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Medizin

Studie: Schwangerschaften von Frauen mit angeborenem Herzfehler sicher, aber nicht komplikationsfrei

Freitag, 19. November 2021

/Pormezz, stock.adobe.com

Münster – Eine Schwangerschaft stellt für eine Frau mit angeborenem Herzfehler in Deutschland kein lebensgefährliches Risiko dar. Eine Auswertung von Abrechnungsdaten der BARMER-Krankenkasse im European Heart Journal (2021; DOI: 10.1093/eurheartj/ehab571) zeigt jedoch, dass es zu Komplikatio­nen bei Mutter und Kind kommen kann. Jedes 6. Kind kam mit einem Herzfehler zur Welt, der häufig in den ersten Lebensjahren operiert werden musste.

Frauen mit einem angeborenen Herzfehler wurde in der Vergangenheit von einer Schwangerschaft abgeraten. Frühere Studien hatten auf ein erhebliches Risiko für Leben und Gesundheit von Mutter und Kind hingewiesen. Inzwischen haben sich die Behandlungsmöglichkeiten verbessert, so dass mehr Patienten das Erwachsenenalter erreichen und viele Frauen sich ihren Kinderwunsch erfüllen. Von den 25.585 Frauen im Alter von 10 bis 55 Jahren, die 2015 bis 2018 bei BARMER krankenversichert waren, waren 4.015 wenigstens einmal schwanger.

Wie Astrid Lammers vom Universitätsklinikum Münster (UKM) und Mitarbeiter anhand der Abrechnungs­daten der Versicherung ermittelten, hat keine der 7.512 Schwangerschaften zum Tod der Mutter geführt. Die Rate der Fehlgeburten oder Aborte war mit 34,5 % zwar etwas höher als in einer Kontrollgruppe von Frauen ohne Herzfehler, wo 31,0 % der Schwangerschaften vorzeitig endeten. Der Anstieg lässt sich aber dadurch erklären, dass jede 10. Schwangerschaft bei Frauen mit angeborenem Herzfehler aus medizi­nischen Gründen beendet wurde (vermutlich um die Frau vor Komplikationen zu schützen).

Bei den Frauen, die ihr Kind lebend gebaren, kam es allerdings nicht zu auffällig vielen Komplikationen. Nur die Rate von ischämischen Schlaganfällen (1,13 % gegen 0,17 % in der Kontrollgruppe) war erhöht, ebenso die Rate einer Herzinsuffizienz (0,84 % versus 0,03 %) und die Häufigkeit von neuen Herzrhyth­mus­störungen (0,82 % versus 0,12 %). Die Kinder der Frauen mit Herzfehler wurden auch häufiger per Kaiserschnitt geboren (40,5 % versus 31,5 %), was ebenfalls häufig eine Vorsichtsmaßnahme gewesen sein dürfte.

Die Komplikationen bei den Neugeborenen waren ebenfalls leicht erhöht. Es kam häufiger zu Totge­burten (1,4 % versus 0,4 %), einem Tod innerhalb des ersten Lebensmonats (0,83 % versus 0,22 %), zu einem niedrigen Geburtsgewicht von 1.000 bis 2.500 Gramm (7,54 % versus 5,25 %) oder einem extrem niedrigen Geburtsgewicht von unter 1000 Gramm (1,01 versus 0,53 %). Die Neugeborenen mussten häufiger mechanisch beatmet werden (8,74 % versus 3,57 %) und das Risiko von erheblichen sichtbaren Anomalien (0,86 % versus 0,43 %) und einem Down-Syndrom (0,91 % versus 0,21 %) oder anderen genetischen Syndromen (1,16 % versus 0,31 %) war erhöht.

Zu den Risikofaktoren für eine neonatale Morbidität gehörten die Komplexität des Herzfehlers, ein Bluthochdruck, eine Herzinsuffizienz und eine Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten sowie eine vorherige Fertilitätsbehandlung.

Auffällig war auch, dass 17,7 % der Kinder mit einem Herzfehler geboren wurden und 5,95 % deswegen in den ersten 6 Jahren operiert wurden. Offensichtlich hatten viele Mütter die Veranlagung auf ihr Kind vererbt, denn in der Kontrollgruppe hatten nur 2,9 % der Kinder einen angeborenen Herzfehler, der bei 0,39 % operativ korrigiert wurde.

Die Tatsache, dass keine Frau während der Schwangerschaft oder unter der Geburt starb, zeigt für die Editorialisten Jolien Roos-Hesselink and Karishma Ramlakhan vom Erasmus Medisch Centrum in Rotterdam, dass Schwangerschaften von Frauen mit angeborenem Herzfehler vor dem Hintergrund eines optimalen Gesundheitssystems sicher sind. © rme/aerzteblatt.de

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