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DAK-Pflegereport: Junge Menschen zur Pflege Angehöriger bereit

Dienstag, 12. Oktober 2021

/spuno, stock.adobe.com

Hamburg – Etwa zwei Drittel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen würden Angehörige pflegen, wenn es in ihrer Familie zu einem Pflegefall kommen sollte. Das ist das Ergebnis des Pflegereports 2021, den die DAK-Gesundheit heute vorgestellt hat.

Bei der bundesweiten Umfrage zeigte sich: Bei knapp einem Drittel der jungen Menschen zwischen 16 und 39 Jahren gibt oder gab es bereits einen Pflegefall in der Familie, neun Prozent pflegen derzeit selbst.

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Kinder und Enkel von Pflegebedürftigen machen ihre Unterstützung neben moralischen Erwägungen vor allem davon abhängig, wie verbunden sie sich mit der zu pflegenden Person fühlen. Oftmals führt die Pflegetätigkeit sogar zu einem engeren Verhältnis, wie 43 Prozent der Befragten mit Pflegeerfahrung bestätigen.

Dennoch zeigten viele der Teilnehmer auch Vorbehalte und Ängste: So trauen sich 63 Prozent derer, die sich die Pflege Angehöriger nicht vorstellen können, diese persönlich nicht zu. 44 Prozent befürchten gar eine zu hohe seelische Belastung. Häufig stehen auch berufliche Gründe im Weg, etwa weil sich die Pflege nicht mit der eigenen Tätigkeit vereinbaren lässt (49 Prozent) oder der Wohnort zu weit entfernt ist (26 Prozent).

Trotz des Engagements und der hohen Bereitschaft junger Menschen sieht die DAK-Gesundheit eine man­gelnde Wertschätzung seitens der Politik. „Pflegende Angehörige wurden bei der jüngsten Pflege­reform der Bundesregierung zu wenig berücksichtigt und das, obwohl ihr Einsatz gerade in der Pandemie unverzichtbar ist. Die Bundesregierung sollte sich nach der Bundestagswahl stärker den Bedürfnissen der jungen Pflegenden und der großen Zahl der pflegenden Angehörigen widmen“, sagte Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit.

Mit 83 Prozent ist auch ein Großteil der Befragten der Meinung, die Politik müsse mehr für die Pflege tun. Konkrete Forderungen wurden in der Studie allerdings nicht abgefragt.

Die DAK-Gesundheit erwartet von der nächsten Bundesregierung unter anderem, einen Pflegegipfel einzuberufen und weitere Reformen anzustoßen. Insbesondere die Vereinbarkeit der häuslichen Pflege mit Beruf und Kinderbetreuung müsse verbessert werden – etwa durch einen gesetzlichen Anspruch auf Haushaltshilfe und Kinderbetreuung für bis zu 30 Tage im Jahr.

Thomas Klie von der Evangelischen Hochschule Freiburg, wissenschaftlicher Betreuer der Studie, er­gänzte: „Wir brauchen eine Stärkung der Pflege zu Hause. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels werden wir bald an die Kapazitätsgrenzen in Pflegeheimen stoßen. Wir müssen sicherstellen, dass pflegende Angehörige umfassend unterstützt werden, um ihren wichtigen gesellschaftlichen Auftrag erfüllen zu können. Wenn wir jetzt nicht aktiv werden, wird die Situation der Pflege weiter eskalieren.“

Der VdK-Sozialverband sieht sich durch die DAK-Ergebnisse in seinen Forderungen bestätigt. „Die Bun­des­regierung darf nicht länger einseitig die Lobbyinteressen der Pflegebetreiber bedienen, sondern muss endlich die häusliche Pflege stärken. Angehörige, vor allem auch jüngere Menschen, sind bereit zu pfle­gen und sehen darin auch eine sinnstiftende Tätigkeit“, kommentierte VdK-Präsidentin Verena Bentele den Pflegereport.

Für den DAK-Pflegereport 2021 „Junge Menschen und Pflege – Einstellungen und Erfahrungen nach­kommender Generationen“ befragte das Institut für Demoskopie Allensbach vom 19. bis zum 30. März 2021 1.310 junge Menschen zwischen 16 und 39 Jahren. Zusätzlich wurden acht qualitative Interviews geführt sowie Experten und DAK-Pflegeberater befragt. © hen/aerzteblatt.de

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