2 Antikörpern durch eine chemische Modifikation verdreifacht, um nach einer einmaligen Gabe eine Schutzwirkung von 9 Monaten oder länger zu erzielen (Außerdem wurde der Fc-Rezeptor modifiziert, um eine Infektionsverstärkung durch eine spätere Infektion zu verhindern).

Die PROVENT-Studie, deren Ergebnisse im August vorgestellt wurden, hat bereits gezeigt, dass eine einmalige intramuskuläre Injektion von Tixagevimab (AZD8895) und Cilgavimab (AZD1061) das Erkrankungsrisiko über 1 Jahr um 77 % senkt. Die Antikörper könnten deshalb eine kurzfristige Alternative zur Impfung sein (Langfristig könnte die Impfung besser sein, wenn sie die Bildung von langfristigen Gedächtniszellen induziert).

In der TACKLE-Studie, deren Ergebnisse jetzt vorliegen, wurde untersucht, ob AZD7442 – wie die Kombination aus AZD8895 und AZD1061 genannt wird – auch Patienten schützten kann, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben und leichte Symptome zeigen.

An der Studie nahmen an 96 Standorten in 13 Ländern (mit deutscher Beteiligung) 903 Patienten teil, bei denen eine Infektion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde und deren Symptombeginn nicht länger als 7 Tage zurücklag.

Laut Hersteller waren 13 % der Teilnehmer 65 Jahre und älter. Insgesamt 90 % wiesen zu Studienbeginn Komorbiditäten oder andere Merkmale auf, die mit einem erhöhten Risiko auf eine schwere Erkrankung verbunden sind. Darunter waren Krebs, Diabetes, Adipositas, chronische Lungenerkrankungen oder Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder eine Immunsuppression. Die meisten Studienteilnehmer kamen aus Amerika. Etwa die Hälfte waren Hispanoamerikaner oder Latinos.

Die Patienten erhielten am gleichen Tag 2 intramuskuläre Injektionen, die entweder die beiden Antikör­per oder Placebo enthielten. Der primäre Endpunkt war eine schwere COVID-19-Erkrankung oder ein Tod aus jeglicher Ursache. Er trat laut der Pressemitteilung des Herstellers im AZD7442-Arm bei 18 von 407 Patienten auf gegenüber 37 von 415 Patienten im Placeboarm. Dies entspricht einem signifika­nten Rück­­gang des Erkrankungsrisikos um 50 % (Angaben zum 95-%-Konfidenzintervall werden in der Presse­mitteilung nicht gemacht. Eine Publikation steht noch aus).

In einer vorab festgelegten Analyse erreichten im AZD7442-Arm nur 9 von 253 Teilnehmern den primä­ren Endpunkt, deren Krankheitsbeginn weniger als 5 Tage zurück lag. In der Placebogruppe waren es 27 von 251 Patienten. Dies entspricht laut Hersteller einem Rückgang um 67 %.

AZD7442 ist damit der erste Langzeitantikörper, für den sowohl ein Nutzen bei der Prophylaxe als auch bei der Behandlung von COVID-19 belegt werden konnte. Der Hersteller hat bei den Arzneimittelbe­hörden in den USA und Europa die Zulassung beantragt.

Ein praktischer Vorteil von AZD7442 gegenüber den bereits zugelassenen Antikörpern (Bamlanivimab/ Etesevimab von Eli Lilly und Casirivimab/Imdevimab von Regeneron) ist die intra­muskuläre Injektion. Sie erleichtert die Behandlung von ambulanten Patienten, die erst geringe Symp­tome zeigen.

Der Hersteller lässt derzeit in der ACTIV-3-Studie prüfen, ob AZD7442 auch bei Patienten wirksam ist, die bereits hospitalisiert wurden. Erfahrungsgemäß lässt die Wirksamkeit von Antikörperpräparaten mit zunehmender Dauer der Erkrankung nach, da dann die Komplikationen stärker als die Virusreplikation für den weiteren Verlauf verantwortlich sind. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER