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Medizin

Neuer Risikorechner prognostiziert Nierenversagen

Mittwoch, 3. November 2021

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

Regensburg – Anhand von 6 routinemäßig verfügbaren Blut- und Urinwerten lässt sich die Gefahr eines Nierenversagens vorhersagen. Der neue Risikoscore hatte eine signifikant bessere Vorhersagekraft als der bisherige Goldstandard, Tangri-Score. Das zeigt die Auswertung der Daten von fast 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der German Chronic Kidney Disease (GCKD)-Studie, die im American Journal of Kidney Diseases publizierte wurde (AJKD 2021; DOI: 10.1053/j.ajkd.2021.05.018).

Wenn eine Niereninsuffizienz diagnostiziert wird, ist unklar, wann die Nieren gänzlich versagen, so dass eine Dialyse erforderlich wird. Mithilfe von maschinellem Lernen wurden aus 22 Laborparametern sowie demographischen Daten und Körpermaßen diejenigen herausgefiltert, die zur Vorhersage des Nierenver­sagens maßgeblich sind. Die neue Risikoformel umfasst 6 Laborparameter: Serum-Kreatinin, -Albumin, -Cystatin C und -Harnstoff, zusätzlich zu Hämoglobin und dem Albumin-zu-Kreatinin-Verhältnis im Urin.

„Unsere Risikogleichung erreichte eine hohe Vorhersageleistung sowohl innerhalb der GCKD-Studie als auch in 3 unabhängigen, internationalen Validierungskohorten, die mehr als 3.000 Patientinnen und Patienten mit chronischer Nierenerkrankung umfassten“, betont Erstautorin Helena Zacharias von der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). An diesen Validierungskohor­ten nahmen Patientinnen und Patienten der französischen CKD-REIN Studie teil, sowie der englischen SKS Studie und der MMKD Studie aus Österreich, Südtirol und Deutschland.

Vorhersagekraft besser als mit bisherigem Risikokalkulator

In der Studie verglichen die Forschenden außerdem die Vorhersagekraft der neuen Risikogleichung mit der bisher verwendeten Tangri-Formel. Der 2012 publizierte Tangri-Score zur Prognose eines Nierenver­sagens beruht auf 4 Variablen: Alter, Geschlecht, geschätzte glomuläre Filtrationsrate, Albumin-zu-Kreatinin-Verhältnis im Urin. Dieser Score gelte derzeit als Goldstandard, um Nierenversagen vorher­zusagen, erklärt die Professorin für Klinische Metabolomik vom Institut für Klinische Molekularbiologie der CAU.

Die C-Statistik gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass ein zufällig ausgewählter Patient, bei dem ein Ereignis (zum Beispiel Nierenversagen) eingetreten ist, einen höheren Risikowert aufweist als ein Patient, bei dem das Ereignis nicht eingetreten ist. Sie liegt zwischen 0,5 und 1. Werte über 0,8 weisen auf ein starkes Modell hin.

„Wir konnten zeigen, dass unser Score eine signifikant bessere Vorhersagekraft hatte als der Tangri-Score.“ Der neue Risikokalkulator (Z6) erreichte 2 Jahre nach der Erstuntersuchung einen mittleren C-Statistikwert von 0,909 (95% CI, 0,868-0,937), während der Tangri-Score einen mittleren C-Statistik­wert von 0,855 (95% CI, 0,799-0,915) erreichte. In den 3 unabhängigen Validierungskohorten lagen die C-Statistikwerte des Z6 bei 0,894, 0,921 und 0,891, während die C-Statistikwerte des Tangri-Scores bei 0,882, 0,913 und 0,862 lagen.

Zu Forschungszwecken haben die Autoren den neuen Risikoscore online zur Verfügung gestellt. Benut­zer und Benutzerinnen können die 6 Parameter eingeben und erhalten eine Risikoeinschätzung für ein Nierenversagen innerhalb der nächsten 1 bis 4 Jahre. Die Entwicklung einer App sei ebenfalls ange­dacht, teilte Zacharias mit.

„Die Anwendung dieser Risikogleichung in der klinischen Praxis erlaubt uns, Personen zu identifizieren, die von einer intensivierten fachärztlichen Betreuung profitieren würden“, erklärt GCKD-Studienleiter Kai-Uwe Eckardt von der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Die Arbeiten von Helena Zacharias sind Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten e:Med-Nachwuchskonsortiums CKDNapp. © EB/gie/aerzteblatt.de

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