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Politik

Debatte über Legalisierung von Cannabis nimmt Fahrt auf

Mittwoch, 13. Oktober 2021

/H_Ko, stock.adobe.com

Berlin – Die Debatte über eine Legalisierung von Cannabis in Deutschland nimmt Fahrt auf. SPD-Gesund­heitsexperte Karl Lauterbach sprach sich dafür aus, in einem möglichen Koalitionsvertrag von SPD, Grü­nen und FDP eine Legalisierung von Cannabis festzuschreiben. Kritik folgte auf dem Fuße.

In einem Interview der Rheinischen Post plädierte Lauterbach dafür, eine kontrollierte Abgabe an Er­wach­sene zu erlauben, um dem Handel von mit Heroin versetztem Cannabis einen Riegel vorzuschieben.

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Das Bundesgesundheitsministerium ist hingegen weiter gegen eine Legalisierung, wie ein Sprecher von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) heute in Berlin deutlich machte. Bei Cannabis handle es sich um eine gefährliche Substanz, eine Legalisierung sei daher nicht angezeigt, sagte er. In bestimmten medizinischen Fällen könne die Verwendung von Cannabis helfen.

Vertreter von Polizeigewerkschaften hatten vor einer Legalisierung gewarnt. Sie argumentieren unter anderem, bei Cannabis handle es sich um eine oft verharmloste Droge, die gerade bei Jugendlichen zu erheblichen Gesundheitsproblemen und sozialen Konflikten führen könne.

Lauterbach sagte der Zeitung: „Jahrelang habe ich eine Cannabis-Legalisierung abgelehnt. Mittlerweile komme ich als Arzt aber zu einem anderen Schluss.“ Immer häufiger werde dem illegal verkauften Stra­ßencannabis neuartiges Heroin beigemischt, das sich rauchen lasse.

„Damit werden Cannabis-Konsumenten schnell in eine Heroin-Abhängigkeit getrieben.“ Dieses Phäno­men sei neu und verändere die Lage. Mit einer Legalisierung von Cannabis ließe sich der Handel mit ver­unreinigtem Haschisch unterbinden, sagte der SPD-Politiker. „Ich bin deswegen dafür, dass wir in einem möglichen Koalitionsvertrag mit Grünen und FDP einen Passus zur legalen und kontrollierten Abgabe von Cannabis an Erwachsene formulieren.“

Der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen (JuLi), Jens Teutrine, sprach sich für eine Entkriminalisierung von Cannabis aus. „Die Cannabislegalisierung ist eine überfällige Selbstverständlichkeit. Stigmatisierung, Prohibition & Kriminalisierung sind gescheitert“, schrieb der FDP-Bundestagsabgeordnete auf Twitter.

Zugleich machte er deutlich, dass es für eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP mehr brauche als „legales Kiffen“. Teutrine nannte eine Agenda für den sozialen Aufstieg, eine BaföG-Reform, eine „enkelfitte Rente“ und die Erhöhung der Minijobgrenze.

Im Wahlprogramm der FDP wird eine kontrollierte Freigabe von Cannabis gefordert: „Wir setzen uns da­für ein, den Besitz und Konsum für volljährige Personen zu erlauben. Nur mit einem Verkauf in lizenzier­ten Geschäften können die Qualität kontrolliert, die Weitergabe von verunreinigten Substanzen verhin­dert und der Jugendschutz gewährleistet werden.“

Im Grünen-Wahlprogramm heißt es, das derzeitige Verbot von Cannabis verursache mehr Probleme, als es löse. „Deshalb werden wir dem Schwarzmarkt den Boden entziehen und mit einem Cannabiskontroll­gesetz auf der Grundlage eines strikten Jugend- und Verbraucherschutzes einen regulierten Verkauf von Cannabis in lizenzierten Fachgeschäften ermöglichen und klare Regelungen für die Teilnahme am Straßenverkehr einführen.“

Die SPD spricht sich dafür aus, eine regulierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene in Modellprojekten von Ländern und Kommunen zu erproben. Zudem solle bundeseinheitlich geregelt werden, dass der Besitz kleiner Mengen von Cannabis strafrechtlich nicht mehr verfolgt werde.

Der Cannabiskonsum bei jungen Erwachsenen ist zuletzt weiter gestiegen. Das ist eines der Ergebnisse des in der vergangenen Woche vorgelegten Jahresberichts der Bundesdrogenbeauftragten Daniela Lud­wig. Unter den 18- bis 25-Jährigen stieg demnach der Anteil derjenigen, die nach eigenen Angaben in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens einmal Cannabis konsumiert haben, zwischen 2015 und 2018/19 von 15,3 Prozent auf 24,1 Prozent. © dpa/aerzteblatt.de

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