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Medizin

Studie: Spinalanästhesie bei Hüftoperation genauso sicher wie Vollnarkose

Donnerstag, 14. Oktober 2021

/chanawit, stock.adobe.com

Philadelphia – Die Wahl der Anästhesie hat anders als vielfach angenommen bei älteren Patienten keinen Einfluss auf die Ergebnisse einer Hüftchirurgie. Auch Komplikationen wie ein Delir traten in einer randomisierten klinischen Studie nach einer Vollnarkose nicht häufiger auf als nach einer Spinalanäs­thesie. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der American Society of Anesthesiologists (ASAHQ) vorgestellt und im New England Journal of Medicine (NEJM 2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2113514) publiziert.

Viele Anästhesiologen bevorzugen bei älteren Patienten eine Spinalanästhesie, die sie für weniger belastend halten. Beobachtungsstudien bestätigten diesen Eindruck. Die Spinalanästhesie war dort sogar mit einem geringeren Sterberisiko assoziiert. Es schien seltener zu einem postoperativen Delir und anderen schwerwiegenden Komplikationen zu kommen, und die Patienten wurden früher aus dem Krankenhaus entlassen als nach einer Vollnarkose. Viele Patienten wünschen sich dagegen, dass sie die Operation „im Schlaf“ hinter sich bringen können.

Beobachtungsstudien können aus verschiedenen Gründen zu verzerrten Ergebnissen führen. Einer ist, dass die Ärzte die Spinalanästhesie eher Patienten anbieten, bei denen die Injektion eines Lokalanäs­thetikums in den Subarachnoidalraum leichter durchführbar erscheint. Dass diese Personen in einem körperlich besseren Zustand sind, könnte dann statt der Spinalanästhesie für die besseren Ergebnisse verantwortlich sein.

Anästhesiologen aus den USA und Kanada haben beide Formen jetzt erstmals in einer größeren rando­misierten Studie miteinander verglichen. Finanziert wurde sie vom „Patient-Centered Outcomes Research Institute“, das unter der Obama-Administration eingerichtet wurde. An der Studie nahmen 46 Krankenhäuser in den USA und Kanada teil, die 1.600 Patienten auf eine Spinal- oder Allgemeinanäs­thesie randomisierten.

Als Indikation wurde eine Hüftfraktur gewählt, die vor allem im hohen Alter auftritt, wenn viele Patien­ten bereits gebrechlich sind. Das mittlere Alter der Patienten lag bei 78 Jahren. 2/3 waren Frauen. Die meisten Patienten hatten Vorerkrankungen: Etwa 60 % wurden als ASA-Stadium III („schwere Allgemein­erkrankung“) und fast 6 % als ASA-Stadium IV („lebensbedrohlich schwere Allgemeinerkrankung“) eingestuft. Wenn es keine Notoperation gewesen wäre, hätten die Anästhesiologen wohl in vielen Fällen eine Operation verweigert.

Der primäre Endpunkt der REGAIN-Studie („Regional Versus General Anesthesia for Promoting Independence After Hip Fracture“) war, dass die Patienten 60 Tage nach der Operation noch am Leben waren und wenigstens 10 Fuß (3 Meter) eigenständig (aber vielleicht mit einer Gehhilfe) gehen konnten.

Dieses Ziel erreichten in der Spinalanästhesiegruppe 132 von 712 Patienten (18,5 %) und in der Allgemeinanästhesiegruppe 132 von 733 Patienten (18,0%) nicht. Das Team um Mark Neuman von der Perelman School of Medicine in Philadelphia errechnet ein relatives Risiko von 1,03 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,84 bis 1,27.

Das Ergebnis schließt einen großen Vorteil einer der beiden Anästhesien weitgehend aus. Zu den Einschrän­kungen gehört, dass 15 % der Patienten, die einer Spinalanästhesie zugelost worden waren, am Ende eine Allgemeinanästhesie erhielten. Die Gründe lagen zum einen in technischen Problemen bei der Spinalanästhesie, in einigen Fällen hatten aber auch Arzt oder Patient eine Vollnarkose bevorzugt. Die Forscher fanden allerdings keine Hinweise, dass diese Abweichungen vom Protokoll die Ergebnisse beeinflusst haben.

Auch in den sekundären Endpunkten gab es keine signifikanten Unterschiede. Eine Unfähigkeit, nach 60 Tagen selbstständig zu gehen, lag in der Spinalanästhesiegruppe bei 104 von 684 Patienten (15,2 %) vor gegenüber 101 von 702 Patienten (14,4 %) in der Allgemeinanästhesiegruppe (relatives Risiko 1,06; 0,82 bis 1,36). Zum Tod innerhalb von 60 Tagen kam es bei 3,9 % versus 4,1 % der Patienten (relatives Risiko 0,97; 0,59 bis 1,57). Ein Delir trat bei 20,5 % versus 19,7 % der Patienten auf (relatives Risiko 1,04; 0,84-1,30).

Für Neuman bedeuten die Ergebnisse, dass eine Vollnarkose für viele Patienten bei einer Hüftfraktur eine sichere Option sein kann. Patienten, Familien und Ärzte könnten die Wahl der Anästhesie frei von Bedenken hinsichtlich klinischer Komplikationen treffen. © rme/aerzteblatt.de

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