NewsMedizinMuttermilch könnte Kinder von Mennoniten vor Allergien schützen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Muttermilch könnte Kinder von Mennoniten vor Allergien schützen

Freitag, 12. November 2021

/reddish, stock.adobe.com

Rochester/New York – Die Kinder von Mennoniten alter Ordnung, die in den USA in einer von traditio­neller Landwirtschaft geprägten Umgebung aufwachsen, erkranken anders als ihre Altersgenossen in einer nahen Großstadt nur selten an Allergien. Forscher vermuten in den Frontiers in Immunology (2021; DOI: 10.3389/fimmu.2021.741513), die Ursache in der Zusammensetzung der Muttermilch.

Die Mennoniten im Dorf Penn Yan, 65 Meilen südöstlich von Rochester, leben wie im 19. Jahrhundert. Die Bevölkerung betreibt eine vorindustrielle Landwirtschaft, die ohne Traktoren und Elektrizität auskommt. Die Kinder wachsen auf dem Bauernhof in Großfamilien auf, sie haben Kontakt mit zahl­reichen Haustieren und Nutztieren, sie trinken nicht pasteurisierte Rohmilch, bei Krankheiten wird auf den Einsatz von Antibiotika verzichtet.

Unklar ist, welcher dieser Faktoren für die niedrige Rate von Allergien in der Glaubensgemeinschaft verantwortlich ist. Tatsache ist, dass die Asthmaprävalenz bei 1,8 % liegt, während in den USA bereits 12 % der Bevölkerung darunter leiden. Nahrungsmittelallergien sind mit weniger als 2 % ebenfalls seltener als in der übrigen Bevölkerung, wo die Häufigkeit 6,5 % beträgt.

Kirsi Järvinen-Seppo und Mitarbeiter der Universität von Rochester vermuten, dass die Muttermilch ein entscheidender Faktor ist. Die Muttermilch bestimmt in den ersten Lebensmonaten die Zusammensetz­ung der Darmflora, die wiederum einen Einfluss auf die Entwicklung des Immunsystems hat. Immuno­logen gehen davon aus, dass sich allergische Erkrankungen in den ersten Lebensmonaten herausbilden, wenn das Immunsystem lernt, zwischen körpereigen und fremd zu unterscheiden.

Die Forscher haben Milchproben von 52 stillenden Müttern aus der Gemeinde der Mennoniten und von 29 stillenden Müttern aus der nahe gelegenen Stadt Rochester untersucht. Sie fanden heraus, dass die Milch der mennonitischen Müttern mehr IgA1- und IgA2-Antikörper gegen Erdnuss, Ei-Ovalbumin, Hausstaubmilben und das Bakterium Streptococcus equii, einem Erreger von Pferden, enthielt.

Die Milch der mennonitischen Mütter enthielt außerdem Milchmikroben, darunter Bakterien aus den Familien Prevotellaceae, Veillonellaceae und Micrococcaceae, sowie höhere Konzentrationen bestimmter Oligosaccharide und Fettsäuren.

Die Antikörper, Mikroben und Metaboliten könnten nach Ansicht von Järvinen-Seppo die Darmflora der Säuglinge (die sie nicht untersuchen konnten) verändern und das Immunsystem so „programmieren“, dass die Kinder lebenslang vor der Entwicklung allergischer Erkrankungen bewahrt werden.

Ob diese Hypothese zutrifft, kann die Studie nicht belegen. Hierzu müsste die Milch von mennonitischen Ammen an die Säuglinge der Großstadt verfüttert werden, was schwer vorstellbar ist. Tatsache ist allerdings, dass Allergien bis Anfang des 20. Jahrhunderts eine seltene Krankheit waren. Die Prävalenz stieg in den 1920er bis 1930er Jahren und vor allem nach dem 2. Weltkrieg stark an.

Die European Academy of Allergy and Clinical Immunology schätzt, dass bis 2025 die Hälfte der EU-Bevölkerung an Allergien leiden wird. In den USA sind bereits heute 30 % der Bevölkerung an Allergien erkrankt. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER