NewsMedizinMetaanalyse: Jeder 2. von COVID-19 Genesene leidet unter PASC
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Metaanalyse: Jeder 2. von COVID-19 Genesene leidet unter PASC

Donnerstag, 14. Oktober 2021

/niphon, stock.adobe.com

Hershey/Pennsylvania – Mehr als die Hälfte der 236 Millionen Menschen, bei denen seit Beginn der Pandemie COVID-19 diagnostiziert wurde, könnte nach den Ergebnissen einer Metaanalyse in JAMA Network Open (2021; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.28568) auch 6 Monate oder länger nach der Genesung unter Residualsymptomen leiden, die als PASC („postacute sequelae of COVID-19“) bezeichnet werden, besser bekannt als „Long COVID“.

Residualsymptome treten auch nach anderen Virusinfektionen wie etwa der Grippe auf. Nach COVID-19 scheinen sie jedoch schwerer zu sein und länger anzuhalten. In einer Metaanalyse, deren Ergebnisse ein Team um Vernon Chinchilli vom Penn State College of Medicine in Hershey/Pennsylvania jetzt vorstellt, litten 54 % der Patienten 1 Monat nach der Erkrankung unter mindestens 1 PASC.

Anzeige

Die Häufigkeit nahm in den Folgemonaten nicht ab. Nach 2 bis 5 Monaten klagten noch 55 % und nach 6 oder mehr Monaten noch 54 % über mindestens 1 PASC. Ein Ende von „Long Covid“ war demnach für viele Patienten auch ein halbes Jahr nach der akuten Erkrankung noch nicht in Sicht – was allerdings nicht ausschließt, dass die Zahl der Symptome abgenommen hat. Die Studie macht auch keine Aussage über die Dauer der einzelnen Symptome.

Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt darin, dass breite Symptomspektrum von PASC aufzuzeigen. Am häufigsten sind Allgemeinsymptome, über die mehr als die Hälfte der Patienten klagte. Dazu gehör­ten Müdigkeit, Fieber, Schmerzen oder auch ein Gewichtsverlust. Etwa 1/5 der Patienten (20,2 %) klagte über eine Einschränkung der Mobilität, bei 14,7 % war die körperliche Ausdauer eingeschränkt.

Zu den neurologischen Symptomen gehörten Konzentrationsschwierigkeiten (23,8 %), Gedächtnisstö­rungen (18,6 %) und kognitive Einschränkungen (17,1 %). Über Störungen des Geschmacks- und Geruchs­sinns klagten 11 % und 13 %. Unter Kopfschmerzen litten 8 % der Patienten.

Auch psychische Störungen waren häufig. Bei jedem 3. Patienten wurde eine generalisierte Angst­störung diagnostiziert (29,6 %), bei jedem 4. kam es zu Schlafstörungen (27,0 %), bei jedem 5. zu Depressionen (20,4 %) und bei 1 von 8 zu einer posttraumatischen Belastungsstörung (13,3 %).

Auch die Störungen der Lungenfunktion hielten häufig über das Ende der akuten Krise an. So berich­teten 29,7 % über eine Dyspnoe und 13,1 % über Husten. Einen erhöhten Sauerstoffbedarf hatten 65,0 % der Patienten. Bei 62,2 % der Patienten wurden anhaltende Veränderungen in der Bildgebung gefunden. Dazu gehörten pulmonale Diffusionsanomalien (30,3 %), Milchglastrübungen (23,1 %) oder sogar Lungenfibrosen (7,0 %). In der Spirometrie fielen restriktive Störungen (10,0 %) auf.

Im Herz-Kreislauf-Bereich gehörten Brustschmerzen (13,3 %) und Palpitationen (9,3 %) zu den häufigen Störungen. Einige Patienten klagten auch über dermatologische Probleme wie Haarausfall (20,8 %) oder Hautausschläge (2,8 %). Gastrointestinale Probleme wie Erbrechen oder Durchfall waren mit insgesamt 6 % eher selten.

Bei der Häufigkeit ist zu bedenken, dass es sich zumeist um Patienten handelt, die schwer an COVID-19 erkrankt waren. Insgesamt 79 % waren hospitalisiert. Die Patienten waren mit im Durchschnitt 54 Jahren jedoch nicht übermäßig alt.

Der Pathomechanismus ist weiter unklar. Chinchilli vermutet, dass dauerhafte Störungen des Immun­systems, eine latente Infektion oder eine erhöhte Produktion von Autoantikörpern eine Rolle spielen. Der Forscher hält es auch für möglich, dass das SARS-CoV-2-Virus sich dauerhaft im Nervensystem festsetzt. Dies würde die häufigen Symptome des Nervensystems wie Geschmacks- oder Geruchs­störungen, Gedächtnisstörungen und verminderte Aufmerksamkeit und Konzentration erklären. Beweise für eine dauerhafte Infektion des Gehirns gibt es allerdings derzeit nicht. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER