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Politik

Regierungsbericht schlägt Ärzteliste mit Long-COVID-Fach­leuten vor

Montag, 11. Oktober 2021

/dusanpetkovic1, stock.adobe.com

Berlin – Eine bessere Datengrundlage, mehr Informationen an Betroffene sowie an medizinisches Perso­nal und mehr Forschungsarbeit: Ein interministerieller Bericht listet eine Bestandaufnahme sowie Hand­lungsempfehlungen in fünf Themenfeldern für die Versorgung von Menschen mit Long COVID auf.

Für die medizinische Versorgung wird vor allem eine Liste von Ärztinnen und Ärzten mit Long-COVID-Expertise im ambulanten wie stationären Bereich gefordert. Dazu solle es gerade für den hausärztlichen Bereich mehr regionale Informationen geben, damit Hausärzte entsprechend an Fachambulanzen sowie Fachärzte überweisen können.

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Die Autoren des Berichts empfehlen, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) darüber informie­ren, wer welche Expertise in der Versorgung von Patienten mit Long COVID hat. Vorbild könne hier die KV Bayerns sein, die bereits ein entsprechendes Netzwerk aufgebaut hat.

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) soll eine Liste mit Ärztinnen und Ärzten erstellen, und damit „Kontaktinformationen zu interdisziplinären Long-COVID-Spezialambulanten an den Hochschulen bereitstellen“, so die Empfehlung im Bericht.

Dafür benötige es in der Zukunft auch mehr Koordination und Steuerung der Patienten. Ebenso wird an­geregt, dass die Vergütung der ärztlichen Behandlung im ambulanten Bereich im einheitlichen Bewer­tungsmaßstab (EBM) zügig angepasst wird. Denkbar sei in der Zukunft auch, dass ein Disease-Manage­ment-Programm (DMP) vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erarbeitet wird. Aktuell fehle dazu allerdings die Evidenzgrundlage.

Im Bericht empfiehlt die Arbeitsgruppe, dass auch Ärztekammern „systematisch Fortbildungen und ande­re Informationen anbieten, die Long COVID entweder berücksichtigen oder als Schwerpunktthema be­han­deln.“

Weitere Informationen an Ärztinnen und Ärzte soll auch über die Deutsche Gesellschaft für Allgemein­medizin und Familienmedizin (DEGAM) gegeben werden. Die Arbeitsgruppe schlägt vor, dass besonders „strukturierte Informationen zu Long COVID für den hausärztlichen Bereich“ dargestellt werden sollen.

In weiten Teilen beschäftigt sich der Bericht des Gremiums auch mit dem Forschungsstand zu den Lang­zeitwirkungen einer Erkrankung nach einer Coronainfektion auseinander. „Ein sehr hoher Erkenntnisbe­darf besteht zur Epidemiologie von Long COVID bei Kindern und Jugendlichen“, heißt es. Dabei werde empfohlen, dass weitere Studien gefördert werden.

Für die derzeit laufende „Corona-KiTa-Studie“ von Bundesgesundheitsministerium und Bundesfamilien­ministerium solle geprüft werden, ob diese verlängert und um Fragen zur Kindergesundheit ergänzt wer­den kann. Außerdem bestehe Forschungsbedarf in der Public-Health-Forschung zu vulnerablen Gruppen sowie sozial benachteiligte Menschen oder ältere Menschen. Auch müsse der erhöhte Rehabedarf von Betroffenen erforscht werden.

Diese Forschungsaktivitäten sollten nach Empfehlung des Berichts koordiniert stattfinden: „Die Akteure der Forschung finden sich zusammen, um sich in ihren Forschungsaktivitäten zu koordinieren und ge­mein­sam Informationen auszutauschen.“

Dabei sollen auch Datenbanken sowie Falldefinitionen harmonisiert werden. Zwar seien in den vergan­ge­nen Monaten schon einige Forschungsarbeiten realisiert worden, entsprechende Ergebnisse liegen auch schon vor. „Dennoch bleibt der Forschungsbedarf angesichts der Neuartigkeit des Krankheitsbildes sehr hoch“, heißt es.

Es gebe außerdem noch keine „gesicherte Datengrundlage“ gerade bei der Zahl der Kinder und Jugend­lichen, die an Long COVID erkranken. „Zudem wird häufig nicht deutlich, in welchem Ausmaß die gesund­heitlichen Langzeitfolgen Lebensqualität und Funktionsfähigkeit der Betroffenen einschränken, und in welchem Umfang und mit welcher Geschwindigkeit sie sich gegebenenfalls wieder zurückbilden“, heißt es weiter.

An der Interministeriellen Arbeitsgruppe (IMA), die vom Bundesgesundheitsministerium eingerichtet wurde, nahmen das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaf, das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat sowie das Bundeskanzleramt teil. In fünf der Sitzungen wurden auch Expertinnen und Experten zu den jeweiligen Themenkomplexen der Datenlage, der Versorgung, der Rehabilitation sowie der Kommunikation befragt. © bee/aerzteblatt.de

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