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Politik

Telematik­infrastruktur 2.0 soll ohne Konnektoren auskommen

Montag, 11. Oktober 2021

/benjaminnolte, stockadobecom

Berlin – Konnektoren als Hardware sollen für den Zugriff auf die Telematikinfrastruktur (TI) künftig nicht mehr erforderlich sein. Bis Ende 2025 ist geplant, die TI-Dienste direkt über das Internet zu erreichen.

Die­se und weitere Änderungen sind Teil der Modernisierung der Telematikinfrastruktur (TI 2.0), wie die Gematik heute mitteilte. Die Gesellschafterversammlung hat die Pläne demnach bereits am 29. Septem­ber beschlossen.

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Zu dem mehrjährigen Vorhaben gehört es zum Beispiel, den Authentifizierungsprozess von Leistungser­brin­gern wie Ärzten und Psychotherapeuten zu verändern. Bisher erfolgt die Authentifizierung noch über Smart­cards wie den elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) und die Praxis- & Institutionsausweise (SMC-B).

Künftig will die Gematik dafür die elektronische Identität (eID) einführen. Dabei sollen von der Gematik zugelassene Identitätsprovider die Authentifizierung übernehmen. Nutzer könnten dann nach einmaliger Anmeldung beim Identitätsprovider auf die TI-Dienste zugreifen.

Verbesserungen sind auch für Patienten vorgesehen. Sie sollen den Plänen zufolge künftig auch mit dem Smartphone direkt auf Dienste wie die elektronische Patientenakte (ePA) oder das elektronische Rezept (E-Rezept) zugreifen können.

Weitere Änderungen betreffen unter anderem die TI-Sicherheit über Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und die Etablierung technischer Standards wie der „Fast Healthcare Interoperability Resources“ (FHIR).

Man wolle gemeinsam mit den Gesellschaftern „bei der schrittweisen Weiterentwicklung ein besonderes Augenmerk auf den Nutzen für die Patienten, die Wirtschaftlichkeit und auf eine Verbesserung der Versorgungsprozesse legen“, erklärte der Geschäftsführer der Gematik, Markus Leyck Dieken.

Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), kann die Pläne für die nächste Generation der TI grundsätzlich nachvollziehen. „Es ist klar, dass man technologisch in eine neue Richtung gehen muss“, sagte er dem Deutschen Ärzteblatt.

Die Ärzte seien ja nicht unbedingt „Freunde des Konnektors“. Bei den Geräten handele es sich zudem im Prinzip um „eine alte Tech­nologie“. Diese sei zwar „nicht unbedingt schlecht“, aber auch teuer. Allerdings habe man schon „viel Geld und viel Mühen“ investiert. Nun müsse man bei einer Neuerung aufpassen, „nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten“.

Kriedel wies darauf hin, dass die Änderungen hin zu einer TI 2.0 zu Mehrkosten etwa durch neue Schutz­maßnahmen für die Arztpraxen führen könnten.

„Wenn die TI 2.0 voll ausgerollt wird, bedeutet das, dass die Praxen sich mit einer professionellen Fire­wall schützen müssen. Jetzt sind sie durch den Konnektor zumindest zu einem großen Teil geschützt, je nachdem wie sie angeschlossen sind“, so Kriedel. Er sprach von einem „schwierigen Umstiegsprozess“, es könne auch zu einem Parallelbetrieb beider Welten – mit und ohne Konnektoren– kommen.

„Ich kann es mir noch nicht so ganz vorstellen, wie das im Praxisalltag läuft. Das wird noch ein hochkom­plexes Thema werden“, sagte Kriedel. Das Ganze sei „eine Operation am offenen Herzen“. Schließlich handele es sich „nicht nur um ein theoretisches Konstrukt“. Noch seien viele Fragen zur TI 2.0 offen. Er sieht die Gematik nun unter Druck, bis Ende 2024 ein funktionierendes Konzept auf die Schiene zu setzen.

Anfang des Jahres hatte die Gematik bereits ein Whitepaper zur Weiterentwicklung der TI vorgelegt.

In der Gesellschafterversammlung der Gematik hält das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) 51 Prozent der Anteile. Zur Gesellschafterversammlung gehören darüber hinaus die Bundesärztekammer (BÄK), die Bundes­zahn­ärztekammer (BZÄK), der Deutsche Apothekerverband (DAV), die Deutsche Kran­kenhausgesellschaft (DKG), der GKV-Spitzenverband (GKV-SV), die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die Kassenzahn­ärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und der Verband der Privaten Krankenversi­che­rung (PKV). © hes/aerzteblatt.de

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